Ärzte Zeitung online, 15.01.2011

Trotz Sterilisation: Verschmutzte OP-Bestecke im Klinikum Fulda entdeckt

FULDA (gwa). Trotz Sterilisation sind Flugrost und Blutreste auf OP-Bestecken im Klinikum Fulda entdeckt worden. Das berichtet die Fuldaer Zeitung online. Die Klinikleitung habe sofort reagiert und halte seit Freitagnacht eine Notration an keimfreien OP-Bestecken vor, sodass Notfall-Operationen möglich seien.

Das Herz-Jesu-Krankenhaus ist ebenfalls von dem Vorfall betroffen, da die OP-Bestecke der Klinik ebenfalls im Klinikum Fulda gereinigt und sterilisiert werden.

Desinfektion und Sterilisation

Desinfektion: Einen Gegenstand zu desinfizieren bedeutet, mit entsprechenden Mitteln Keime wie Bakterien, Viren oder Pilze abzutöten oder zu inaktivieren, sodass keine Gefährdung mehr von ihnen ausgeht. Bei einer Desinfektion wird die Zahl lebender Keime massiv reduziert.

Desinfiziert werden zum Beispiel Endoskope für Magen- und Darmspiegelungen und Bronchoskopien. Da in Magen, Darm und Bronchien natürlicherweise Keime vorkommen, müssen solche Endoskope nicht steril sein. Es muss aber gewährleistet sein, dass nicht vermehrungsfähige Keime, etwa Hepatitisviren, von einem Patienten auf den anderen übertragen werden. Unabhängige Hygiene-Institute überprüfen zum Beispiel bei niedergelassenen Endoskopikern regelmäßig, ob die Endoskope sauber und keimfrei sind.

Sterilisation: Sterilisieren bedeutet, dass praktisch alle Mikroorganismen abgetötet werden. Per Definition darf von einer Million Keime nach Desinfektion höchstens noch ein lebender Keim gefunden werden. Darüber hinaus müssen Viren, Plasmiden und DNA-Fragmente inaktiviert sein.

Sterilisiert werden OP-Besteck und etwa Endoskope, die durch die desinfizierte Haut in den Bauchraum eingebracht werden. Dazu zählen etwa Laparoskope, mit denen der Bauchraum und Organe wie Eierstöcke, Eileiter oder die Leber begutachtet werden, aber auch Arthroskope, mit denen Gelenke untersucht werden.

Im Fall des Klinikums Fulda müssen auf den verunreinigten OP-Bestecke nicht zwingend vermehrungsfähige Keime gewesen sein. Keime könnten aber im Schutz von eiweißhaltigem Material wie Blutresten eine Desinfektion oder Sterilisation überleben. Deshalb dürfen desinfizierte oder sterilisierte Gegenstände keine Verunreinigungen aufweisen.

Das Problem liegt offenbar in der Zentralsterilisation des Klinikums Fulda. In der Zentralsterilisation werden die OP-Bestecke zunächst von gröberen Verunreinigungen wie Blut- und Geweberesten gesäubert und dann in einer Spezial-Spülmaschine mit Desinfektionsmitteln und weiteren Zusätzen gereinigt. Anschließend werden die OP-Bestecke mit Dampf oder Gas sterilisiert und verpackt.

Vor Einsatz im OP würden sie nochmals kontrolliert. Unklar ist bislang, an welcher Stelle in diesem Verfahren das Problem aufgetreten ist. "Experten überprüfen derzeit, wie es trotz Sterilisation zu der Verunreinigung kommen konnte", zitiert die Fuldaer Zeitung den Vorstandsvorsitzenden der Klinikum Fulda gAG, Harald Jeguschke. Das Klinikum arbeite mit den Aufsichtsbehörden, dem Regierungspräsidenten Kassel, dem Gesundheitsamt Fulda und externen Experten zusammen. Jeguschke sagte, die Öffentlichkeit würde kontinuierlich informiert werden.

Da man schnell reagiert habe, sei nach derzeitiger Erkenntnis kein Patient zu Schaden gekommen, so Jeguschke. Am Freitag wurden einige Operationen abgesagt, und am Wochenende würde vorsorglich eingeschränkt operiert. Das Klinikum Fulda überprüft seit Freitag 180.000 OP-Bestecke.

Im Sommer 2007 waren im Klinikum Fulda innerhalb von drei Monaten zweimal Salmonellen ausgebrochen. Damals hatten sich knapp 250 Mitarbeiter und Patienten sowie fast 50 Angestellte und Bewohner eines benachbarten Altenheims infiziert. Daraufhin stellte das Klinikum einen Hygienearzt ein.

Weitere Informationen zu Desinfektion und Sterilisation

Lesen Sie dazu auch die weitere Entwicklung:
Klinikum Fulda: Zentralsterilisation wird vorübergehend stillgelegt

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