Ärzte Zeitung, 23.06.2011

Uniklinik im Norden wehrt sich gegen Privatisierung

Das Uniklinikum Schleswig-Holstein will Einzelgebäude privat bewirtschaften lassen und so der Vollprivatisierung entgehen.

KIEL (di). Der Vorstand des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) hat sich im laufenden Markterkundungsverfahren positioniert - und klar gegen eine Privatisierung ausgesprochen.

"Ein Viertel der Patienten in Schleswig-Holstein, die der dringenden klinischen Versorgung bedürfen, kommen in unser UKSH - wer diese Verantwortung in die Hände privater Aktiengesellschaften legt, geht ein hohes Risiko ein", warnte Vorstandschef Professor Jens Scholz.

Stattdessen hält er ein vom UKSH vorgelegtes Konzept für "das einzige politisch konsens- und zukunftsfähige Modell", das den Landeshaushalt nachhaltig entlaste und zugleich die universitätsmedizinische Gesundheitsversorgung sicherstelle.

Zum Konzept: Die Klinikgebäude sollen mit dem Know-how privater Partner modernisiert und bewirtschaftet werden. Die durch die Modernisierung erwirtschaftete Rationalisierungsrendite soll nach den Vorstellungen des Vorstands nicht nur für den Betrieb des gesamten klinischen Spektrums ausreichen, sondern darüber hinaus einen nennenswerten Finanzierungsanteil für Forschung und Lehre übernehmen - was eigentlich Aufgabe des hoch verschuldeten Landes ist und nicht privatisiert werden kann.

Bei einem vollständigen Verkauf dagegen, warnte Scholz, müsste ein privater Klinikbetreiber erzielte Gewinne an seine Aktionäre abführen und damit dem Land entziehen. Neben den finanziellen Nachteilen blendet der Vorschlag einer Totalprivatisierung nach seiner Auffassung auch Risiken für schwerkranke Menschen aus, deren teure Behandlung keine Gewinne abwirft.

Und: die Mitarbeiter des UKSH hätten die Wahl, ob sie beim öffentlichen Arbeitgeber bleiben, was für das Land einen nicht zu unterschätzenden Kostenfaktor darstellen würde. Als Beispiele für die Folgen eines Verkaufs landeseigener Maximalversorger führte Scholz Hessen und Hamburg an.

Scholz forderte, statt der Privatisierung mit dem Bau des "Klinikums der Zukunft" zu beginnen. Dies war im 2009 verabschiedeten Masterplan vorgesehen. Durch eine Schuldenbremse des Landes sind die Pläne aber auf Eis gelegt worden. Nach UKSH-Berechnungen kosten vier verzögerte Jahre 116 Millionen Euro.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »

Demenz oder Depressionen?

Benennen ältere Patienten von sich aus kognitive Defizite, sollten Ärzte hellhörig werden: Häufig liegt dann keine Demenz, sondern eine Depression vor. mehr »