Ärzte Zeitung online, 27.07.2011

Vivantes könnte Klinikum Offenbach unter die Arme greifen

Das Klinikum Offenbach steht mit dem Rücken zur Wand: Ein teurer Neubau und zuletzt ein hohes Defizit schweben wie ein Damoklesschwert über dem Haus. Nun könnte der Berliner Klinikbetreiber Vivantes einspringen - in Form von "Nachbarschaftshilfe".

Vivantes könnte Klinikum Offenbach unter die Arme greifen

Teurer Neubau in Offenbach: Die Investition belastet das Klinikum zusätzlich.

© dpa

OFFENBACH/BERLIN (nös). Der Berliner kommunale Klinikkonzern Vivantes könnte dem strauchelnden Offenbacher Klinikum unter die Arme greifen. Auf Wunsch der Stadt Offenbach hat das Unternehmen jetzt ein Angebot für ein sechsmonatiges "Interimsmanagement" vorgelegt.

Medienberichten zufolge sprach Vivantes-Geschäftsführer Joachim Bovelet von Nachbarschaftshilfe. Eine Sprechern des Konzerns nannte den Vorstoß auf Anfrage: "Kommunal hilft kommunal".

Mit dem halbjährlichen Engagement könne man zeigen, dass auch ein öffentliches Haus wirtschaftlich arbeiten kann.

Hohes Defizit und Investitionslasten

Tatsächlich ist das das Problem des Klinikums Offenbach. Im vergangenen Jahr hat das Haus ein Defizit von fast 30 Millionen Euro eingefahren. Die Stadt als Träger musste die Eigenkapitalreserve Ende 2010 um etwa den gleichen Betrag erhöhen.

Der Stadtkämmerer Michael Beseler warnte vor der drohenden Zahlungsunfähigkeit und drängte auf Kosteneinsparungen, unter anderem beim Personal.

Das Klinikum Offenbach ist ein Krankenhaus der Maximalversorgung, das über rund 900 Betten verfügt. Erst im vergangenen Sommer wurde ein rund 160 Millionen Euro teurer Neubau eröffnet. Der Jahresumsatz lag 2008 bei 152 Millionen Euro.

Im vergangenen Jahr war eine Fusion des Klinikums mit den städtischen Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden, die ebenfalls defizitär arbeiten, geplatzt.

Private Trägerschaft als Lösung?

Seit dem steht immer wieder auch der Ruf nach Privatisierung im Raum. Die Gesundheitsdezernentin von Offenbach, Birgit Simon (Die Grünen), liefert sich derweil auch einen öffentlichen Streit mit Kämmerer Beseler.

Sie wirft ihm Medienberichten zufolge vor, nicht ausreichend genug mit einbezogen zu werden. Simon lehnt eine private Trägerschaft ab und befürwortet hingegen das Engagement von Vivantes.

Der Konzern schließt nach eigenen Angaben auch ein dauerhaftes Engagement nicht grundsätzlich aus. Diese Entscheidung stehe bislang aber nicht zu Debatte, sagte die Vivantes-Sprecherin. Zunächst konzentriere man sich auf das Angebot für die sechs Monate.

Ein Hauptproblem wird aber nach wie vor die Investitionslast für den Neubau sein. Vivantes-Chef Bovelet geht davon aus, dass jährlich rund 17 Millionen Euro dafür aufgebracht werden müssten. Seine Sprecherin: "Das müsste die Klinik jedes Jahr als Gewinn erwirtschaften." Es werde sehr schwierig, die Gelder aus dem laufenden Betrieb zu generieren.

Vivantes ist nach eigenen Angaben der größte kommunale Krankenhauskonzern Deutschlands und steht solide da. Das Unternehmen betreibt neun Krankenhäuser, zwölf Pflegeheime und zwei Seniorenwohnhäuser, MVZ, eine ambulante Reha und eine ambulante Krankenpflege.

In Berlin versorgen die Vivantes-Einrichtungen den Angaben zufolge ein Drittel aller Patienten in der Hauptstadt. Im vergangenen Jahr wurden fast eine halbe Million Fälle behandelt. Den Jahresumsatz von 837 Millionen Euro haben 2010 insgesamt 13.541 Mitarbeiter bei 5329 Betten erwirtschaftet.

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