Ärzte Zeitung online, 09.08.2011

Nach iSoft-Übernahme: CSC sieht sich als Komplettanbieter für Klinik-IT

WIESBADEN (ger). Die Konsolidierung in der E-Health-Branche kommt voran. Mit der jetzt abgeschlossenen Übernahme des E-Health-Anbieters iSoft will der international agierende IT-Riese CSC als übergreifender Anbieter für Gesundheits-IT und Dienstleistungen seine Marktposition vor allem bei Krankenhäusern und Gesundheitsnetzen stärken.

Nach iSoft-Übernahme: CSC sieht sich als Komplettanbieter für Klinik-IT

Horst Martin Dreyer, Mitglied der CSC Geschäftsleitung und Director Healthcare Central Region

© CSC

"Zusammen mit iSoft können wir jetzt als One-Stop-Shop für Krankenhäuser auftreten", sagte Horst Martin Dreyer, Mitglied der CSC Geschäftsleitung und Director Healthcare Central Region, im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". "Alles, was eine Klinik um Prozesse und IT braucht, kann sie jetzt bei uns bekommen", so Dreyer.

Der IT-Dienstleister mit Hauptsitz in Falls Church, Virginia/USA, sei auch bisher schon im Gesundheitswesen eines der führenden Unternehmen gewesen, so Dreyer, etwa bei Software für die Pharmaindustrie oder auch bei der Umsetzung von SAP-Software in Kliniken.

Das Unternehmen jetzt sehr gut positioniert

"SAP-Rollouts können wir besonders gut", sagte Dreyer weiter, da sei CSC als Anbieter auch bei großen Klinikketten bereits etabliert.

iSoft sei dagegen sehr stark bei klinischen Anwendungen, etwa mit Lösungen für die Radiologie, die Kardiologie oder fürs Labor. Vor allem im deutschsprachigen Raum sei das Sortiment von CSC jetzt deutlich erweitert geworden.

Durch Lorenzo, das Konzept von iSoft für ein integriertes Gesundheitswesen mit sektorübergreifenden Prozessen sei das Unternehmen jetzt aber auch international in der Gesundheitsversorgung sehr gut positioniert. "Wir können die Prozesskette jetzt komplett abbilden", sagte Dreyer.

Sinnvolle Übernahme

Marktstrategisch, so Dreyer, sei die Übernahme ebenfalls sinnvoll: Mit Hilfe von iSoft werde die Marktstellung etwa in Australien, in Spanien, in Nordamerika und eben auch im deutschsprachigen Raum deutlich gestärkt. Natürlich seien auch die Entwicklungskapazitäten von iSoft, einem der führenden E-Health-Unternehmen weltweit, wichtig für die Weiterentwicklung vor allem der klinischen Produkte von CSC im Gesundheitswesen.

Insgesamt hat CSC für die iSoft-Übernahme dem Vernehmen nach etwa 480 Millionen Australische Dollar (AUD) bereitgestellt (ca. 353 Millionen Euro), wobei der Kaufpreis etwa bei knapp 180 Millionen AUD gelegen haben soll. Zusätzlich hat CSC die hohen Verbindlichkeiten von iSoft übernommen.

Beide Unternehmen haben zuvor bereits intensiv beim IT-Projekt zur Vernetzung des Gesundheitswesens in Großbritannien zusammengearbeitet.

Im Einkauf ergibt sich zusätzliches Potenzial

Die veränderten Wertschöpfungsketten, die jetzt von CSC angeboten werden könnten, würden von den Kliniken auch abgefragt. "Viele Kliniken haben ihr IT-Budget bisher viel zu stark in ihre Rechenzentren investiert", sagte Dreyer weiter.

Es werde zu wenig darauf geachtet, durch neue Dienstleistungen Freiräume für Verbesserungen im Versorgungsprozess zu gewinnen. Mit einer intelligent aufgesetzten Materialwirtschaft ergebe sich zum Beispiel im Einkauf zusätzliches Potenzial, das dann in sektorübergreifenden Behandlungspfaden und für die Anbindung von niedergelassenen Ärzten genutzt werden könne.

91.000 Menschen arbeiten bei CSC

CSC, so versicherte Dreyer, werde auf jeden Fall alle Verträge von iSoft einhalten und "in Deutschland kein Softwaremodul kurzfristig abschalten". Die iSoft-Produkte werden voraussichtlich zu Beginn des nächsten CSC Fiskaljahres im April 2012 unter das Markendach von CSC geführt.

CSC hat rund 91.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2010/2011 einen Umsatz von 16 Milliarden US-Dollar.

iSoft hat 3300 Mitarbeiter, darunter 1300 Entwickler und 200 Ärzte. 13.000 Gesundheitsanbieter in 40 Ländern, darunter 8000 Krankenhäuser, arbeiten den Angaben zufolge mit Lösungen von iSoft.

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