Ärzte Zeitung, 24.11.2011

Fachkräftemangel belastet öffentliche Kliniken

Jede dritte öffentliche Klinik hat Probleme im Personalmanagement. Das geht aus der aktuellen Studie "Klinikmanagement 2011" hervor.

Fachkräftemangel belastet öffentliche Kliniken

Aus Mangel an Personal, Zeit und Budget haben sich die Aufgabeninhalte von Krankenhauschefs verschoben.

© Kiselev Andrey Valerevich / shutterstock.com

MÜNCHEN (ava). Öffentliche Einrichtungen hinken sowohl den Kliniken in privater Hand als auch denen in freigemeinnütziger Trägerschaft hinterher.

Jedes dritte Krankenhaus in öffentlicher Trägerschaft ist nach Aussage der eigenen kaufmännischen Leitung im Bereich Personalmanagement nicht gut aufgestellt.

Das sind Ergebnisse der Studie "Klinikmanagement 2011 - Fokus Personal" der Personalberatung Rochus Mummert in Zusammenarbeit mit dem IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung.

Telefonische Umfrage

Für die Studie wurden Mitte des Jahres mehr als 100 Geschäftsführer, Verwaltungsleiter, Verwaltungsdirektoren und geschäftsführende Direktoren deutscher Kliniken aller Größen und Trägerformen telefonisch um eine Selbsteinschätzung gebeten.

"Zwei Drittel der öffentlichen Krankenhäuser haben in künftig immer wichtigeren Bereich der Personalgewinnung erheblichen Handlungsbedarf ausgemacht, bei den privaten Kliniken nicht einmal jede zweite", sagt Dr. Nicolai Kranz, Personalberater bei Rochus Mummert.

Dieser angesichts des bereits akuten Fach- und Führungskräftemangels an deutschen Krankenhäusern alarmierende Befund hat oftmals weit zurückreichende Gründe.

Neue Aufgaben belastet Fachkräfte

"Der über lange Zeit starke Einfluss der Kommunen und Länder auf die hiesige Krankenhauslandschaft hat zur Folge, dass gerade in öffentlich-rechtlichen Häusern zu häufig immer noch unter Personalmanagement nur die Verwaltung einer Laufbahnplanung verstanden wird", so Kranz weiter.

"Das Personalmanagement wird künftig stärker in der Geschäftsführung verankert" prognostiziert Kranz und verweist auf die Personalvorstände der privaten Krankenhausbetreiber.

Doch die historischen Wurzeln der Krankenhäuser sind nicht allein der Grund für die aktuellen Probleme im Personalmanagement der Kliniken. Zugleich werden laut Studie die notwendigen strategischen Themen nicht mehr angemessen behandelt.

Der Grund: Aus Mangel an Personal, Zeit und Budget haben sich die Aufgabeninhalte von Krankenhauschefs - egal ob in öffentlich-rechtlichen oder in privaten Einrichtungen - dramatisch verschoben.

Defizitär sind vor allem die öffentlichen Kliniken

Für mehr als die Hälfte der Befragten ist dies auch auf die unzureichende Managementkompetenz der zweiten Führungsebene zurückzuführen.

"Die professionelle Besetzung von Krankenhausmanagern mit Personal- statt Finanzkompetenz wird damit künftig der entscheidende Erfolgsfaktor", so das Fazit von Rochus-MummertBerater Dr. Kranz.

Kommunale Kliniken tun sich auch wirtschaftlich schwer. Das geht aus dem "Krankenhaus Rating Report 2011" hervor, der vor kurzem verschiedene Träger unter die Lupe genommen hat.

Danach wiesen 21 Prozent der kommunalen Häuser Defizite aus, bei den freigemeinnützigen waren es zehn Prozent und bei den privaten vier Prozent.

Defizitär sind vor allem städtische Kliniken im Westen. In den östlichen Bundesländern ist die Lage laut Rating Report besser. Und es gibt auch Häuser öffentlich-rechtlicher Träger, die gut wirtschaften.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Rätselhafter Demenz-Rückgang

Eine US-Studie deutet erneut auf eine fallende Demenz-Inzidenz, und zwar besonders in Geburtsjahrgängen ab 1925. Wisssenschaftliche Erklärungen für die Beobachtung fallen schwer. mehr »

Immuntherapie gewinnt an Stellenwert in der MS-Therapie

Die Therapieoptionen bei Multipler Sklerose (MS) haben sich erweitert. Neue Substanzen werden daher auch in die aktualisierten Leitlinien Einzug halten. mehr »

Polarisierung – Chance für das Parlament

Gesundheitspolitik in Zeiten der großen Koalition – das stand für die fehlende Konkurrenz der Ideen. Der Souverän hat die Polarisierung gewollt. Das ist eine Chance für die Demokratie. mehr »