Ärzte Zeitung, 28.11.2011

Klinikqualität - mehr Transparenz kann verwirren

Wer Krankenhäuser miteinander vergleichen will, kann auf den AQUA-Qualitätsbericht setzen. Künftig wird der Leser aber womöglich nur noch Bahnhof verstehen. Denn die Zahl der Vergleichswerte steigt kräftig. Das Plus an Transparenz könnte bei Patienten und Ärzten zu mehr Verwirrung führen.

Von Anno Fricke

Klinikqualität - mehr Transparenz kann verwirren

Nicht nur Irrgarten Klinik: Auch durch Qualitätsberichte könnten Patienten verwirrt werden.

© Mathias Ernert

BERLIN. Die Selbstverwaltung knüpft das Netz der Qualitätssicherung in Krankenhäusern immer dichter. 182 Indikatoren statt bisher 28 sollen für die ab 2013 jährlich zu erstellenden Qualitätsberichte für rund 25 Leistungsbereiche ausgewertet werden.

Für die Zielgruppe Patienten zumindest ein harter Brocken. "Die Indikatoren müssen nicht in jedem Fall laiengerecht verständlich sein", sagte der Geschäftsführer des AQUA-Instituts, Professor Joachim Szecsenyi, bei der 3. Qualitätssicherungskonferenz des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA).

Der von AQUA im Auftrag des GBA erstellte Qualitätsreport wende sich auch an Zuweiser.

"Immer bessere Krankenhäuser"

"Die Krankenhäuser werden immer besser", sagte Dr. Bernd Metzinger von der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Dies lasse sich daran ablesen, dass es nur noch neun Indikatoren mit besonderem Handlungsbedarf gebe.

Dazu zählen zum Beispiel die Indikation zur brusterhaltenden Therapie bei der Mammachirurgie, Sondenprobleme bei Herzschrittmachern und die präoperative Verweildauer bei Oberschenkelhalsbrüchen. Im Jahr 2009 hatte der AQUA-Qualitätsreport noch 21 kritische Indikatoren aufgezählt.

Transparenz auch für niedergelassene Praxen gefordert

Krankenhäuser, in denen etwas im Argen liegt, werden vom AQUA/GBA-System nicht sanktioniert. Sache der Selbstverwaltung sei es, Transparenz zu schaffen, antwortete Metzinger auf Kritik daran, dass die externe Qualitätssicherung nichts an den Todesraten durch Klinikkeime oder am Personalmangel in den Krankenhäusern ändere.

Die Infektionsüberwachung sei Ländersache. Eine ähnliche Transparenz wie in den Kliniken forderte Metzinger auch für die niedergelassenen Praxen.

KBV kontert

Dies wollte Dr. Franziska Diehl von der KBV nicht auf den Vertragsärzten sitzen lassen. Es gebe zahlreiche Qualitätssicherungsverfahren, die die Ärzte in zweiseitigen Verträgen mit den Krankenkassen ausgemacht hätten.

Auch die Dimensionen seien nicht vergleichbar. Während die Krankenhäuser rund 18 Millionen Patienten im Jahr betreuten, kämen die Vertragsärzte auf rund 500 Millionen Fälle.

Sektorenübergreifende Qualitätssicherung keine Erfolgsgeschichte

Um 2014 werden drei der bislang neun Projekte zur sektorenübergreifenden Qualitätssicherung den Regelbetrieb aufnehmen, kündigte Dr. Josef Siebig an, einer der unparteiischen Vorsitzenden des GBA. Dabei handele es sich um Konisationen, Kataraktoperationen und PCI.

Die sektorenübergreifende Qualitätssicherung sei keine Erfolgsgeschichte, kritisierte dagegen Dr. Wulf-Dietrich Leber vom GKV-Spitzenverband. Er forderte freie Bahn für Qualitätsinitiativen auch mit optionalen Indikatoren.

Qualitätssicherung werde sich weiterentwickeln

Die mit dem Versorgungsstrukturgesetz künftig mögliche Nutzung von Routinedaten der gesetzlichen Krankenkassen für die externe Qualitätssicherung in Krankenhäusern bedeutet für das Institut für angewandte Qualitätsforschung (AQUA) den Schritt in den ambulanten Bereich.

Damit werde sich die Qualitätssicherung selbst weiterentwickeln lassen, sagte der Geschäftsführer des AQUA-Instituts, Professor Joqachim Szecsenyi.

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