Ärzte Zeitung online, 17.12.2011
 

Frühchen-Eltern: Bremer Klinik wusste von Keimen

MÜNCHEN (dpa). Die Eltern eines der Frühchen, die im Oktober im Klinikum Bremen-Mitte starben, haben im Magazin "Focus" massive Vorwürfe gegen die Leitung des Krankenhauses erhoben.

Die Ärzte hätten seine Tochter nie dort aufnehmen dürfen, weil der tödliche Darmkeim schon länger in Bremen grassierte, sagte der Vater in der am Montag erscheinenden Ausgabe des Magazins.

"Dass Enna nach Bremen kam, war ihr Todesurteil." Das kleine Mädchen war nach der frühzeitigen Geburt in Cuxhaven zusammen mit seinem Zwillingsbruder auf die Bremer Frühchen-Intensivstation verlegt worden.

Sie seien von dem Krankenhaus nicht über das Ausmaß des Keimbefalls aufgeklärt worden, kritisierten die Eltern des gestorbenen Babys.

Über 20 Frühchen mit dem Keim befallen

Der ebenfalls von dem Keim befallene Sohn wird nach ihrer Einschätzung behindert bleiben, weil er zu spät operiert wurde. Dies wies die Klinik auf Anfrage des "Focus" zurück: Die Verschiebung des Termins habe nicht am Keim gelegen, sondern am allgemein schlechten Gesundheitszustand des Kindes.

Der Chef des Klinikverbunds Gesundheit Nord, Diethelm Hansen, hatte im November einen "schweren hygienischen Zwischenfall" eingeräumt. Der frühere Chef der Kinderklinik, Professor Hans-Iko Huppertz, war fristlos entlassen worden. Seit April wurden insgesamt 25 Frühchen von dem Keim befallen.

Nachdem zunächst drei von ihnen gestorben waren, ermittelte die Staatsanwaltschaft später auch in drei weiteren Fällen. Die kommunalen Kliniken in Bremen kündigten an, die Hygiene mit einem Zehn-Punkte-Plan zu verbessern. Dazu gehört unter anderem ein elektronisches Frühwarnsystem für Keimausbrüche.

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