Ärzte Zeitung online, 21.12.2011

Frühchentod: Bremer Klinik hat Pflichten verletzt

BREMEN (cben). Die Quelle des Klebsiella Pneumoniae-Keims, an dem in der Neonatologie des Klinikums Bremen Mitte (KBM) drei Frühgeborene gestorben sind, wird wohl auch in Zukunft im Dunkeln bleiben.

Das geht aus einem Bericht hervor, den der Bremer Jusitiz-Staatsrat Matthias Stauch am Dienstag dem Senat der Hansestadt vorgelegt hat.

Laut dem Untersuchungsbericht sind die Mitarbeiter des Klinikums Bremen Mitte den Melde- und Dokumentationspflichten nicht ausreichend nachgekommen.

"Nach dem Infektionsschutzgesetz ist das Auftreten von multiresistenten Keimen wie ESBL bildenden Klebsiella Pneumoniae fortlaufend aufzuzeichnen und zu bewerten. Dieser Pflicht sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Klinikums Bremen-Mitte nicht ausreichend nachgekommen", heißt es in dem Bericht.

Gesundheitsamt erst im September informiert

Das Gesundheitsamt Bremen erfuhr erst Mitte September von dem Ausbruch im Sommer und gab seinerseits die Meldung erst am 1. November weiter. Die Meldung der Todesfälle an die Rechtsmedizin wurde ebenfalls unterlassen.

Auch die Dokumentation war offenbar schlampig. So glaubte man noch am 8. November, dass die Keime im Juli aufgetreten waren, tatsächlich waren aber schon im April Kinder betroffen.

"Dieser Mangel in der Dokumentation ist wahrscheinlich mitursächlich für verspätete Meldungen und Schwierigkeiten bei der Aufklärung", schreibt der Staatsrat.

Hygienemängel können nicht ausgeschlossen werden

Individuelle oder organisatorische Hygienemängel konnte Stauch dagegen "weder bestätigen noch ausschließen." Vieles spreche dafür, "dass sich auch in den kommenden Monaten weder die Herkunft des Ausbruchsstammes noch der Übertragungsweg eindeutig feststellen lassen werden."

Stauch empfahl, Bremens Krankenhaushygieneverordnung anzupassen. Gewichtige Verstöße gegen das geltende Hygienerecht konnte er aber nicht feststellen.

Die seit 1990 unverändert geltende Verordnung sollte aber an den Stand der Wissenschaft angepasst werden, empfahl Stauch. Der Staasrat hat den Bericht auf Bitten des Senats vorgelegt.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Morphin bei Herzinfarkt – unverzichtbar aber umstritten

Morphin bei Herzinfarkt-Patienten: Die Sicherheit des Schmerzmittels hat sich in einer aktuellen Studie bewährt. Zweifel über ein mögliches Risiko bleiben aber vorerst. mehr »

Zu viele Hausbesuche = Regress!

Zwei hessische Landärzte wurden in Regress genommen, weil sie deutlich mehr Hausbesuche als ihre Kollegen absolviert haben. Über 50.000 Euro sollen sie zurückzahlen. Die Ärzte verstehen die Welt nicht mehr - und wehren sich. mehr »

Tot oder nicht tot – das ist hier die Frage

Särge mit Ausgängen und Glöckchen um die Arme: Schon seit Jahrhunderten ziehen Wissenschaftler die Eindeutigkeit des Todes in Zweifel. Eine neue Ausstellung in Berlin zeigt Exponate, die dem Scheintod ein Schnippchen schlagen sollten. mehr »