Ärzte Zeitung online, 09.01.2012
 

Tote Frühchen in Siegen: Keine Hygieneprobleme

Der Tod von drei Frühgeborenen in einer Siegener Kinderklinik scheint nach bisherigem Stand keine Ursachen im Krankenhaus oder bei Lieferanten zu haben. Ein Zwischenbericht sieht keine Hygienemängel.

KÖLN (iss). Der Tod von drei Frühgeborenen in einer Siegener Kinderklinik scheint nach bisherigem Stand keine Ursachen im Krankenhaus oder bei Lieferanten zu haben. Die Staatsanwaltschaft Siegen geht zurzeit davon aus, "dass das enge zeitliche Zusammentreffen der bedauerlichen Todesfälle als zufällig angesehen werden muss".

Basis des Zwischenberichts ist die Auswertung eines Hygienegutachtens, das die Staatsanwaltschaft in Auftrag gegeben hatte. Weitere Gutachten, insbesondere ein neuropathologisches, stehen allerdings noch aus. Deshalb sei eine abschließende strafrechtliche Bewertung noch nicht möglich, teilte Oberstaatsanwalt Johannes Daheim mit.

Die Kinderklinik des Deutschen Roten Kreuzes in Siegen hatte Anfang September nach drei ungeklärten Todesfällen bei Frühgeborenen die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Die drei Kinder waren zwischen einer Woche und vier Monate alt, hatten unterschiedliche Grunderkrankungen und wurden auf verschiedenen Stationen behandelt. Zwei der Kinderleichen wurden obduziert, die dritte war bereits im Ausland beigesetzt worden.

Einwandfreie Spezialnahrung

Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Daheim ergab das Hygienegutachten, dass die Lieferungen der von einer Apotheke hergestellten Spezialnahrung einwandfrei waren.

"Abklatschproben, die in allen Bereichen des Kinderkrankenhauses unter anderem an Raumwänden und in Abflusssystemen genommen wurden, lassen nicht darauf schließen, dass strukturelle Hygienemängel vorgelegen haben könnten." Die Obduktion der beiden Leichen hatte ergeben, dass die Kinder mit unterschiedlichen Keimstämmen befallen waren.

Die Kinderklinik reagierte mit Erleichterung auf die Erklärung. Dem Krankenhaus sei eine Klärung der Todesfälle im Interesse der betroffenen Eltern und der beteiligten Mitarbeiter sehr wichtig gewesen, sagte Professor Rainer Burghard, Chefarzt der Abteilung Kinder- und Jugendmedizin, Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin.

"Dass die ersten Untersuchungsergebnisse nun keine strukturellen Ursachen im Hause oder bei den Lieferanten aufzeigen, bestätigt unseren Anfangsverdacht der zufälligen Häufigkeit der Todesfälle in der Hochrisikogruppe der Frühgeborenen."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Tausende HPV-Tumoren pro Jahr sind vermeidbar

Viele Krebserkrankungen in Deutschland ließen sich durch einen HPV-Schutz vermeiden, so RKI-Berechnungen. Das Institut rät zum Impfen - das könnte auch bei Jungen sinnvoll sein. mehr »

Mit Kohlenhydrat-Tagen die Insulinresistenz durchbrechen

Typ-2-Diabetiker mit schwerer Insulinresistenz können vom Prinzip einer hundert Jahre alten Haferkur profitieren. Erfahrungsgemäß sprechen 70 Prozent der Betroffenen darauf an. mehr »

Kliniken in Nordrhein sind Vorreiter beim E-Arztbrief

Der Klinikbetreiber Caritas Trägergesellschaft West zählt zu den Vorreitern des elektronischen Arztbriefes über KV-Connect. Viele Niedergelassene sind bereits angeschlossen. mehr »