Ärzte Zeitung, 06.04.2012

Kliniken im Südwesten stöhnen unter Defiziten

Der jüngste Tarifabschluss verstärkt die Unterfinanzierung der Kliniken, so die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft. Die AOK ist anderer Meinung.

Von Antonia von Alten

Kliniken im Südwesten stöhnen unter Defiziten

Wo ist das Geld? Klinikchefs im Südwesten beklagen Unterfinanzierung.

© imagebroker / imago

STUTTGART. "Die Defizitquoten der Krankenhäuser, Rehabilitations- und Pflegeeinrichtungen verfestigen sich auf einem erschreckend hohen Niveau".

So lautet das Fazit des Vorstandsvorsitzenden der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG), Thomas Reumann, bei der Vorstellung der Ergebnisse der Frühjahrsumfrage unter den Krankenhäusern des Landes.

Für diesen "BWKG-Indikator" werden halbjährlich die wirtschaftliche und die personelle Situation der Kliniken abgefragt. Die Einrichtungen müssten nun auch noch die hohen Tarifabschlüsse für das Pflegepersonal und die Ärzte übernehmen, so Reumann.

Die Kostensteigerungen für 2012 setzen sich nach Berechnungen der BWKG folgendermaßen zusammen: plus 3,5 Prozent für das nichtärztliche Personal, mehr als vier Prozent zusätzlich für die Ärzte sowie Sachkostensteigerungen von mindestens plus 2,5 Prozent.

Bei den Krankenhäusern steht den zusätzlichen Kosten von etwa 255 Millionen Euro eine Vergütungsverbesserung von nur 95 Millionen Euro gegenüber.

"Die Krankenhäuser stehen damit 2012 vor einem Finanzloch von mindestens 160 Millionen Euro", so der BWKG-Vorsitzende.

Eine Entlastung der Krankenhäuser durch den Gesetzgeber ist laut Reumann überfällig, zumal die Politik den Krankenhäusern im Land durch Sparauflagen allein im Jahr 2012 rund 65 Millionen Euro entziehe.

Landesbasisfallwert gerade erhöht

Diese Sparauflagen seien in der Finanzkrise zur Rettung der Krankenkassen beschlossen worden. 2012 werden sie ungeachtet der Milliardenüberschüsse der Krankenkassen unbeirrt fortgesetzt. "Das ist absurd", so Reumann.

Die AOK Baden Württemberg dagegen deutet die Situation anders. Sie verweist auf die Erhöhung des Landesbasisfallwertes, der zum 1. April 2012 um 1,7 Prozent von 2970 Euro auf 3020,65 Euro erhöht wurde.

"Die Krankenhäuser erhalten 2012 allein von der AOK Baden-Württemberg über 100 Millionen Euro mehr als im vergangenen Jahr", sagt Dr. Christopher Hermann, Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg.

Insgesamt zahle die AOK damit pro Jahr weit über drei Milliarden Euro an die Krankenhäuser in Baden-Württemberg. Das seien drei Prozent mehr als im Vorjahr und bereits die sechste Erhöhung innerhalb von sechs Jahren. Beklagte Krankenhaus-Defizite können laut AOK aber nicht durch immer mehr Geld gelöst werden.

"Den Krankenhäusern stehen seit jeher genügend Finanzmittel zur Verfügung, um die stationäre Behandlung unserer Versicherten auf hohem Niveau sicherzustellen", sagt Hermann.

Gestiegene Personal- und Sachkosten seien bei der Erhöhung voll berücksichtigt. "Regelmäßige Geldspritzen, so hoch sie auch sein mögen, können die Strukturprobleme jedoch nicht dauerhaft lösen.

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