Ärzte Zeitung, 13.04.2012

Gießen/Marburg: Klinikdirektoren "zündeln" weiter

Das privatisierte Uniklinikum Gießen/Marburg kommt nicht zur Ruhe: Wieder gab es einen Wechsel an der Spitze - zum Ärger der Klinikdirektoren. Die Folge: Brandbrief Zwei.

Uniklinik Marburg: Klinikdirektoren zündeln weiter

Das Uniklinikum in Marburg: Die Klinikdirektoren beklagen eine "gescheiterte Privatisierung".

© Rolf K. Wegst

MARBURG (coo). Nach dem erneuten Wechsel an der Spitze des privatisierten Uniklinikums Gießen und Marburg haben die Klinikdirektoren einen zweiten Brandbrief mit dem Titel "Offenbarungseid für die Privatisierung?" geschrieben.

"Wir halten das neuerliche Ausscheiden der kompletten operativen Geschäftsführung bis auf die beiden Ärztlichen Geschäftsführer für hoch dramatisch. (...) Das Privatisierungsmodell scheint uns endgültig gescheitert", heißt es darin.

In ihrem ersten Brandbrief "22 Thesen zur Krise des Universitätsklinikums Gießen & Marburg" hatten die Klinikdirektoren bereits Alarm geschlagen.

"Universitäre Aufgaben in Forschung und Lehre sind massiv gefährdet"

Kürzlich wurde bekannt, dass die Vorsitzende der Geschäftsführung, Dr. Irmgard Stippler, und die kaufmännische Geschäftsführerin am Standort Marburg, Dr. Doris Benz, ausscheiden.

Als Nachfolger hat sich Martin Menger, Vorstandsmitglied des Rhön-Konzerns, bei den Klinikdirektoren vorgestellt. Er ist seit mehr als elf Jahren für den Krankenhausbetreiber tätig.

Damit wurden innerhalb von sechs Jahren mehr als ein Dutzend Geschäftsführer berufen, kritisieren die Klinikdirektoren.

In ihrem Schreiben betonen sie, dass die Investitionen der Rhön AG - mehr als 367 Millionen Euro seit 2006 - nicht dauerhaft zur Verfügung gestellt werden.

Die Neubauten müssten bilanztechnisch von den Kliniken und damit von den Beschäftigten erwirtschaftet werden. Auch die Steigerung der Patientenzahl um 12,4 Prozent sei nur auf dem Rücken der Klinik-Mitarbeiter möglich gewesen.

Das Fazit der Direktoren: "Durch die massive Arbeitsbelastung in der Krankenversorgung sind unsere universitären Aufgaben in Forschung und Lehre massiv gefährdet! Wir sind nicht mehr bereit, unsere Verpflichtungen zur universitären Spitzenmedizin und unsere Arbeit als Hochschullehrer privatwirtschaftlichen Interessen unter zu ordnen!"

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Alltags-Chemikalien schaden dem Sperma

In einer Studie an Spermien haben Forscher schädliche Effekte von Alltagschemikalien festgestellt. Problematisch: Die Einzelstoffe potenzieren ihre Wirkung gegenseitig. mehr »

Nervenärzte schlagen Alarm

Der Spitzenverband ZNS ist besorgt: Die Versorgung von Demenz-, Parkinson- und Schlaganfallpatienten gerate in Gefahr, warnen die Nervenärzte. mehr »

Das läuft falsch bei der Diabetes-Vorsorge

Viele Versuche, Diabetes und Adipositas vorzubeugen, sind zum Scheitern verurteilt: Gesundheitstage an Schulen und eine Zuckersteuer gehören dazu. Diabetes-Experte Prof. Stephan Martin würde die Ressourcen anders verteilen. mehr »