Ärzte Zeitung online, 09.08.2012

Behandlungsfehler

500 Fälle in Bayern

In bayerischen Kliniken haben sich 2011 über 500 Behandlungsfehler ereignet. Die meisten davon gingen auf das Konto der Orthopädie. Für die Techniker Krankenkasse ist das aber nur die Spitze des Eisbergs.

MDK bestätigt über 500 Verdachtsfälle in Bayern

Sinnbild: Schere im Thorax.

© Lukasz Panek / fotolia.com

MÜNCHEN (reh). 528 Behandlungsfehler in Kliniken soll der medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) in Bayern im vergangenen Jahr aufgedeckt haben.

Das meldet die Landesvertretung Bayern der Techniker Krankenkasse (TK). Die meisten davon, nämlich 156 Behandlungsfehler, hätten sich in der Orthopädie ereignet.

93 Fehler seien bei der Pflege der Patienten, 60 in der Chirurgie, 31 in der Gynäkologie und 24 in der Geburtshilfe aufgetreten.

Dabei habe der MDK 2011 insgesamt mehr als 1800 Behandlungsfehlervorwürfe geprüft, so die Kasse. Bei der bayerischen TK selbst seien im vergangenen Jahr 451 Verdachtsfälle auf Behandlungsfehler gemeldet worden.

Die häufigsten Ursachen für Behandlungsfehler sind nach Angaben der Kasse falsches Therapiemanagement, Fehler beim therapeutischen Eingriff und Dokumentationsmängel.

Doch die anerkannten Fälle sind laut Christian Bredl, Leiter der TK in Bayern, "nur die Spitze des Eisbergs". Er fordert deshalb, die medizinische Versorgung durch eine offene Fehlerkultur sicherer zu machen.

Dabei begrüßt Bredl, dass nach dem aktuellen Entwurf des Patientenrechtegesetzes nun ein Mindeststandard für ein Risiko- und Fehlermanagement eingeführt werden soll.

So ein Fehlermanagementsystem würde dem Patienten allerdings nur nützen, wenn sich Ärzte trauen, die Risiken in ihrer täglichen Arbeit offen darzulegen und offen diskutiert werde, wie sich diese vermeiden lassen, sagt Bredl.

Zudem fordert der Chef der TK in Bayern, Patienten systematisch in die Fehlerprävention einzubinden.

"Studien haben gezeigt, dass sich die medizinische Versorgung verbessert, wenn Patienten ermutigt werden, ihren Arzt vor der Behandlung zu fragen, ob er sich die Hände gewaschen oder weshalb sich die Farbe ihrer Pillen geändert hat."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schadet Marihuana dem Herz?

Haschischraucher sterben häufiger an Hypertonie-bedingten Todesursachen als Tabakraucher: Darauf deuten Resultate einer Studie - die allerdings auf wackligen Daten steht. mehr »

Schuss vor den Bug auch der alternativmedizinischen Ärzte

Die Heilpraktiker wehren sich. Sie fühlen sich bei der vom "Münsteraner Kreis" angestoßenen Debatte um die Reform oder gar Abschaffung ihres Geschäftsfeldes außen vor. mehr »

Wenn die Religion mit im Behandlungszimmer sitzt

Blogger Hekim Colpan erlebt immer wieder, dass ein Patient nicht optimal behandelt werden kann, weil die Religion dem im Weg steht. Die Patienten müssten den Ärzten helfen, zu verstehen. mehr »