Ärzte Zeitung, 26.04.2013
 

Rhön-Kliniken

"Tiefgreifendes, substanzielles Umsteuern nötig"

Defizitäre Kliniken zu übernehmen und wieder profitabel zu machen: Das ist das Geschäftsmodell der Rhön-Klinikum AG. Unterdessen hat die eigene Ertragskraft gelitten. Mit umfangreichen Restrukturierungen will das Management jetzt gegensteuern.

Von Christoph Winnat

"Tiefgreifendes, substanzielles Umsteuern nötig"

Einheit des Uniklinikums Gießen/Marburg auf den Marburger Lahnbergen: Hier ist unter anderem das Partikeltherapiezentrum untergebracht, für dessen Inbetriebnahme weiterhin kein gesicherter Termin feststeht.

© Rolf K. Wegst

FRANKFURT/MAIN. Rhön hat 2012 einen neuen Rekordumsatz erzielt. Auch die Anzahl der Patienten, die sich in den Häusern des privaten Klinikbetreibers behandeln ließen, war noch nie so hoch. Mit der Ertragslage jedoch ist man alles andere als zufrieden.

Die Übernahme der verlustreichen Wiesbadener Horst Schmidt Kliniken, Beratungskosten für die gescheiterte Fusion mit dem Wettbewerber Helios sowie Rückschläge bei der Restrukturierung des Universitätsklinikums Gießen Marburg (UKGM) haben tiefe Spuren in der Konzernkasse hinterlassen.

Operativ ging der Gewinn um 14 Prozent auf 291 Millionen Euro (EBITDA) zurück, nach Steuern fiel er mit 92 Millionen Euro 43 Prozent niedriger aus als im Vorjahr.

Die Kliniken sollen stärker miteinander vernetzt werden

Die unbefriedigende Profitabilität mache ein "tiefgreifendes, substanzielles Umsteuern nötig", erklärte Vorstandschef Martin Siebert am Donnerstag in Frankfurt.

Daher werde jetzt ein Effizienzprogramm erarbeitet, dessen Details "Mitte, Ende Mai" der Öffentlichkeit vorgestellt werden sollen. Zuvor seien noch Gespräche mit dem Betriebsrat zu führen.

Nur soviel wollte Siebert bereits verraten, dass die derzeit 54 Rhön-Kliniken stärker miteinander vernetzt werden sollen. Das betrifft auch das UKGM, das als "medizinisches Drehkreuz" des Verbunds fungieren könnte.

So ließe sich etwa die Arztausbildung hier konzentrieren oder Kompetenz in Sachen Hochleistungsmedizin auch für andere Standorte nutzen.

Integration der Horst Schmidt Kliniken kommt gut voran

Rhön-Klinikum AG 2012

Umsatz: 2,9 Mrd. Euro (+ 9,0 Prozent, davon sechs Punkte durch Übernahmen)

Jahresüberschuss: 92 Mio. Euro (- 43 Prozent)

Dividendenvorschlag: 25 Cent/Aktie. Die Ausschüttungsquote bleibt mit 40 Prozent auf Vorjahresniveau.

Patienten: stationär: 0,734 Mio. (+ 9,0 Prozent), ambulant: 1,8 Mio. (+ 14 Prozent)

Ausblick 2013: Umsatz: 3,03 Mrd. Euro (+/- 2,5%), EBITDA: 325 Mio. Euro (+/- 5,0 %), Gewinn: 110 Mio. Euro (+/- 5,0 %). Belastungen aus dem angekündigten Effizienzprogramm sind in dieser Prognose noch nicht berücksichtigt.

Als mittelfristigtes Ziel nannte Siebert, 2014 mit dem UKGM eine schwarze Null erwirtschaften zu wollen.

Eine weitere Herausforderung auf dem Weg dahin: Das Partikeltherapiezentrum auf den Marburger Lahnbergen. Kürzlich hatte Rhön die Inbetriebnahme zum Ende dieses Jahres angekündigt.

Nachdem Technologiepartner Siemens aber mit dem Gedanken spielt, sich aus diesem Geschäftsfeld zurückzuziehen, könnte sich der Start weiter verzögern. Zuviele technische Probleme seien noch zu lösen.

Aller Voraussicht nach werde man deshalb eine Kooperation mit dem Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum eingehen. Doch "die Inbetriebnahme bis Jahresende wird eng", so Siebert.

Die zweite große Rhön-Baustelle, die Integration der Horst Schmidt Kliniken, komme dagegen gut voran, versicherte der Vorstandschef. Er rechne damit, im 3. Quartal dieses Jahres erstmals ein positives Monatsergebnis für das Wiesbadener Haus auszuweisen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

"Super Mario" hält Senioren geistig fit

3D-Computerspiele trainieren die räumliche Orientierung älterer Menschen - und schützen einer Studie zufolge vor Demenz. mehr »

Mehr Qualität beim Ultraschall nötig

Bei Diagnosen im Bauchraum erreicht ein nicht ausreichend qualifizierter Arzt nur eine geringe Treffsicherheit. Anlass für die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin für klare Qualitätsregelungen zu plädieren. mehr »

Das "Gewebefenster" ist wichtig!

Warum nach sechs Stunden keine Thrombektomie mehr veranlassen, wenn es noch gute Chancen auf funktionelle Verbesserungen gibt? Das fragen sich wohl viele Neuroradiologen. mehr »