Ärzte Zeitung, 07.06.2013

Gesundheit Nordhessen Holding

Schwarze Null anvisiert

Die Gesundheit Nordhessen Holding zieht eine positive Bilanz für das zurückliegende Geschäftsjahr. Allerdings wächst die Sorge um kleine Krankenhäuser.

Von Katja Schmidt

KASSEL. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage auf dem Krankenhausmarkt hat der kommunale Klinik-Konzern Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) auch 2012 einen Gewinn erwirtschaftet.

Man habe das Jahr mit einem Plus von 1,74 Millionen Euro abgeschlossen, teilte Vorstandschef Dr. Gerhard M. Sontheimer bei der Bilanzpressekonferenz in Kassel mit.

Für das laufende Jahr kündigte der Klinikmanager an: "Wir bemühen uns, eine schwarze Null zu erreichen." Dass das funktioniere, sei aber nicht garantiert.

Sontheimer beklagte eine dreifache Unterfinanzierung für Krankenhäuser: durch mangelnde Investitionen der Länder, durch die Schere zwischen Tarif- und Erlös-Entwicklung und durch eine Verlagerung des demografischen Risikos auf die Kliniken.

Zum zusätzlichen Belastungsfaktor entwickele sich die Praxis der Krankenkassen, immer mehr Rechnungen zu prüfen und so Zahlungen hinauszuzögern. Die GNH schiebe inzwischen 35 Millionen Euro Forderungen an Kassen vor sich her. Allein 2012 sei dieser Wert um acht Millionen Euro angewachsen.

"Klinikum reißt alles raus"

Die GNH gilt als Vorbild für einen gelungenen Zusammenschluss kommunaler Kliniken. Zum Konzern gehören neben dem Maximalversorger Klinikum Kassel auch das Krankenhaus Bad Arolsen (Waldeck-Frankenberg) und die ehemaligen Kreiskliniken des Landkreises Kassel in Wolfhagen, Hofgeismar und Helmarshausen, aber auch eine Reha-Klinik, ein Altenheim und ein MVZ.

Der Gewinn des Gesamtunternehmens stützt sich stark auf das Kasseler Großkrankenhaus. "Das Klinikum reißt alles raus", so Sontheimer.

Helmarshausen hingegen, das kleinste Akutkrankenhaus des Konzerns hoch im Norden Hessens, fährt seit Jahren Verluste ein. Zuletzt lagen diese bei rund einer Million Euro im Jahr. Irgendwann müsse man sich fragen, ob man noch genug Überschüsse habe, um sich ein solches Haus leisten zu können, sagte Sontheimer.

In der derzeitigen Struktur und Größe sei ein wirtschaftlicher Betrieb nicht möglich. Zunehmend schwer werde es aber auch, überhaupt noch Ärzte für diesen und andere kleine Standorte zu finden.

3160 Vollzeitbeschäftigte

Bis Ende 2014 ist der Erhalt des Krankenhaus-Standorts Helmarshausen vertraglich gesichert. Über eine Fortschreibung dieser Regelung - oder auch eine vorzeitige Auflösung - müssten sich der Kreis und die Stadt Kassel als Gesellschafter einig werden.

Im Vorjahr hatte die GNH mit 9,35 Millionen einen Rekord-Gewinn ausgewiesen und ihr Plus im Vergleich zu 2010 fast verdoppelt.

Der Umsatz war damals um knapp 28 Millionen auf 332,5 Millionen Euro gesprungen. 2012 lag er nun bei 334,5 Millionen Euro - bei nahezu konstanter Mitarbeiterzahl von 3160 Vollzeitstellen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Dicker Hals = dickes Risiko fürs Herz

Nicht nur ein dicker Bauch spricht Bände – der Halsumfang eignet sich ebenfalls, um das kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen. mehr »

Junge Ärzte müssen etwas zur Versorgung auf dem Land beitragen!

Politik und Verbände mühen sich ab, um junge Ärzte für die Versorgung auf dem Land zu begeistern. Blogger Dr. Jonas Hofmann-Eifler sieht die Verantwortung ein Stück weit auch bei sich und seinen Kollegen. mehr »

MDK lehnt Pflegeanträge seltener ab

Kommen die Pflegereformen bei den Versicherten an? Neuen Zahlen zufolge fallen weniger Antragssteller durchs Raster und erhalten somit Leistungen. mehr »