Ärzte Zeitung online, 16.08.2013

Patientensteuerung

Ein Armband für jeden Notfallpatienten

Wie lässt sich der Ablauf in der Notaufnahme verbessern? Das Klinikum Fulda setzt auf elektronische Armbänder für die Patienten - und nimmt damit bundesweit eine Vorreiterrolle ein. Denn die Einwegarmbänder lösen gleich auch noch ein Hygieneproblem.

Von Sabine Schiner

Ein Armband für jeden Notfallpatienten

Alles im Blick: IT-Mitarbeiter Sebastian Burck (v.l.), Notfallkoordinator Dittmar Happel und die ZNA-Chefin Dr. Petra Zahn zeigen die neue Technik. Der Monitor zeigt, wo sich die Patienten aufhalten.

© Klinikum Fulda

FULDA. In der Zentralen Notaufnahme des Klinikums Fulda bekommen die Patienten seit Anfang Juli ein Armband um. Über Funkwellen können die Mitarbeiter dann von jedem PC der Notaufnahme aus nachvollziehen, wo sich die Patienten gerade aufhalten.

Mithilfe des Einsatzes der RFID-Technik (Radio-Frequenz-Identifikations-Technologie) sollen die Abläufe in der Notaufnahme optimiert und die Wartezeiten reduziert werden.

Etwa 35 Fachpflegekräfte und 20 Ärzte kümmern sich in Fulda um die 150 Patienten, die im Schnitt pro Tag in der Notaufnahme des Klinikums behandelt werden. Zur Notaufnahme gehören unter anderem 18 Behandlungsplätze, zwei Schockräumen und zwei Wartebereiche.

Bis März 2013 war von den Mitarbeitern auf einem Whiteboard, das einer Schultafel ähnelt, mit Filzstift dokumentiert worden, in welchem Behandlungsraum die Patienten gerade sind und welchen Status sie haben. "Dieses System war unkomfortabel und zeitintensiv", sagt Dr. Petra Zahn, Direktorin der Zentralen Notaufnahme.

Bereits im April war deshalb ein neues EDV-System zur Ablaufsteuerung eingeführt worden, mit dem sich die Mitarbeiter die Laufwege zum Whiteboard sparen können, da von jedem PC aus der Zugriff auf die elektronischen Daten möglich ist.

In einem nächsten Schritt muss nun das RFID-System, das passiv arbeitet und ohne Stromversorgung auskommt, im Alltag erprobt werden.

Erster Testlauf mit 200 Patienten

Anfang des Monats startets ein erster Testlauf mit 200 Patienten. Das Klinikum Fulda ist damit bundesweit Vorreiter. Andere Einrichtungen arbeiten derzeit noch mit aktiven Transpondern, die Batterien benötigen, die aufgeladen und wiederverwendet werden.

"Dies erfordert auch eine sichergestellte Desinfektion der Transponder", erklärt IT-Mitarbeiter Sebastian Burck. Beim passiven RFID-System werden Einweg-Armbänder eingesetzt.

Die Software ist von Burck selbst entwickelt worden, die Kosten für die Hardware schätzt er auf 20.000 bis 25.000 Euro.

Und so sehen die Abläufe im Detail aus: Wenn ein Patient in die Notaufnahme kommt, erhält er ein Armband mit einem eingebauten Transponder.

Auf dem internen Speicher des Transponders ist seine ganz persönliche Zuordnungsnummer gespeichert, die per Software mit dem Krankenhausinformationssystem (KIS) verbunden und mit den Diagnosedaten verknüpft werden kann. In den Chip ist zudem ein RFID-Transponder integriert.

Transponder und KIS kommunizieren per Funkwellen

"Es handelt sich beim Transponder im Wesentlichen um eine Antenne, die Funkwellen aufnimmt und gleichzeitig Energie aus der Übertragung gewinnt. Mit der gewonnenen Energie kann der Transponder auf den internen Speicher zugreifen und die gespeicherte Zuordnungsnummer an die Antenne zurück senden", erklärt Burck.

Die Frequenz, in der gefunkt wird, liege bei 868 Megahertz, das entspreche in etwa der Frequenz bei einem Telefonat in den USA. "Angesichts der Angst, die viele Menschen vor Strahlung haben, ist dies ein wichtiger Punkt für die Akzeptanz", sagt Burck.

An den Türen der Behandlungsräume sind zwei Antennen angebracht, die die Funksignale der RFID-Transponder in den Patientenarmbändern erfassen. Ein spezieller Algorithmus, der ebenfalls von Burck entwickelt wurde, zeigt an, ob jemand in einen Raum geht oder ihn verlässt.

Die Rauminformationen werden von der Software ständig aktualisiert. Sie sind von jedem PC aus abrufbar, zusätzlich wird ein digitaler Lageplan auf einem zentralen Monitor in der Notaufnahme angezeigt.

"So wissen wir immer, welcher Patient sich wo gerade aufhält und wie lange die einzelnen Behandlungsschritte dauern", sagt Dr. Petra Zahn.

Datenschutz ist kein Problem

Probleme mit dem Datenschutz fürchtet sie nicht. Auf dem Chip würden nur eine Nummer und keine Patientendaten gespeichert. "Nur Mitarbeiter, die einen Zugang zum KIS haben, können mit den Daten etwas anfangen", sagt Burck.

Jedem Patienten sei freigestellt, ob er ein Bändchen tragen möchte. "Wir können per Hand auch weiterhin über den PC die Daten eintragen", so die Direktorin.

Die Menschen in und um Fulda seien bereits mit Vorträgen, speziellen Veranstaltungen und per Zeitungsberichten über das neue Projekt informiert worden: "Ich glaube nicht, dass es an Akzeptanz mangeln wird."

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