Ärzte Zeitung online, 25.07.2013

NRW

5200 Chirurgie-Betten sollen wegfallen

Nordrhein-Westfalen will in der Geriatrie, der Psychiatrie und Neurologie die Klinikkapazitäten ausbauen. Gleichzeitig werden tausende Betten in der Chirurgie gestrichen.

5200 Chirurgie-Betten sollen wegfallen

In NRW werden in den nächsten Jahren zahlreiche Klinikbetten abgebaut, in einigen Bereichen werden aber auch Kapazitäten ausgebaut.

© Ernert

DÜSSELDORF. Für die rund 400 Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen gibt es einen neuen Rahmenplan. Bis zum Jahr 2015 sollen im Vergleich zu 2010 etwa 10.000 Betten und damit neun Prozent der Kapazität abgebaut werden.

Gleichzeitig setzt der Plan neue Schwerpunkte, erklärte Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne): "Er enthält erstmals strukturelle Qualitätsvorgaben, beispielsweise zur schnelleren Identifizierung und besseren Einstufung altersspezifischer Erkrankungen."

Eine Premiere im Plan sind die Qualitätsvorgaben zur ärztlichen Kompetenz: Die Leitung jeder Abteilung muss künftig ein Facharzt übernehmen, die Stellvertretung soll Facharzt sein.

Rudolf Henke, Präsident der Ärztekammer Nordrhein, zeigte "ein gewisses Verständnis" für diese Regelung. Die Kammern in NRW hatten sich für mindestens zwei Fachärzte je Abteilung ausgesprochen.

"Es ist zumindest ein Einstieg und offensichtlich das, was im Moment möglich ist", sagte Henke der "Ärzte Zeitung".

Neu im Krankenhausplan findet sich auch das geriatrische Screening für Patienten ab dem 75. Lebensjahr. Die Geriatrie gehört zu den drei Bereichen, in denen im Rahmen des neuen Krankenhausplans mehr Kapazitäten aufgebaut werden sollen.

40 Prozent weniger Betten in der Nuklearmedizin

Die anderen beiden sind Psychiatrie und Psychosomatik sowie Neurologie. Insgesamt soll es hier 3280 neue Betten geben.

Der größte Abbau in absoluten Zahlen, nämlich 5200 Betten, ist für die Chirurgie vorgesehen. In der Nuklearmedizin sollen mehr als 40 Prozent der Betten, nämlich 100 von bislang 240, wegfallen.

Ministerin Steffens erklärte, die Verringerung der stationären Kapazitäten in diesen Bereichen könne ohne Einschränkung der Versorgungsqualität erfolgen, weil dafür zunehmend ambulante Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Die Krankenhausgesellschaft NRW warte "gespannt" auf die Umsetzung, erklärte KGNW-Präsident Jochen Brink.

"Die Umsetzung der Pläne für die Psychiatrie/Psychosomatik und die Geriatrie wird Zeit brauchen, da noch zu klären ist, ob und in welchem Umfang die personellen Strukturen bereits vorhanden sind oder erst noch aufgebaut werden müssen." (kab)

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