Ärzte Zeitung online, 26.08.2013
 

Uniklinik Frankfurt

Mit neuer Direktorin gegen rote Zahlen

Ein umfangreiches Maßnahmenpaket soll das Frankfurter Uniklinikum wieder auf Kurs bringen. Der neuen kaufmännischen Direktorin ist das vormals schon in Rostock geglückt.

Von Sabine Schiner

FRANKFURT/MAIN. Bettina Irmscher ist neue kaufmännische Direktorin am Universitätsklinikum in Frankfurt am Main. Sie hat vor, das Haus aus den roten Zahlen zu bringen.

Dass sie das kann, hat sie bereits am Uniklinikum Rostock unter Beweis gestellt. Dort war Irmscher 2010 zur "Klinikmanagerin des Jahres" gewählt worden.

Sie habe entscheidend daran mitgewirkt, dass die Einrichtung auf eine wirtschaftlich stabile Basis gestellt wurde, hieß es damals. Bis dahin ist es in Frankfurt aber noch ein weiter Weg, das Defizit des Uniklinikums beträgt etwa 5,5 Millionen Euro.

"Das geht nicht von heute auf morgen", sagt Bettina Irmscher im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Weiterbildung und Infoveranstaltungen für Zuweiser

In der nächsten Zeit wird sie ganz unterschiedliche Abläufe und Strukturen überprüfen und analysieren. Auch das Uniklinikum ist im umkämpften Krankenhausmarkt der Rhein-Main-Region auf Kooperationen angewiesen.

"Wir werden die Klinikallianz mit dem Verbund der Stiftungskrankenhäuser weiterführen", sagt Bettina Irmscher. Und auch im ambulanten Bereich würden, wie schon die Jahre zuvor, Kontakte zu den Zuweisern geknüpft. Da sei jede Klinik für sich autark, so die Managerin.

Obwohl der ambulante Bereich nicht zu den Schwerpunkten der Unimedizin zähle und vorwiegend durch die Hochschulambulanzen abgedeckt werde, unterstützt sie die Zusammenarbeit. "Wir bieten seit Jahren Weiterbildungs- und Infoveranstaltungen an, das klappt gut - und das werden wir fortführen."

Trommeln für neue Abrechnung

Es ist ein Stück weit auch eine politische Arbeit, die auf die Klinikmanagerin zukommt. Mit dem derzeitigen gesetzlichen Abrechnungssystem kann die Hochleistungsmedizin eines Universitätsklinikums nicht adäquat gedeckt werden, so Irmscher.

Deshalb müssten gemeinsam mit Politikern, "neue Modelle für eine zukunftssichere Krankenhausfinanzierung erarbeitet werden".

Defizite gebe es auch bei den Investitionsmitteln. Die modernen Geräte, die ein Uniklinikum brauche, müssten angeschafft und instand gehalten werden. Die Investitionsmittel des Landes reichten nicht aus.

Arbeitsabläufe sollen optimiert werden

Um das Uniklinikum auf Kurs zu bringen, will sie die Kostentrennung zwischen Krankenversorgung und Forschung und Lehre optimieren. "Wir müssen genau schauen, wo Defizite geschrieben werden."

Um aber trotz der Finanzierungslücken das hohe Niveau halten zu können, will Bettina Irmscher die Arbeitsabläufe am Klinikum verbessern. Durch die Notaufnahme etwa sollen Patienten künftig schneller geschleust werden und auch der innerbetriebliche Krankentransport soll effektiver werden.

Wichtig sind ihr zudem Qualitätsmanagement und -sicherung, da bei jeder Zertifizierung Strukturen automatisch überprüft würden. In diesem Bereich sei das Uniklinikum Frankfurt als eines von bundesweit nur zwei gesamtzertifizierten Uniklinika gut aufgestellt.

Beratung durch Roland Berger

Die Klinikmanagerin will aber auch nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten suchen. Zu diesem Zweck wurde die Beratungsgesellschaft Roland Berger engagiert. "Sie soll uns unterstützen, zusätzliche Ertragsmöglichkeiten zu finden und durch Organisationsoptimierung Kosten zu sparen", sagt Irmscher.

Bei allen Neuerungen, die auf das Uniklinikum zukommen werden, ist ihr eins besonders wichtig: "Ich will alle Mitarbeiter auf dem Weg mitnehmen. Von oben herab diktieren - so etwas funktioniert nicht".

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