Ärzte Zeitung online, 01.10.2013
 

Finanzierung

Krankenhauskosten steigen um 2,02 Prozent

Höhere Tarifabschlüsse und steigende Preise belasten die Budgets der deutschen Krankenhäuser. Anhand der gestiegenen Kosten ermittelt das Statistische Bundesamt den Orientierungswert für Kliniken. Der entscheidet darüber, wie viel Geld die Krankenhäuser von den Kassen bekommen.

WIESBADEN. Die Kosten in Krankenhäusern sind nach Angaben des Statistischen Bundesamts innerhalb eines Jahres um gut zwei Prozent gestiegen. Das Amt veröffentlichte am Montag in Wiesbaden den Orientierungswert für Krankenhäuser.

Der gibt in Prozent die durchschnittliche Veränderung der Krankenhauskosten pro Jahr wieder. Für das zweite Halbjahr 2012 und das erste Halbjahr 2013 beträgt der Orientierungswert 2,02 Prozent.

Der Richtwert wirkt sich auf die Höhe der finanziellen Zuwendungen der Krankenkassen an die Kliniken aus. Er wurde im vergangenen Jahr zum ersten Mal veröffentlicht.

Bis dahin war die Ausgabensteigerung für Krankenhausleistungen durch die Einnahmen der Gesetzlichen Krankenversicherung gedeckelt. Der Orientierungswert sollte die tatsächliche Kostenentwicklung der Kliniken genauer abbilden. Er wird aus bereits vorhandenen statistischen Daten wie der Verdiensterhebung, der Preisentwicklung und dem Kostennachweis der Krankenhäuser errechnet.

Auswirkungen habe die Veröffentlichung des Orientierungspunktwertes auf die finanzielle Lage der Kliniken zunächst nicht, heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).

Der Spielraum für Preisanpassungen werde auf Bundesebene durch einen Abgleich von Orientierungspunktwert und Grundlohnrate gebildet, so die DKG. Da die Grundlohnrate höher ist als der Orientierungswert, komme dieser zum Tragen.

Krankenhausgesellschaft kritisiert Messung

"Damit hat der unzulänglich ermittelte Orientierungspunktwert für das Jahr 2014 glücklicherweise auf die Finanzierung der Krankenhäuser keine Auswirkung", sagte Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der DKG.

Die Messung des Statistischen Bundesamtes kritisierte Baum deutlich: "Die tatsächlichen Kosten der Tarifabschlüsse und insbesondere die Preissteigerungen, mit denen die Krankenhäuser konfrontiert sind, sind viel höher", heißt es in der Mitteilung.

Grund für die "Messfehler" seien nach Ansicht der DKG die "unzulänglichen Informationsquellen und Statistiken, auf die das Statistische Bundesamt zurückgreift." Diese seien nicht "krankenhausspezifisch".

Laut Baum fehlen in den Daten die "Zuwächse der krankenhausspezifischen Haftpflichtversicherungsprämien" ebenso wie die Kostensteigerungen durch die Umlage nach dem Erneuerbare Energien-Gesetz. Durch die Umlage werde die medizinische Versorgung um eine "viertel Milliarde Euro verteuert".

Das Fazit des DKG-Hauptgeschäftsführers: "Erneut wird deutlich, dass die Methodik zur Erfassung der Kosten der Krankenhäuser durch das Statistische Bundesamt verbessert werden muss." Dazu habe die DKG Vorschläge gemacht, allerdings benötige das Amt dafür mehr Mitarbeiter, so die DKG. (eb/dpa)

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