Ärzte Zeitung online, 15.11.2013

Statt Herbst-Tristesse

Blauer Himmel für Räume ohne Fenster

Fensterlose Räume in Praxen und Kliniken fördern nicht gerade das Patientenwohl. Abhilfe schaffen können künstliche Fensterinstallationen - für ganzjährig Frühlingsgefühle.

Von Kerstin Mitternacht

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Natur zum Greifen nahe: Diese Illusion vermitteln künstliche Fensterinstallationen in fensterlosen Räumen.

© Sky Factory

NEU-ISENBURG. Künstliche Fensterinstallationen kommen immer mehr auch in deutschen Praxen und Krankenhäusern zum Einsatz. Statt kahler Decken und weißer Wände soll über künstliche Naturbilder eine angenehme Atmosphäre für Patienten geschaffen werden.

Außerdem sollen diese Fotoinstallationen laut Sky Factory, einem Anbieter solcher Produkte, eine stressreduzierende Wirkung auf Patienten und Mitarbeiter haben.

Im Krankenhaus Reinbek St. Adolf-Stift bei Hamburg kommt ein solches naturgetreues Bild seit dem Frühjahr auch zum Einsatz. Auf die Idee kam OP-Abteilungsleiter Thomas Meyer: "Ich habe eine vergleichbare Installation in den Behandlungsräumen einer Zahnarztpraxis gesehen und mich an den fensterlosen Raum im Aufwachbereich erinnert", berichtet Meyer.

Kurze Zeit später stieß er bei einem Messerundgang auf diese Art der Gestaltung und hat daraufhin ein wenig im Internet recherchiert. Dabei ist er auf die gewünschte Deckeninstallationen aufmerksam geworden.

Früher mussten Haushandwerker bemüht werden, Bilder auf der Intensivstation in regelmäßigen Abständen auszutauschen, damit sogenannte Langlieger nicht immer den gleichen Abdruck einer immer gleichen Landschaft ansehen müssen.

"Die Installation eines hintergrundbeleuchteten Motivs erschien mir aber eleganter und vor allem auch zeitgemäßer", sagt Meyer.

Die Motivwahl war mit das schwierigste, berichtet der OP-Abteilungsleiter, weil es hunderte von Fotos zur Auswahl gibt. Entschieden hat Meyer sich dann mit seinen Kollegen für ein naturgetreues Himmelgewölbe mit ein paar Wolken und Zweigen.

Angebracht ist die Deckeninstallation im Zentral-OP, dem einzigen Zimmer, in dem es keine Fenster gibt. Hier werden unter anderem Schmerzkatheter gelegt, aber der Raum dient auch als Aufwachraum nach einer Narkose.

Basisversion ab 3000 Euro zu haben

Meyer weiß von den Patienten, dass sie die Ansicht genießen: Statt auf eine weiße Zimmerdecke in einem völlig geschlossenen Raum, schauen sie nun auf einen hellen Wolkenhimmel. Insbesondere die spezielle Lichtfrequenz komme, so Meyer, sehr gut an.

Bei Bedarf lässt sich die Lichtintensität der Installation hoch und runter schalten und simuliert so Tageslicht oder Abenddämmerung.

Und Meyer denkt auch schon über weitere Installationen nach: "Im geplanten Neubau des Aufwachraums kommt eine hoffentlich breitere Ausstattung mit mehreren Installations-feldern zum Einsatz."

Angebracht wird ein Deckenbild in der Regel, indem die bestehenden Deckenplatten eines Krankenhauszimmers mit den Fotodeckenplatten ausgetauscht und verkabelt werden. Dabei kann man zwischen Leuchtstoffröhren und schmaleren LED-Lampen wählen.

"Diese sind energiesparender und halten länger, sind allerdings auch teurer", berichtet Meyer. "Wir haben uns aus technischen Gründen für die LED-Lampen entschieden".

Finanziert wurde das Projekt durch den Verein der Freunde und Förderer des Krankenhauses Reinbek St. Adolf-Stift. Der Förderverein ermöglicht durch eingeworbene Mitgliedsbeiträge und Spenden zusätzlich Projekte und Investitionen, die Patienten und Klinikpersonal zugutekommen.

"Nach einer Präsentation bei einer Mitgliederversammlung des Fördervereins wurde der nicht unerhebliche Geldbetrag gleich zur Verfügung gestellt", berichtet Meyer.

Insgesamt hatt das Projekt rund 9000 Euro gekostet. Laut Sky Factory gibt es Deckeninstallationen aber auch schon ab 3000 Euro. "Die individuellen Preise sind allerdings davon abhängig, für welche Form, Größe und Variation sich die Kliniken und Arztpraxen entscheiden", erklärt Marta Nierada, Pressereferentin des Herstellers.

Eine erste Studie des Neuroimaging Institute der Texas Tech University hat die Effekte der Fotoinstallationen auf die Hirnaktivierung mittels funktioneller Magnet-Resonanz-Tomografie untersucht. Erste Ergebnisse sollen darauf hinweisen, dass die Fotoinstallationen die gleichen typischen neuronalen Aktivierungen auslösen, wie es bei anderen positiven Bildern der Fall ist, heißt es in einer Unternehmens-Mitteilung.

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