Ärzte Zeitung online, 12.12.2013
 

Kliniken

Oftmals wenig anziehend für Generation 50 plus

Reicht "Arbeitssicherheit" um die Ärzte über 50 für den Beruf zu motivieren? Wohl kaum, sagen Experten. Sie finden: Viele Krankenhäuser bieten vor allem Älteren zu wenig - mit fatalen Folgen angesichts des drohenden Fachkräftemangels.

Von Sunna Gieseke

Oftmals wenig anziehend für Generation 50 plus

Junge Mitarbeiter sind häufig im Fokus, ältere hingegen im Hintergrund.

© Meddy Popcorn/fotolia.com

BERLIN. Bis zum Jahr 2030 werden rund 30.000 Ärzte und 420.000 Pflegekräfte fehlen: Kliniken buhlen jedoch bereits jetzt um die qualifizierten Mitarbeiter.

"Doch dabei vergessen sie allzu oft, dass verschiedene Mitarbeitergenerationen unterschiedliche Ansprüche an Arbeit und Karriere haben", sagte Professor Joachim Hasebrook von der Münsteraner Mangagerberatungsfirma zeb am Mittwoch in Berlin anlässlich der Vorstellung der Studie "Best Practices zur Gewinnung und Bindung hoch qualifizierter Mitarbeiter".

An der länder- und branchenübergreifenden Studie beteiligten sich insgesamt 387 Unternehmen, darunter auch Krankenhäuser. Das Ministerium für Wissenschaft und Forschung in Baden-Württemberg finanzierte die Studie.

Generation Y tickt anders

Das Fazit: Wer künftig die besten Köpfe in Kliniken halten will, muss deutlich stärker als bisher auf die unterschiedlichen Ansprüche der verschiedenen Generationen von Arbeitnehmern eingehen.

Die sogenannte Generation Y bis Anfang 30 stelle ganz andere Ansprüche an Arbeitsplatz, Arbeitszeit und Aufstiegsmöglichkeiten als die "Baby Boomer", die heute 50 Jahre oder älter sind, so Mitautor der Studie Hasebrook.

Die Belegschaften in Kliniken seien heute jedoch im Schnitt älter als 40 Jahre, die aktiven Krankenhausärzte hätten einen Altersdurchschnitt von mehr als 50 Jahren.

"Doch ausgerechnet dieser Personengruppe haben Unternehmen fast nichts zu bieten, obwohl diese Generation noch bis zu 17 Jahren im Beruf steht ", so Hasebrook.

Die Studienergebnisse belegten, dass von den Unternehmen ausschließlich "Arbeitssicherheit und Vergütung" als wichtige Maßnahme für diese Generation gesehen werden.

Damit allein seien jedoch Leistungsfähigkeit und -bereitschaft nicht zu sichern, betonte Hasebrook. Bei den Themen Karriereförderung und Weiterbildung hätten die Kliniken diese Generation aber nicht mehr auf dem Schirm.

Ältere Mitarbeiter haben auch Familie

Das bestätigte auch Christian Heitmann vom zeb. Er betonte, dass viele Kliniken inzwischen umdenken würden und anfingen, die jüngeren Mitarbeiter an den Arbeitgeber zu binden. Dafür würden unter anderem Kindergärten gebaut, damit Familie und Beruf leichter unter einen Hut zu bringen seien.

"Doch auch ältere Mitarbeiter haben Familie", so Heitmann. Dann sind es vielleicht keine kleinen Kinder mehr, die versorgt werden müssten. Aber diese Generation müsse zum Beispiel an Demenz erkrankte Angehörige versorgen.

Hier gebe es an den Kliniken noch zu wenig Modelle, die den Arbeitnehmer entlasteten. Mit Blick auf den drohenden Fachkräftemangel müssten jedoch auch die Generation 50 plus mehr in den Fokus genommen werden, betonte Heitmann.

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