Ärzte Zeitung online, 04.03.2014

Münchner Kliniken

Ärzte und Pflegepersonal auf der Streichliste

Um für die Zukunft gerüstet zu sein, sollen die Städtischen Kliniken in München rund 2000 Stellen abbauen, so Unternehmensberater. Davon betroffen sind auch Ärzte und Pflegekräfte. Unterdessen haben die Mitarbeiter ein eigenes Konzept vorgelegt.

Ärzte und Pflegepersonal auf der Streichliste

In München soll die Versorgung an den Städtischen Kliniken umgekrempelt werden - dadurch fallen auch viele Stellen weg.

© Manfred Steinbach/fotolia.com

MÜNCHEN. In den nächsten Jahren sollen bei den Städtischen Kliniken in München rund 2000 Stellen - das entspricht etwa 1500 Vollzeitkräfte - der insgesamt 8000 Beschäftigten wegfallen.

Das schlägt die Boston Consulting Group (BCG) in ihrem Sanierungsgutachten vor, das jetzt dem Aufsichtsrat des Klinikums vorgelegt wurde.

Der Stellenabbau in den kommenden sechs bis acht Jahren soll vor allem durch Fluktuation, altersbedingtes Ausscheiden, Personalübernahmen durch die Stadt oder Tochtergesellschaften sowie einvernehmliche Aufhebungsverträge bewerkstelligt werden.

Betriebsbedingte Kündigungen als "Ultima Ratio" dürften jedoch nicht ausgeschlossen werden, teilte die Unternehmensberatung mit. Die "Personalaufwandsquote von über 70 Prozent" müsse künftig den Erlösen angepasst werden.

Betroffen wären nach den bisherigen Planungen vor allem die Verwaltung und der technische Bereich, wo der Personalstand um bis zu 46 Prozent sinken soll. Bei den Ärzten sollen etwa 20 Prozent und im Pflegedienst etwa 16 Prozent der Stellen bis 2022 wegfallen.

Zwei neue Köpfe auf der Führungsetage

Nach dem BCG-Gutachten sind die Städtischen Kliniken "sanierungswürdig und sanierungsfähig" und können deshalb mittelfristig wieder auf ein solides wirtschaftliches Fundament gestellt werden.

Voraussetzung dafür ist eine grundlegende Neustrukturierung mit einer Zusammenlegung von Fachabteilungen und einer Reduktion der Bettenkapazitäten verbunden mit einem Stellenabbau.

Unterdessen hat der Aufsichtsrat des Klinikums mit zwei Personalentscheidungen erste Weichen für die Neuordnung gestellt. Zum 1. April wurden Dr. Axel Fischer (45) als Sprecher der Geschäftsführung und Susanne Diefenthal (49) als Personalgeschäftsführerin und Arbeitsdirektorin berufen.

Fischer kommt von BCG und hatte zuvor fast vier Jahre lang das bundesweite Medizinmanagement der Schön Kliniken geleitet. Diefenthal hatte zuletzt den Geschäftsbereich Personal und Recht des Universitätsklinikums Freiburg geleitet.

Dass bei den Städtischen Kliniken eine wirtschaftliche Konsolidierung "zwingend notwendig" ist, werde auch von den Mitarbeitern erkannt, teilte der Marburger Bund in Bayern mit. Dazu seien von den Mitarbeitern zwei Konzeptpapiere ausgearbeitet worden, die unter fachlichen Aspekten zu einer Zusammenführung in eine Nord- und Süd-Klinik raten.

Die Vorschläge der Klinik-Mitarbeiter enthielten "realistische Schritte, um besser morgen als später mit der rettenden Umsetzung zu beginnen", heißt es in einer Mitteilung des Marburger Bundes. (sto)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

In Westeuropa sterben Deutsche am frühesten

Deutschland hat unter 22 westeuropäischen Ländern die niedrigste Lebenserwartung. Im weltweiten Vergleich gibt es noch immer drastische Unterschiede - von bis zu 40 Jahren. mehr »

Gemeinsam gegen Antibiotika-Resistenzen

Die Weltantibiotikawoche ist angelaufen: Während die WHO für mehr Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Medizin wirbt, versucht ein Projekt von Ärzten und Kassen die Bürger für Resistenzen zu sensibilisieren. mehr »

Herzschutz-Effekt durch Fischöl-Kapseln

Die Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren mittels spezieller Fischöl-Kapseln hat in der beim AHA-Kongress präsentierten REDUCE IT-Studie eine erstaunliche Wirkung entfaltet. Zu einem anderen Ergebnis kommt die Studie VITAL. mehr »