Ärzte Zeitung online, 17.03.2014

Sachsen

Mammografie-Zoff bald vor Gericht?

In einer Mammografie-Sprechstunde am Elblandklinikum in Riesa sollen Radiologen falsch befundet haben. Was tatsächlich geschehen ist, ist unklar. Ein heftiger Streit zwischen Klinik und Ärzten hat sich entfaltet - womöglich geht es bald vor Gericht.

Von Johanna Dielmann-von Berg

Mammografie-Zoff bald vor Gericht?

Eie Ärztin untersucht eine Mammographie.

© Bernd Wüstneck / dpa

RIESA. Der Eklat um angeblich falsche Mammografie-Befunde am Elblandklinikum in Riesa nimmt wieder Fahrt auf. Der beurlaubte Klinikvorstand lässt derzeit rechtliche Konsequenzen prüfen.

Sein Anwalt wollte sich aber aufgrund "laufender Ermittlungen" noch nicht dazu äußern. Auch die betroffene Radiologin strebe eine Verleumdungsklage an, teilte die KV Sachsen auf Anfrage der "Ärzte Zeitung" mit. Was ist vorgefallen?

Rückblick: Im Frühjahr vergangenen Jahres eskalierten Streitigkeiten zwischen dem Elblandklinikum Riesa und niedergelassenen Ärzten. Die Ärzte kritisierten den stetigen Personalwechsel und auch kaufmännische Entscheidungen des Krankenhauses.

Im gleichen Zeitraum wurden Vorwürfe der Klinikleitung gegen drei Radiologen publik. Hierbei handelte es sich um von der KV ermächtigte Ärzte, die bei Sprechstunden in Räumen des Krankenhauses Mammografien vorgenommen haben. Dabei soll es mehrfach zu falschen Befunden gekommen sein, so der Verdacht der Klinik.

Da ermächtigte Ärzte in die Zuständigkeit der KV fallen, ließ die KV Sachsen eine Zufallsstichprobe von 102 Mammografie-Befunden aus den Quartalen drei und vier 2012 überprüfen. Ergebnis: keine Beanstandung.

Als Konsequenz aus den Ereignissen beurlaubte der Aufsichtsrat den kaufmännischen Klinikvorstand und den Chef der Gynäkologie. Der Vorfall schien aus der Welt geräumt, bis nun ein Artikel des Magazins "Spiegel" die Affäre wieder aufwärmte.

Ist ein altes Mammografie-Gerät die Ursache?

Lokalpolitiker als Mitglieder des Aufsichtsrates sollen zusammen mit Funktionären und Ärzten versucht haben, den Vorfall zu verheimlichen, schreibt der "Spiegel". Unter anderem soll der Chef der Radiologie verschwiegen haben, dass die betroffene Radiologin ihre letzte KV-Prüfung nicht bestanden hat.

Dies bestätigt die KV zwar. Grund dafür seien aber nicht Falschbefundungen gewesen, sondern die KV habe "technische Probleme" bei den Aufnahmen festgestellt, erklärte KV-Chef Dr. Klaus Heckemann der "Ärzte Zeitung".

Auch die Dokumentation der Fälle habe den Vorgaben entsprochen. In der Klinik sei für die Sprechstunde ein sehr altes Mammografie-Gerät verwendet worden. Ein solches Gerät dürfe in der ambulanten Versorgung nicht mehr eingesetzt werden, so Heckemann weiter.

Der KV liege zudem ein Schriftwechsel vor, in dem die ermächtigten Ärzte frühzeitig anregten, dass das Krankenhaus ein neues Gerät anschaffen solle. Dies sei offensichtlich nicht geschehen.

Ein möglicher Grund: Die Anschaffung war zu teuer. Und das, obwohl die Elblandklinik nach Informationen der "Ärzte Zeitung" nahezu das gesamte Honorar für die Fälle in der Mammografie-Sprechstunde erhalten haben soll. Die Klinik wollte dies aus Datenschutzgründen nicht bestätigen.

Sie teilte lediglich auf Nachfrage mit: "Das Mammografie-Gerät wurde nach der aufkommenden Diskussion um die Befunde nicht mehr genutzt. Das Gerät befand sich in einem technisch einwandfreien Zustand und war auch abgenommen. Alle Strahlenschutzauflagen waren erfüllt."

Angebot der Nachbegutachtung wurde kaum genutzt

Fragen wirft auch der Umgang mit 15 Patienten auf, bei denen laut Klinikärzten falsch befundet worden sein soll. Im "Spiegel"-Artikel heißt es, die KV habe sich geweigert, diese noch einmal zu begutachten.

Der KV-Vorsitzende stellt dies anders dar: Es müsse sich dabei um stationäre Fälle gehandelt haben. Mitarbeiter des Krankenhauses hätten die Unterlagen "vorbeigebracht", man habe sie in den Daten der KV aber nicht gefunden, folglich müssten es stationär behandelte Patienten sein.

Auf Anfrage bestätigte die Sächsische Landesärztekammer, dass derzeit zwei Fälle von der Gutachterstelle für Arzthaftungsfragen geprüft werden.

Zudem wehrt sich Heckemann gegen den Vorwurf des "Spiegel", Patienten seien nicht informiert worden - weder von der Klinik, noch von der KV. Man habe die involvierten Ärzte, die Patienten zur Befundung in die Klinik überwiesen haben, sofort informiert, so der KV-Vorsitzende.

Und man habe ihnen angeboten, dass verunsicherte Patienten eine Zweitbefundung erhalten können. Dies hätten jedoch nur etwa zehn von ihnen in Anspruch genommen.

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