Ärzte Zeitung, 10.04.2014

Krankenhäuser

"Qualität ist wichtiger als Wohnortnähe"

Wer ins Krankenhaus möchte, wird künftig einen längeren Weg in Kauf nehmen müssen, vermuten Experten. Und die Patienten werden das akzeptieren, hieß es bei einer CDU-Veranstaltung.

OEVERSEE. Der Trend zu größeren stationären Einheiten und weiteren Wegen wird anhalten - und die Patienten akzeptieren diese Entwicklung zunehmend. Davon zeigten sich Experten auf einer Veranstaltung des CDU-Wirtschaftsrats am Mittwochabend in Schleswig-Holstein überzeugt.

Qualität ist wichtiger als Wohnortnähe - und Qualität hat viel mit Fallzahlen zu tun: Darauf wies in der Akademie Sankelmark nicht nur der frühere schleswig-holsteinische Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) hin.

Nur: moderne, große Kliniken kosten Geld, das in Schleswig-Holstein noch begrenzter zur Verfügung steht als in anderen Bundesländern. Angesichts des Investitionsstaus an Kliniken und der angespannten Kassenlagen in den Ländern forderte Karl-Heinz Vorwig den Bund auf, tätig zu werden.

Der kaufmännische Vorstand der Flensburger Diako, die mittelfristig einen Neubau anstrebt, erinnerte in diesem Zusammenhang an den gerade gestrichenen Zuschuss der Bundesregierung für den Gesundheitsfonds: "Das Geld ist da."

"Es ist nicht da, wenn Patienten den Krankenhäusern hinterherziehen müssen"

Allerdings hat Konzentration Grenzen, wie Professor Roland Trill deutlich machte. "Es ist nicht gut, wenn die Patienten den Krankenhäusern hinterziehen müssen. Wir müssen Antworten finden, etwa über kleine Satelliten", sagte der Leiter des Instituts für eHealth und Management im Gesundheitswesen der Fachhochschule Flensburg.

Er hält Patienten aufgeschlossen für neue technische Lösungen, mit denen weite Wege vermieden werden könnten.

Auch der Vorsitzende des Telematik-Ausschusses der Bundesärztekammer, Dr. Franz-Joseph Bartmann, hält nichts davon, ausschließlich in Gebäude und immer mehr Personal zu investieren.

Der Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein mahnte: "Wir dürfen nicht vernachlässigen, dass wir bei den technischen Möglichkeiten bislang hinter unseren Möglichkeiten zurückbleiben."

Bartmann sieht darin eine Ressourcenvergeudung. Der Chirurg aus Flensburg forderte, die telemedizinischen Möglichkeiten besser zu nutzen. (di)

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