Ärzte Zeitung, 18.08.2014

Klinikum Bremen Mitte

Kammer zofft sich mit KV wegen Notfällen

KV und Kammer streiten sich um kritische Aussagen von Ärzten der KV-Notfallambulanz über das Klinikum Bremen Mitte.

BREMEN. Die Präsidentin der Bremer Ärztekammer, Dr. Heidrun Gitter, hat dem Bremer KV Chef, Dr. Jörg Herman vorgeworfen, "die Ärzteschaft durch Unterstellung von Qualitätsunterschieden zu spalten."

Das schrieben Gitter und ÄKHB-Vizepräsident Dr. Johannes Grundmann in einem Brief an den KV-Vorstandsvorsitzenden. Hermann stelle den erfahren Vertragsarzt dem jungen unerfahrenen Klinikarzt gegenüber. Eine solche Darstellung sei "inakzeptabel". Der Brief liegt der "Ärzte Zeitung" vor.

In einem Artikel der "Ärzte Zeitung" hatte Hermann über die "oft noch unerfahrenen Kollegen in der Notaufnahme" am Klinikum Bremen Mitte (KBM) geklagt. Sie seien "organisatorisch mitunter nicht in der Lage, Patienten zu beurteilen, die etwa mit einem Herzinfarkt vom Bereitschaftsdienst in die Notaufnahme geschickt werden."

Hintergrund sind Unstimmigkeiten zwischen dem zentralen Bereitschaftsdienst der KV am KBM und der Notaufnahme des Hauses. Die KV-Ambulanz fühle sich am KBM nur geduldet und sieht die Patienten, die ins Klinikum sollen, von der Klinik-Notaufnahme mitunter nicht gut genug versorgt. Deshalb denkt die KVHB darüber nach, den Bereitschaftsdienst an das St. Joseph-Stift zu verlegen.

"Der Facharztstandard der Notaufnahme wird wie in anderen Krankenhäusern auch, im KBM rund um die Uhr aufrecht erhalten", betont Gitter die Kompetenz der Klinik-Ärzte in der Notaufnahme.

Die Assistenten in der Notfallambulanz hätten im Zweifel schon die für die Versorgung notwendigen Weiterbildungen gemacht, oder die notwendigen Fachärzte sind entweder telefonisch erreichbar oder haben Dienst am Haus, erklärt Gitter.

Im Übrigen sei für eventuelle medizinische Auseinandersetzungen die Beschwerdestelle der Ärztekammer die richtige Adresse, nicht aber die Öffentlichkeit. Man könne bei der Kammer die Probleme "interkollegial und sachlich" besprechen, sagt Gitter.

Die KV Bremen will den Brief Gitters vorerst nicht kommentieren, hieß es aus deren Pressestelle. Hermann ist im Urlaub. Bei der Vertreterversammlung im Oktober will das Gremium darüber abstimmen, ob der Bereitschaftsdienst am KBM bleibt. (cben)

[19.08.2014, 11:13:47]
Dr. Helmut Müller 
Undifferenzierte, pauschalierte Vorwürfe der KV Bremen
Die KV Bremen begibt sich mit ihren undifferenzierten und pauschalierten Vorwürfen auf das Diskussionsniveau der Krankenkassen. Im Sinne einer guten Patientenversorgung sollte hier die KV Bremen Roß und Reiter nennen und die so substantiierten Vorwürfe der Ärztekammer zur Prüfung zuleiten, diese ist für die geschilderten Sachverhalte die zuständige Institution. Allerdings lässt die Tatsache, dass hier von der KV der Weg an die Öffentlichkeit gewählt wurde vermuten, dass ganz andere Intentionen als die Qualität der Patientenversorgung eine Rolle spielten. Schade, wieder einmal eine völlig unnötige Konfrontation zwischen niedergelassenen und Klinik-Ärzten! Wen wundert es unter diesen Umständen, dass die verfasste Ärzteschaft immer weniger Rückhalt in der Politik hat.  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

"Mehr Geld für Kranke, weniger für Gesunde"

15:47Die Verteilungsregeln für den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen sollen deutlich verändert werden. Das hat ein Expertenkreis beim Bundesversicherungsamt jetzt vorgeschlagen. Die Meinung der Kassen ist geteilt. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »