Ärzte Zeitung, 12.12.2014

UKSH

Konzept für Umbauphase steht

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) baut um. Nach Abschluss der Arbeiten verspricht das Klinikum einweisenden Ärzten einen besseren Draht zu den Kollegen auf den Klinikfluren.

Von Dirk Schnack

KIEL. Ab dem kommenden Jahr müssen sich Patienten und Angehörige, Mitarbeiter und einweisende Ärzte auf einschneidende Änderungen am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) einstellen.

Mit dem Startschuss für den Neubau an beiden Standorten in Kiel und Lübeck wird es voraussichtlich sechs Jahre lang Beeinträchtigungen geben.

UKSH-Chef Professor Jens Scholz zeigte sich im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" dennoch überzeugt, dass der einzige Maximalversorger im Norden weiter wachsen wird.

Rund 12.500 Mitarbeiter versorgen jeden vierten stationär in Schleswig-Holstein behandelten Patienten. Das UKSH ist damit das größte Krankenhaus zwischen Nord- und Ostsee. Diese Position wird es nach fester Überzeugung von Scholz auch in der mehrjährigen Umbauphase nicht aufgeben.

Defizite durch Investitionsstau

"Das UKSH ist in der Vergangenheit immer gewachsen", sagt Scholz. Und das führt er auf die medizinische Expertise zurück - denn in Sachen Komfort, Ambiente und Prozessabläufen hat das UKSH wegen des Investitionsstaus und der veralteten Baustruktur ohne Zweifel Defizite, die keine Patienten angezogen haben dürften.

Das könnte sich nach dem Umbau ändern. Für 520 Millionen Euro erhalten Kiel und Lübeck jeweils moderne und kompakte Zentralklinika.

Der Weg dahin wird von Baulärm, Umzügen, verlegten Eingängen und anderen Begleitumständen geprägt sein. Scholz kündigte deshalb ein Kommunikationskonzept und eine Ausschilderung an, mit deren Hilfe alle Betroffenen ihr Ziel an den Standorten in Kiel und Lübeck auch erreichen.

Nach der Umbauphase wird es nicht nur Patienten und Besuchern leichter fallen, sich auf den bis zu 70 Hektar großen Grundstücken in Kiel und Lübeck zurechtzufinden.

Auch einweisende Ärzte werden mit Klinikkollegen besser kommunizieren können. Die bislang in Kliniken bekannten Pieper für Klinikärzte werden gegen Smartphones ausgetauscht, auf denen einweisende Ärzte die gewünschten Kollegen direkt anrufen können.

Die großen Veränderungen aber finden baulich statt. Die Neubauten sollen ermöglichen, dass mehr Patienten in kürzerer Zeit von weniger Personal behandelt werden - und damit für mehr Erlöse sorgen als in der Vergangenheit. Wobei Scholz betont, dass weniger Personal und mehr Patienten nicht das Ziel, sondern Folge der dringend erforderlichen baulichen Erneuerung seien.

Beim Personal geht es um den Abbau von 390 Stellen, von denen 130 aus dem Bereich Transport und Logistik und 260 aus der Krankenpflege kommen sollen. Diese Stellen sind nach Fertigstellung des Neubaus nach Ansicht des UKSH nicht mehr erforderlich, weil die kürzeren Wege Prozesse verschlanken.

Die kürzlich erfolgte Kündigung eines Gestellungsvertrages mit Rot-Kreuz-Schwesternschaften zum Jahresende 2015 hat laut Scholz damit nichts zu tun. Vielmehr gehe es dem UKSH darum, die Pflegekräfte auf einen einheitlichen Tarif am UKSH zu bekommen.

Ohne den Umweg über einen Dienstleister könne man 650.000 Euro im Jahr sparen. Mit der Qualität der Arbeit der betroffenen Pflegekräfte habe dies nichts zu tun, im Gegenteil: "Wir sind mit den Arbeitskräften sehr zufrieden, und ich glaube, die auch mit uns", sagt Scholz. Er erwartet, dass sich viele der Betroffenen auf die auszuschreibenden UKSH-Stellen bewerben werden.

Konsortium will Neubau stemmen

Für den Neubau gibt es, wie berichtet, eine öffentlich-private Partnerschaft zwischen dem Land und einem Konsortium privater Firmen, die die Immobilien 30 Jahre lang betreiben werden. Insgesamt werden in den kommenden 30 Jahren 1,7 Milliarden Euro investiert, von denen 520 Millionen Euro auf die Neubauten und 160 Millionen Euro in Forschung und Lehre zusätzlich fließen.

Der Rest der Summe wäre in diesem Zeitraum ohnehin investiert worden. Die halbe Milliarde für den Neubau klingt zwar gigantisch, doch Scholz ist sicher, dass die Summe optimal verhandelt ist.

Er verweist in diesem Zusammenhang auf die finanziellen Volumina an anderen deutschen Universitätsstandorten, während es in Schleswig-Holstein um zwei Standorte geht. Bei dem vereinbarten Volumen handelt es sich um einen Festpreis.

Planung, Bau und Betrieb kommen aus einer Hand - damit gibt es auch nur einen Verantwortlichen. Preissteigerungen für den Auftragnehmer sind ausgeschlossen, weil die Gewerke nicht einzeln ausgeschrieben wurden. Bei Einzelausschreibungen, die ja im Laufe mehrerer Jahre hätten erfolgen müssen, wären Preissteigerungen für einzelne Leistungen oder Rohstoffe die Folge gewesen. Diese Gefahr besteht für das UKSH nicht.

Finanziert werden die 520 Millionen Euro aus Krediten, die das UKSH zu 75 Prozent und das Konsortium zu 25 Prozent aufnehmen. Das UKSH will den Kredit, wie berichtet, mithilfe einer "Effizienzrendite" tilgen: Scholz rechnet mit mehr Erlösen durch erhöhten Patientenzulauf und geringeren Kosten durch verbesserte Prozessabläufe.

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