Ärzte Zeitung, 25.10.2016

Gruselattacken

Therapeutischen Clowns vergeht das Lachen

Ein skurriles Phänomen greift nun auch in Deutschland um sich: Als Clown kostümierte Leute erschrecken und attackieren Passanten. Der Verein Rote Nasen befürchtet jetzt einen Imageschaden für therapeutische Clowns.

Von Katja Heins und Christof Bock

Therapeutischen Clowns vergeht das Lachen

Gemeingefährliches Humorverständnis.

© Paul Zinken / dpa

DÜSSELDORF/PASSAU. Nach mehreren Übergriffen von sogenannten Grusel-Clowns auf Passanten befürchten professionelle Spaßmacher und gemeinnützige Organisationen gleichermaßen einen Imageschaden.

Der Verein Rote Nasen Deutschland, der Clown-Besuche in Kliniken, Flüchtlings- und Pflegeheimen organisiert, kritisierte zu Wochenbeginn den skurrilen Trend als Gefährdung der "therapeutischen Clownskunst".

Geschäftsführer Claus Gieschen: "Wer Kinder und Erwachsene erschrickt und sich dabei hinter einer Maske verbirgt, richtet nicht nur seelischen Schaden bei den Betroffenen an, sondern beschädigt das Bild von Clowns in der Öffentlichkeit".

Internationales Phänomen

In einer Stellungnahme des Dachverband Clowns in Medizin und Pflege Deutschland e.V. heißt es, "Grusel-Clowns sind keine Clowns. Es sind wirre Menschen, die ihre destruktiven Neigungen auf diese armselige Art ausleben wollen." Diese "geschmacklosen Versuche, Aufmerksamkeit zu erringen, sollten weniger in die Schlagzeilen gehoben werden", fordert der Verband.

In den USA und vielen anderen Ländern machen Grusel-Clowns schon seit einiger Zeit die Straßen unsicher – zuletzt mehrten sich auch Berichte über Grusel-Clowns in Deutschland. Als Videos tauchen die makabren Streiche oft im Internet auf.

Inzwischen ist es selbst Stephen King zuviel. Der US-Horrorautor hatte mit dem Roman "Es", in dem der böse Clown Pennywise reihenweise Kinder tötet, 1986 einen Bestseller gelandet.

King schrieb diesen Monat auf Twitter: "Liebe Leute, macht endlich mal halb lang mit dieser Clown-Hysterie. Die meisten von ihnen sind gut, heitern Kinder auf und bringen Menschen zum Lachen."

Eine andere Erklärung, warum die Maskierten sich für ein Clowns-Kostüm entscheiden, hat Dieter Seeger, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Zirkusunternehmen: "Möglicherweise hat das mit einigen Kinofilmen zu tun, in denen der Bösewicht als Clown auftritt – zum Beispiel bei Überfällen."

Politiker kündigen Durchgreifen an

Der Direktor des Zirkus "Roncalli", Bernhard Paul, prophezeite in der österreichischen "Kronen Zeitung", die Grusel-Clowns würden "so schnell verschwinden, wie sie gekommen sind".

Paul: "Die Kostümierung dieser Gestalten ist eine Sache. Dass sie sich ungestraft Clowns nennen, ist die andere. Aber wenn sie dann auch noch mit Sägen und Knüppeln auf Leute losgehen, sind es Kriminelle, dafür ist die Polizei zuständig."

Unterdessen kündigte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ein hartes Vorgehen gehen die Horror-Clowns an. "Solche üblen Gags können schlimme Folgen haben", so der CSU-Politiker zur "Passauer Neuen Presse". "Wir werden da nichts durchgehen lassen und jeden Fall konsequent verfolgen sowie entsprechend ahnden."

Auch Nordrhein-Westfalens Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) warnte Grusel-Clowns vor den Folgen ihrer makabren Aktionen. "Wer andere sprichwörtlich zu Tode erschrecken will, ist nicht lustig, sondern ein Straftäter", so Kutschaty in der Montags-Ausgabe der "Bild"-Zeitung. Selbst wenn dem Opfer nichts passiere, könne die Tat eine strafbare Bedrohung sein. "Und auch hierfür kann der demaskierte Clown schon bis zu einem Jahr im Gefängnis landen."

Seit Tagen registriert die Polizei bundesweit vermehrt Attacken solcher vermeintlicher Clowns, die Passanten erschrecken und zum Teil auch angreifen. Die Gewerkschaft der Polizei in Baden-Württemberg rief Passanten zum Widerstand auf. Wer einem Grusel-Clown begegne, solle auf ihn zulaufen und beispielsweise laut "Hau ab" rufen. "Wir halten diese geistigen Tiefflieger für sehr gefährlich." (dpa)

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