Ärzte Zeitung, 22.12.2016
 

Studie deckt auf

Weihnachtsmann kommt auch zu bösen Kindern

Dem Mythos nach stattet der Weihnachtsmann nur den artigen Kindern einen Besuch ab. Doch ist das tatsächlich so? Forscher haben bei Kliniken in Großbritannien nachgefragt.

Von Anne Bäurle und Marco Mrusek

Santa kommt auch zu bösen Kindern

"Artig oder unartig?" - das war gestern. Davon hängt der Besuch des Weihnachtsmannes einer Studie zufolge nicht ab.

© Lady-Photo / iStockphoto

BOSTON. Zur Weihnachtszeit widmet sich so manch seriöser Wissenschaftler auch den weniger seriösen Themen. So auch Forscher der Harvard School of Public Health in Boston um Dr. John Park, die sich kürzlich mit dem weihnachtlichen Treiben von Santa Claus beschäftigt haben: Besucht der weiß-rot gekleidete Geselle tatsächlich nur die braven Kinder und lässt die ungezogenen links liegen? Ist Santas Herz womöglich durch die vielen Reisen in kalten Nächten ein wenig eingefroren?

Auf Santas Spuren

Wie Santas Schlitten seinen Rentieren folgten auch die Forscher den Spuren des Weihnachtsmannes. Das Ziel ihrer retrospektiven Beobachtungsstudie: Herauszufinden, welche Faktoren den Weihnachtsmann beeinflussen, Kindern zum Fest einen Besuch abzustatten (BMJ 2016, online 14. Dezember).

Und welche Kinder könnten Santas Herz wohl besser zum Schmelzen bringen, so die Überlegung der Forscher, als die Jungen und Mädchen, die das Fest der leuchtenden Kinderaugen im Krankenhaus verbringen müssen – egal, ob sie nun artig waren oder nicht?

Von den 191 Kliniken für Pädiatrie, die dem britischen Royal College of Paediatrics and Child Health zufolge über ganz Großbritannien verteilt sind, erhielten die Forscher telefonisch Auskunft von 186 Krankenhäusern.

Für die außergewöhnliche Studie war die Frage vergleichsweise einfach formuliert, die an die Kliniken gerichtet wurde: Konnte jemand im Hause von einem Besuch des Weihnachtsmannes während des Festes 2015 berichten?

Artig oder renitent?

Tatsächlich hatte der rot-weiß gekleidete Santa den kranken Kindern zu 90 Prozent (168 Kliniken) einen Besuch abgestattet. Spitzenreiter war Nordirland mit 100 Prozent, den geringsten Wert erreichte Nordost-London mit gerade einmal 50 Prozent.

Für die Forscher überraschend: Santa legte bei seinem Besuch offenbar keinen Wert auf das Vorhandensein von erklimmbaren Kaminen und einem kostenlosen Parkplatz für Rudolph und seine Kumpanen, spekulieren die Wissenschaftler.

Auch die Entfernung zum Nordpol, die Santa auf dem Weg zu den Kindern zurücklegen muss, scheine für Santa keine Rolle zu spielen: 814 Kilometern liegen zwischen der nördlichsten und der südlichsten Klinik – für Santa und seinen Rentierschlitten kein Problem.

Faktor Infrastruktur

Worauf er – zumindest dem Mythos nach – deutlich mehr Wert legt, ist das Benehmen der Kinder. Doch den Studienergebnissen nach ist ihm das gar nicht so wichtig: Offenbar besteht kein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Artigsein und einem Besuch von Santa Claus.

Dafür berücksichtigten die Forscher durchschnittliche Schulfehltage (zwischen 3,9 und 5,1 Prozent) und die mediane Verurteilungsrate jugendlicher Straftäter (7,1 bis 31,1 pro 1000 Einwohner) in der jeweiligen Region der Klinik. Dabei merken die Wissenschaftler an, dass die Studie individuelles Verhalten der Kinder nicht erfasse.

Ob Santa dagegen im Krankenhaus auftauchte oder nicht, hing vielmehr von den sozioökonomischen Faktoren des Klinikstandorts ab (Odds Ratio 1,23). Das belegten die Forscher mit Daten des "Index of Multiple Deprivation": Je desolater es um Einkommen, Erwerbsquote, Gesundheit, Bildung oder öffentliche Sicherheit stand, desto seltener ließ sich Santa blicken.

Um auch Kindern in wirtschaftlich schlechter gestellten Gegenden einen Besuch vom Weihnachtsmann zu ermöglichen, schlagen die Forscher vor, seinen Anstellungsvertrag neu auszuhandeln oder ihm Hilfs-Santas an die Seite zu stellen.

Die Ergebnisse stellen Eltern vor ein ethisches Problem, schlussfolgern die Forscher: Ihren Kindern "die Wahrheit über Santa" erzählen und damit unartiges Verhalten im nächsten Jahr riskieren? Vielleicht ist Schweigen manchmal tatsächlich Gold.

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