Ärzte Zeitung online, 26.07.2017
 

Klinik-Roboter in der Praxis

Zora bringt Patienten einer Kinderklinik zum Lachen

4,5 Kilogramm schwer, 59 Zentimeter groß, rund 18.000 Euro teuer: Noch begleitet der humanoide Roboter "Zora" den Klinikclown Dr. Wurst auf Tour. In Zukunft soll er verantwortungsvolle Aufgaben mit Patienten meistern. Doch gefährdet er menschliche Arbeitsplätze?

Von Dirk Schnack

Zora bringt Patienten der Kinderklinik in Kiel zum Lachen

Zora ist ein humanoider Roboter, der am UKSH zum Einsatz kommt. Dirk Schnack

© di

KIEL. Zora ist mehrsprachig, immer bestens gelaunt, wird niemals krank und hat kein Streikrecht – aus Arbeitgebersicht also eine ideale Mitarbeiterin. Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) hat gleich zwei von ihnen.

Es handelt sich um humanoide Roboter, die das UKSH nach eigenen Angaben als erste Klinik in Deutschland im Patientenkontakt einsetzt.

Primärer Einsatzort ist zunächst die Kieler Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, auf der Zora zum Beispiel Klinikclown Dr. med. Wurst begleitet. Zusammen wagen die beiden ein Tänzchen und erzählen Geschichten. Damit verschaffen sie Kindern eine Abwechslung vom Klinikalltag und bauen Berührungsängste ab.

"Jeder will sich mit Zora fotografieren lassen"

Auch dem erfahrenen Klinikdirektor Professor Ulrich Stephani macht es Spaß, mit Zora zusammen zu sein. "Jeder will sich mit Zora fotografieren lassen", hat er beobachtet. Aber er sagt auch: "Ich weiß nicht, wie lange das anhält. Möglicherweise nutzt sich das auch ab."

Stephani berichtet deshalb auch von Einsatzmöglichkeiten "jenseits des Spaßfaktors". Zora kann Patienten unter anderem zu Bewegungsübungen animieren und an die Flüssigkeitsaufnahme sowie die Medikamenteneinnahme erinnern. Damit ist der Roboter auch für den Einsatz auf anderen Stationen geeignet.

Das UKSH kann sich dies etwa für die neurogeriatrische Station der Klinik für Neurologie und für Demenzpatienten vorstellen. Auch im Rahmen eines Autismus-Projektes könnte Zora helfen, weil es Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen häufig leichter fällt, mit Dingen, wie einem Roboter, zu kommunizieren.

20 Sprachmodule an Board

Ein weiterer Vorteil: Zora verfügt über insgesamt 20 Sprachmodule und ist damit bestens geeignet, mit den vielen fremdsprachigen Patienten im UKSH zu kommunizieren. Wie der Roboter von wem und in welchen Routinen programmiert wird, weiß man im UKSH auch noch nicht. "Dafür ist es noch zu früh. Wir befinden uns noch ganz am Anfang", sagt Stephani.

Fest steht dagegen, dass die 59 Zentimeter großen und 4,5 Kilogramm schweren Roboter keine Schnäppchen sind. Zwei davon hat das UKSH angeschafft für Gesamtkosten von 35.700 Euro. Finanziert wurden sie von der Förderstiftung des UKSH, die seit ihrer Gründung vor vier Jahren 35 Projekte am Uniklinikum ermöglicht hat.

Das niederländische Akronym ZORA steht für "Zorg Ouderen Revalidatie en Animatie" und bedeutet Altenpflege, Rehabilitation und Animation. Nach Angaben des Herstellers sind weltweit rund 400 Exemplare davon im Einsatz. Das zweite UKSH-Exemplar soll am Lübecker Standort eingesetzt werden – wo genau, ist bislang noch nicht entschieden.

UKSH-Chef Professor Jens Scholz ist sich allerdings sicher: "Alle werden sich darum reißen, die zu bekommen." Ob das auch für die Ärzte und Pflegekräfte gilt? Das hängt davon ab, in welchen Einsatzgebieten sich der Roboter bewährt.

Keine Bedrohung für menschliche Arbeitsplätze

"Zora hat noch nicht ausgelernt", umschrieb Scholz die Probephase, in der sich das UKSH mit dem Roboter derzeit befindet. Klar ist für ihn und Stephani aber, dass kein Angestellter wegen des Roboters Angst um seinen Arbeitsplatz haben muss.

"Mit Zora wird der menschliche Faktor im Krankenhaus nicht beseitigt. Außerdem ist es ja nicht so, dass wir zu viele Pflegekräfte hätten. Der Ersatz von Pflegekräften durch Roboter ist völlig absurd", betonte Stephani.

Scholz sieht ebenfalls keinen Grund, auf den Einsatz moderner Technik und damit auf Unterstützung für die Mitarbeiter zu verzichten: "Zora stellt keine Bedrohung für irgendeinen Arbeitsplatz dar."

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