Ärzte Zeitung online, 25.09.2017
 

Niedersachsen

Delmenhorster Klinik beantragt Schutzschirm

DELMENHORST. Immer weniger Patienten gehen ins Delmenhorster St. Josef-Hospital. Es war wegen der Patientenmorde des ehemaligen Krankenpflegers Niels H. in die Schlagzeilen geraten. Nun hat das Haus Probleme. Die Geschäftsführung hat wegen eines Defizits von drei Millionen Euro ein Schutzschirmverfahren beim Amtsgericht Delmenhorst beantragt. "Das Verfahren soll die Insolvenz verhindern und uns Zeit verschaffen, ein funktionierendes Sanierungskonzept zu erarbeiten", so ein Sprecher des Hauses.

Das Verfahren ist für drei Monate beantragt. In dieser Zeit übernimmt das Arbeitsamt die Löhne der rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die im Hause auf rund 690 Vollzeitstellen arbeiten. Zugleich ist es vor dem Zugriff von Gläubigern geschützt und wird nicht von einem Insolvenzverwalter geführt, sondern weiterhin vom Geschäftsführer Ralf Delker.

"Betriebsbedingter Stellenabbau ist im Zuge der Sanierung wohl nicht zu verhindern", erklärt der Krankenhaussprecher. Wie viele Mitarbeiter gehen müssen, sei unklar. Natürlich sei die Verunsicherung bei Mitarbeitern groß. Auf einer Mitarbeiterversammlung am Freitag hat Geschäftsführer Delker, die Mitarbeiter über das Verfahren informiert.

Das Amtsgericht Delmenhorst habe zuvor signalisiert, dass das Krankenhaus das Schutzschirmverfahren wie beantragt anwenden kann, wie das Hospital mitteilt. Damit sei der Weg frei für eine umfassende Sanierung, hieß es. Nach dem Verfahren folgt eine drei bis sechsmonatige Sanierungsphase.

Nach Klinikangaben sind die Leistungen des Klinikums in den vergangenen vier Jahren um 20 Prozent eingebrochen. "Wenn wir nichts unternehmen, werden die Schulden von drei Millionen Euro bis Ende des Jahres auf zehn Millionen anwachsen", sagte der Sprecher der "Ärzte Zeitung".

Ob diese Schwierigkeiten mit den Morden durch Niels H. in Verbindung stehen, sei nicht belegt. "Wir können keinen kausalen Zusammenhang herstellten, man kann ihn nur vermuten." Wie berichtet, hatte der ehemalige, wegen Mordes verurteilte Krankenpfleger Niels H. im Delmenhorster Klinikum und im Klinikum Oldenburg gearbeitet.(cben)

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