Ärzte Zeitung online, 03.07.2018

Studie von Roland Berger

Schuldenlast der Kliniken nimmt zu

Laut Roland Berger nutzen große Kliniken zunehmend die niedrigen Zinsen, um kreditfinanziert zu investieren. Was in Zukunft "fatale Folgen haben könnte".

Von Christoph Winnat

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Gar nicht mal so wenige Klinikgeschäftsführer stehen finanziell mit leeren Taschen da.

© mangostock / Fotolia

MÜNCHEN. Eine klamme Kassenlage bei wenigstens einem Drittel der bundesdeutschen Krankenhäuser ist kein ganz neuer Befund. Er wird durch eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Roland Berger einmal mehr bestätigt: Demnach berichteten zwar 94 Prozent der befragten Kliniken von Umsatzwachstum in 2017 – und kein einziges Haus von Umsatzrückgang.

Allerdings hat die Anzahl derer, die rote Zahlen schreiben, binnen Jahresfrist leicht zugenommen, von 27 Prozent (2016) auf zuletzt 31 Prozent. Einen Überschuss erwirtschafteten 2017 nach eigener Auskunft – unverändert zum Vorjahr – 59 Prozent. Befragt wurden Roland Berger zufolge Repräsentanten der 500 größten deutschen Kliniken.

Bessere Klinik-Refinanzierung

Trotz der aufs Ganze gesehen verschlechterten Ertragslage hat sich die Refinanzierung der Kliniken aber offenbar verbessert. Gaben im Vorjahr 43 Prozent an, in ausreichendem Maße zu investieren, so waren es 2017 mit 54 Prozent schon deutlich über die Hälfte, die diese Frage bejahten.

Zugleich gaben nurmehr 21 Prozent derer, die sich unzureichende Investitionstätigkeit attestierten, an, keine Möglichkeiten zur Schuldenaufnahme zu sehen (im Vorjahr 27 Prozent).

Die Analysten schließen daraus, dass die unter den großen Krankenhäusern offenbar verbesserte Investitionstätigkeit vielfach "vor allem über Kredite finanziert" wird. Berater-Kommentar: "Während dies im aktuellen Niedrigzinsumfeld naheliegend erscheinen mag, gehen deutsche Krankenhäuser hiermit hohe zukünftige Verpflichtungen ein. Bei Wiederanstieg des Zinsniveaus drohen fatale wirtschaftliche Folgen."

Liquiditätsmanagement immer wichtiger

Unmittelbar spiegelt sich die wachsende Investitionstätigkeit zunächst in der größeren Bedeutung wider, die dem Liquiditätsmanagement eingeräumt wird. Rangierte die Optimierung der Zahlungsfähigkeit 2016 noch an fünfter Stelle im Ranking der wichtigsten Maßnahmen zur Ergebnis-Verbesserung, so liegt sie jetzt gleichauf mit der Maßgabe "Steigerung stationäre Erlöse" an der Spitze, jeweils mit 100 Prozent Zustimmung.

Dagegen hat die Kostenkontrolle beim medizinischen Sachbedarf im Vergleich zur Vorjahresbefragung an Stellenwert verloren und rangiert mit 80 Prozent Zustimmung nurmehr auf Platz drei der wichtigsten wirtschaftlichen Steuerungsinstrumente.

Drastisch Attraktivität eingebüßt hat unter Klinikmanagern inzwischen auch die Idee, im ambulanten Versorgungssektor Einkommen zu erwirtschaften: Galt 2016 die "Steigerung ambulanter Erlöse" noch als viert-wichtigste Maßnahme, so erhält sie jetzt nur noch 32 Prozent Zustimmung und rangiert damit an siebter Stelle der am häufigsten genannten Hebel zur Ergebnis-Verbesserung.

Stattdessen – und obgleich der Wettbewerb um Fachkräfte von den meisten Befragten als hochrelevant eingestuft wird – rücken die Personalkosten wieder stärker in den Blick. 53 Prozent der Befragten nennen Kostensenkung an dieser Stellschraube als wichtigste Maßnahme, um die Performance im laufenden Geschäftsjahr voranzubringen (Rang 4).

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