Ärzte Zeitung online, 05.02.2019

Nur digitale Abläufe

Berliner Geriatrie-Klinik verzichtet auf Papier

In Berlin hat kürzlich die Arona Klinik eröffnet, nach eigenen Angaben erste papierlose Geriatrie Deutschlands. Vom Schritt ins Digitale verspricht sie sich mehr Transparenz und mehr Zeit für Patienten.

Von Angela Mißlbeck

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Mit digitalen Patientenakten auf dem Tablet zu maximaler Transparenz?

© everythingpossible / stock.adobe

BERLIN. Komplett privat finanziert und papierlos: Auf dem Gelände des Unfallkrankenhauses Berlin (ukb) im Bezirk Marzahn hat Ende Januar die Arona Klinik für Geriatrie eröffnet.

Eigenen Angaben zufolge ist sie die erste rein privat finanzierte Klinik in Berlin, die GKV- und PKV-Versicherten offensteht, sowie die erste papierlose Geriatrie in ganz Deutschland.

Die Fachklinik mit vorerst 60 stationären Betten und fünf tagesklinischen Plätzen eröffnete nach 28 Monaten Bauzeit planmäßig im Januar.

„Wir freuen uns, dass wir mit der Arona Klinik nun in Zusammenarbeit mit dem Unfallkrankenhaus Berlin die geriatrische Versorgungslücke im Bezirk Berlin-Marzahn schließen können“, so Chefarzt Dr. Kai-Uwe Wolf.

Ältere Patienten des ukb und anderer umliegender Krankenhäuser können in der Arona Klinik weiterbehandelt werden, bevor sie nach Hause oder in eine Pflegeeinrichtung entlassen werden.

Im vergangenen Jahr zählte allein das ukb rund 2000 Patienten mit komplexem geriatrischen Behandlungsbedarf. „Wir sind froh, dass wir diese Patienten jetzt zeitlich und räumlich nah verlegen können“, sagte ukb-Sprecherin Angela Kijewski der „Ärzte Zeitung“. Niedergelassene Ärzte können Patienten direkt einweisen, etwa wenn sich chronische Erkrankungen akut verschlechtern.

Millionen für papierloses System

Die Arona Klinik ist laut Berliner Krankenhausgesellschaft (BKG) die vierte geriatrische Fachklinik in Berlin. Geriatrische Betten gebe es aber auch in 23 Allgemeinkrankenhäusern der Hauptstadt.

Der aktuelle Krankenhausplan für die Jahre 2016 bis 2020 weise in der Geriatrie einen Bedarf von 2042 voll- und teilstationären Betten aus. Ordnungsbehördlich genehmigt waren Anfang Januar laut BKG 1909 geriatrische Betten. Die BKG geht von einem steigenden Bedarf aus.

Nikolai Burkart, Geschäftsführer des Bauherrn DZG (Deutsches Zentrum für Geriatrie) Berlin weist darauf hin, dass besonders der Bezirk Marzahn an einem eklatanten Mangel an Geriatrie-Betten gelitten habe.

„Als Bauherr war es unser Ziel, diese Situation nachhaltig zu verbessern. Ein Ziel, welches wir nun vollständig ohne Fördergelder erfolgreich umsetzen konnten“, so Burkart. Die Klinik sei gebaut, einem wachsenden Bedarf entsprechen zu können, es gäbe Platz für 20 weitere Betten.

31 Millionen Euro hat die Upwind Holding in die Fachklinik investiert. Ein höherer siebenstelliger Betrag floss laut Burkart allein in das IT-System für das papierlose Krankenhaus. E-Patientenakten stehen Ärzten und Pflegekräften über Tablets und mobile Visitenwägen stets zur Verfügung.

Die Klinik ziele damit auf maximale Transparenz und darauf, dem Personal mehr Zeit für die Behandlung der Patienten zur Verfügung zu stellen. Dies sei auch ein Grund dafür, dass die neue Klinik in Zeiten des Fachkräftemangels für 80 zu besetzende Stellen unter mehr als 300 Bewerbern auswählen konnte.

„Dieser eindeutige Recruiting-Erfolg ist für uns ein Zeichen, dass wir uns als Fachklinik richtig positioniert haben: Mit unserer rein digitalen Patientendokumentation, unserem Ansatz der personalisierten Medizin und nicht zuletzt auch mit der modernen Architektur der Klinik“, erklärt Klinik-Geschäftsführerin Magdalena Eilers.

Neue Wege bei Therapiesicherheit

Auch in medizinischer Hinsicht beschreitet die Arona Klinik neue Pfade. Mit Labortests können genetische Eigenschaften festgestellt werden, die vorhersagen, wie gut ein Patient auf bestimmte Medikamente anspricht. Diese personalisierte Medizin soll Wechselwirkungen und Vergiftungen vermeiden helfen.

Die Tests werden laut Klinik erstmals in Deutschland angewendet. Man gehe damit auf eigene Initiative in Vorleistung. „Wir halten das Thema für so wichtig, dass wir es auch selbst mit subventionieren“, sagte Burkart der „Ärzte Zeitung“. Er hoffe aber, dass sich die Krankenkassen perspektivisch an der Finanzierung beteiligen.

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