Ärzte Zeitung online, 18.06.2019

Sozialministerium

An Frankfurter Uniklinik alles in Ordnung?

Erst die Psychiatrie am Klinikum Höchst, jetzt die der Uniklinik: In Frankfurt rumort es. Der Sozialminister versucht, die Wogen zu glätten.

WIESBADEN. Wer die Website des hessischen Sozialministeriums ansteuert, dem fällt sofort der Hinweis „Psychiatrische Versorgung“ mit „Details zu Beschwerdemöglichkeiten“ ins Auge. Nicht ohne Grund: Gleich zwei renommierte Kliniken der Rhein-Main-Region gerieten unlängst ihrer Psychiatrien wegen ins Zwielicht.

Erst berichtete RTL von Missständen im Klinikum Höchst, dann der Hessische Rundfunk von vergleichbaren Zuständen in der Akutpsychiatrie der Uniklinik – überlastetes Personal, bauliche und hygienische Mängel, von Hilfskräften fixierte Patienten.

In Höchst wurde inzwischen der Psychiater Dr. Hans-Joachim Kirschenbauer beauftragt, für Aufklärung zu sorgen und Abhilfe-Maßnahmen zu erarbeiten. Außerdem ermittelt der Staatsanwalt. Mit den Vorwürfen gegen die Universitätsklinik befasste sich am Montag der Sozialausschuss des hessischen Landtages auf einer Sondersitzung.

Wie „hessenschau.de“ unter Berufung auf den Personalratsvorsitzenden des Klinikums berichtet, sollen bereits 2017 Beschwerden gegen die universitäre Akutpsychiatrie laut geworden sein, der jedoch aufgrund seiner Verschwiegenheitspflicht keine weiteren Details nennen dürfe. In einer ersten Stellungnahme hatte die Klinikleitung „temporäre Überbelegung“ eingeräumt sowie auf „bauliche Problemfelder“ und „einen hohen Anteil komplexer Patienten“ hingewiesen.

Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) ließ am Montag wissen, sich „sowohl vor Ort als auch in einem fachaufsichtlichen Gespräch mit Vertretern der Universitätsklinik ein eigenes Bild gemacht“ zu haben. Danach könne er „nicht bestätigen, dass Patientinnen und Patienten an der Akutpsychiatrie nicht ordnungsgemäß untergebracht und behandelt werden“.

Aufgrund neuer Versorgungsverpflichtungen habe es zu Jahresbeginn tatsächlich „eine mehrwöchige Phase der Überbelegung“ gegeben. Um „vorübergehende Belastungsspitzen“ abzufangen, sei mittelfristig geplant, zwei weitere Akutstationen in einem benachbarten Trakt einzurichten. (cw)

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