Ärzte Zeitung, 08.09.2014

Wearable Devices

Am Körper tragbare Medizinprodukte vor dem Durchbruch?

Die Akzeptanz für am Körper tragbare Medizinprodukte ist bei den Bundesbürgern noch nicht sehr ausgeprägt. Das könnte sich mit funktional verbesserten Produkten aber ändern, wie eine Studie zeigt.

FRANKFURT / MAIN. Noch ist völlig offen, wie sich der Markt für am Körper tragbare Medizinprodukte - Wearable Devices - in Deutschland entwickeln wird.

Fakt ist, dass es immer mehr Wearables-Angebote gibt, die der Überwachung der Gesundheitsdaten gilt - und zwar nicht nur bei gesundheitsbewussten, sondern auch bei bereits erkrankten Menschen.

Wie eine repräsentative Umfrage von TNS Infratest und dem Bundesverband der Hörgeräte-Industrie (BVHI) nun zutage brachte, hadert die Mehrheit der Bevölkerung allerdings noch mit Wearables.

Immerhin 58 Prozent der Befragten wünschen sich laut BVHI eine verbesserte Handhabung und Bedienbarkeit bei der künftigen Ausgestaltung der am Körper tragbaren Elektronikgeräte.

Eine bessere Messfunktion von Wearables, beispielsweise der Herzfrequenz, wünschen sich 44 Prozent aller Befragten. Zudem steht eine bessere Kommunikation beispielsweise via Sprachfokussierung oder Telefonie im Fokus der Anwender.

Gefragt nach den wichtigsten Funktionalitäten der Wearables, steht die Möglichkeit zur Messung der Gesundheitsdaten an erster Stelle der Ansprüche. Diese sehen 40 Prozent der Umfrageteilnehmer als "sehr wichtig" oder "äußerst wichtig" an.

Großes Innovationspotenzial

Dass der Wearables-Markt viel Potenzial an innovativen Produktlösungen verspricht, zeigte nicht zuletzt die diesjährige Technikmesse Consumer Electronics Show (CES) im Januar in Las Vegas. So präsentierten einige Anbieter Wearables, die über den Lifestyle- und Sport-Aspekt hinaus gehen und Patienten den Alltag mit spezifischen Krankheiten erleichtern sollen.

Beispielsweise war auf der CES ein Funk-Sensor zu sehen, der Diabetiker dabei unterstützt, ihren Blutzuckerspiegel zu kontrollieren. Der Sensor wird wie ein Pflaster direkt am Körper aufgeklebt, wobei eine kurze Nadel unter die Haut geschoben wird, um dem Sensor Zugriff auf ein Blutgefäß zu ermöglichen.

Alle fünf Minuten erfolgt eine Messung des Blutzuckerwerts, das in der Tasche getragene Empfängergerät speichert die Daten für spätere Auswertung am PC und warnt den Träger, wenn der Blutzuckerspiegel einen definierten Bereich verlässt. Auch Asthmatiker können mit einem speziellen Sensor zum Beispiel Atemgeräusche und somit Symptome und Risikopegel ihrer Krankheit überwachen, wie ebenfalls auf der CES demonstriert wurde.

Über alle Altersklassen hinweg sind Wearables ein Begriff, so der BVHI. Ein Blick in die Studiendaten, die der "Ärzte Zeitung" vorliegen, offenbart jedoch eine große Streubreite. So sind Wearables bei 61 Prozent der Menschen zwischen 16 und 29 bekannt, aber nur bei 16 Prozent der 60- bis 65-Jährigen. Altersunabhängig kennt die Hälfte der Männer diesen Begriff, bei Frauen sind es hingegen nur 33 Prozent.

Als medizinisches Hilfsmittel charakterisieren vor allem die 50- bis 59-Jährigen (27 Prozent) und die 60- bis 65-Jährigen (32 Prozent) die Wearables. Bei den 16 bis 29 Jahre alten Befragten sind es hingegen gerade einmal sechs Prozent. 62 Prozent dieser Altersklasse halten sie vor allem für ein technologisches Spielzeug.

Moderne Hörsysteme lassen sich körpernah tragen

In diesem Kontext betrachten, wie der BVHI hervorhebt, knapp die Hälfte der Befragten auch Hörsysteme als Wearables. Zudem glauben 50 Prozent der Umfrageteilnehmer, dass Wearables ein positives Image von Hörsystemen schaffen und zu einem Abbau von Vorurteilen beitragen werden.

Moderne Hörsysteme lassen sich, so der BVHI, körpernah tragen, können via Wireless-Verbindung an elektronische Geräte angebunden werden und verfügen so über ähnliche Funktionen wie Wearables.

Die Durchsetzungschancen von Wearables werden unabhängig vom Alter gleich gut eingeschätzt. Vor allem diejenigen, die die Geräte als technologisches oder medizinisches Hilfsmittel ansehen, gehen davon aus, dass sich diese durchsetzen werden.

Die Bereitschaft, sich ein Wearable anzuschaffen, ist laut Umfrage bei den Altersgruppe 16 bis 29 und 30 bis 39 mit 42 respektive 40 Prozent am stärksten ausgeprägt. Die 60- bis 65-Jährigen zeigen hingegen mit 22 Prozent die geringste Kaufbereitschaft.

Gerade Vertreter dieses Alterssegmentes könnten aber gegenwärtig überdurchschnittlich von den medizinischen Unterstützungsfunktionen eines Wearable Devices profitieren, unterstellt man hier eine höhere Prävalenz von Volkskrankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes. (maw)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Kommentar zu Wearable Devices: Sinnvoller Anreiz

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