Ärzte Zeitung, 27.05.2013
 

Healthcare

Brückenschlag nach Afrika

So mancher denkt bei Subsahara schnell an Korruption. Ein Beispiel aus der Medizintechnik zeigt aber, dass der afrikanische Markt auch Chancen für Mittelständler bietet.

Von Marco Hübner

Brückenschlag nach Afrika

Aufsehen erregender Transport: Ein in Magdeburg gefertigtes Containermodul auf dem Weg in die Stadt Yola in Nigeria. Dort angekommen, entsteht aus solchen Modulen eine Klinik.

© Hans-Jörg Drouin

FRANKFURT/MAIN. Aktuell haben China und Indien die größten Anteile am Gesundheitsmarkt in Afrika. Sie versorgen Bevölkerung und Leistungserbringer mit Generika und anderen medizinischen Produkten zur Diagnose und Behandlung von Krankheiten.

Das liegt zum Großteil daran, dass sie den Wettbewerb mit niedrigen Preisen - oft bei entsprechend minderer Qualität - für sich entscheiden können.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) aus Deutschland können auf dieser Niedrigpreisschiene meist nicht mithalten. Ihnen bieten sich aber andere Chancen auf dem Healthcare-Markt in Afrika. Das zeigte jüngst die "Africa Business Week" der Industrie- und Handelskammer in Frankfurt.

Positive Tendenzen im Bereich Gesundheit

In Deutschland wird Afrika oft pauschal als fragiles Staatenbündel wahrgenommen und gilt als sehr risikoreicher Ort für unternehmerische Aktivitäten. Die Realität in den 54 Einzelstaaten zeigt sich heute allerdings weitaus differenzierter.

Speziell im Bereich Gesundheit gibt es positive Tendenzen, resümierte Lea Heidemann von der Außenhandelskammer Südliches Afrika.

"Generell lässt sich oft ein Ausbau der Gesundheitssysteme und die Bereitstellung der dafür erforderlichen Investitionen verzeichnen. Nichtsdestotrotz gibt es viele Staaten, in denen es weiterhin an der medizinischen Grundversorgung mangelt und keine Besserung in Sicht ist. Es fehlt an entsprechenden Geräten, Arzneimitteln und Infrastruktur. Dies bietet im Gegenzug Chancen auch für deutsche Unternehmen", sagte sie.

Medizinprodukte made in Germany genießen einen sehr guten Ruf und sind trotz höherer Preise gefragt. Die Menschen in Afrika haben großes Vertrauen in Qualität und Verlässlichkeit der Produkte und Dienstleistungen aus Deutschland.

Verlässliche Finanzierung oft ein Knackpunkt

Hans Jörg Drouin, Director Turnkey Projects bei der Münchener Medizin Mechanik GmbH, kann dies aus der Praxis vor Ort in der Subsahara-Region bestätigen.

Er und sein Team errichteten das Adamawa German Medical Center aus Containermodulen im dünn besiedelten Osten Nigerias. Die Container sind mit Behandlungseinrichtungen wie OP, MRT oder CT ausgestattet und wurden aus Deutschland importiert.

Am Bestimmungsort in Yola installiert, bietet die Klinik heute insgesamt Platz für 52 Betten.

Bei dieser kompakten Lösung geht es besonders um die Realisierbarkeit der Einrichtung und die langfristige finanzielle Stabilität der Klinik vor Ort.

Dies sei auch generell der Knackpunkt bei solchen Vorhaben in Afrika, denn es gebe zwar viele Anfragen jedoch nur selten stünde eine verlässliche Finanzierung, so Drouin im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Außerdem sei die Infrastruktur vor Ort in der Konzeptionsphase zu bedenken gewesen. "Bei Investitionsgütern muss man Angebote auch um Komponenten erweitern, die zum Betrieb der Geräte erforderlich sind. Für unsere Klinik bedeutete dies: Wasseraufbereitung, Druckluft bis hin zu Notstromaggregaten und Lösungen zum Schutz der Geräte gegen Über- und Unterspannung", erklärte Drouin.

Prozess des Wandels

Für die Unternehmer sei weiter die Vernetzung mit den Hilfsorganisationen und den politischen Entscheidungsträgern wichtig, da diese in der Regel über die Vergabe von Aufträgen und Mitteln entscheiden.

Als erste Anlaufstellen empfehlen sich hierzulande die Außenhandelsagentur Germany Trade & Invest oder der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft.

Unterschiedliche Geschäftskulturen, Korruption, politische Umbrüche - der Weg auf den afrikanischen Markt ist mühsam. Das Beispiel Nigeria steht jedoch stellvertretend für viele afrikanische Länder, die sich in einem Prozess des Wandels befinden.

Dementsprechend stünden Basis-Entwicklungsprojekte wie Schul- oder Brunnenbau nach Einschätzung von Marktkennern nicht mehr im Fokus.

Afrika verlange nun stärker nach individuell optimierten und anspruchsvolleren Systemlösungen - zum Beispiel im Healthcare-Sektor.

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