Ärzte Zeitung, 05.08.2014

Medizintechnik

Große Exportchancen in Asien

Medizintechnik "Made in Germany" genießt weltweit einen guten Ruf. Doch durch allerlei politische und militärische Umwälzungen in verschiedenen Regionen schrumpft das Absatzpotenzial. Eine Ausnahme bildet die Boomregion Asien.

Von Matthias Wallenfels

Große Exportchancen in Asien

Blutdruckmessung in einem Park in Peking. Die zunehmende Sorge der chinesischen Regierung um den Gesundheitszustand der Bevölkerung kann auch den Absatz deutscher Medizintechnik und -produkte in China beflügeln.

© Adrian Bradschow/dpa

NEU-ISENBURG. Trotz regionaler Krisen zeigt sich der weltweite Markt für Medizintechnik, darunter subsummiert die Medizinprodukte, robust. Das ergibt sich aus einer Betrachtung der deutschen Außenhandelsagentur Germany Trade & Invest, die aktuell 65 Länder außerhalb Deutschlands unter die Lupe genommen und die Potenziale für die deutschen Medizintechnikanbieter ausgelotet hat.

Am besten stehen die Chancen für den Absatz deutscher Medizintechnik und -produkte demnach außerhalb der EU derzeit in der Boomregion Asien/Ozeanien:

Australien

Der australische Medizintechnikmarkt soll in den nächsten fünf Jahren laut GTAI im Schnitt um 5,4 Prozent jährlich wachsen. Als Triebfeder dieser Entwicklung werden der stete Bevölkerungszuwachs sowie die gleichzeitig alternde Gesellschaft ausgemacht. So solle sich die Einwohnerzahl bis 2075 verdoppeln. Zugleich plagt den fünften Kontinent der schlechte Gesundheitszustand seiner Ureinwohner, der Aborigines. Bereits für das Jahr 2012 wurden knapp zwei Drittel der Australier als übergewichtig eingeschätzt.

China

Das Land mit der weltweit größten Bevölkerung hat einen nicht zu bändigenden Hunger auf Medizintechnik. Unbeschadet aller Wirtschaftskrisen ist der chinesische MedTech-Markt laut GTAI alleine im vergangenen Jahr um 25,9 Prozent gewachsen. Zum positiven Ausblick trage bei, dass die Regierung die Gesundheitsausgaben von rund 2,8 Billionen Renminbi (etwa 442 Milliarden Euro) im Jahr 2012 bis 2020 auf acht Billionen Renminbi steigern will. Nicht zuletzt verfolgt das Reich der Mitte mit dem 2008 implementierten Programm "Healthy China" die Bestrebung, bis 2020 eine staatliche Grund-Krankenversicherung für die gesamte Bevölkerung zu gewährleisten.

Indien

Indiens Markt für Medizintechnik wird, so die GTAI-Prognose, bis 2020 rasant wachsen. Der Nachholbedarf gelte als hoch und werde in den kommenden Jahren für eine steigende Nachfrage sorgen. Deutschland fungiert seit Jahren nach den USA als zweitgrößter MedTech-Lieferant für den Subkontinent. Nicht zuletzt will das Netzwerk Deutsche Gesundheitsregionen (NDGR) die deutsch-indischen Kooperationen auf dem Gesundheitssektor voranbringen.

Zu kämpfen haben deutsche Medizintechnikanbieter allerdings vor allem in letzter Zeit mit ausufernden Korruptionsfällen in der indischen Zentralregierung, die sich bei potenziellen Investoren negativ auswirken könnten.

Indonesien

Der Markt für Medizintechnik in dem größten muslimischen, durch religiöse Spannungen zunehmend gebeutelten Land verspricht nach GTAI-Einschätzung gute Absatzchancen, zumal die Bevölkerung immer älter werde und immer ungesünder lebe. Zum 1. Januar dieses Jahres führte Indonesien eine allgemeine Krankenversicherung ein. Hightech-Medizintechnik muss zu nahezu 100 Prozent vom Ausland eingeführt werden.

Japan

Japan bietet Gesundheitsunternehmen langfristig gerade deshalb gute Perspektiven, weil die Nachfrage nach Medizintechnikgeräten und Dienstleistungen weiter steigen wird. Denn der demografische Wandel werde Japan härter treffen als Deutschland. Hinzu komme ein hoher Modernisierungsbedarf. Nicht zuletzt gelte deutsche Medizintechnik als qualitativ hochwertig.

Vor allem deutsche Klein- und mittelständische Unternehmen (KMU) hätten nach Ansicht von Dr. Silke Bromann vom Japan-Zentrum der Philipps Universität Marburg auf der Suche nach Kooperationspartnern derzeit gute Karten. Denn die japanischen Kleinunternehmen und Mittelständler müssten sich nach Effizienzreserven, wie sie eine Zusammenarbeit mit einem ausländischen Partner bringen kann, umsehen.

Südkorea

Der südkoreanische Medizintechnikmarkt lockt deutsche Anbieter mit seiner rasch alternden und kaufkräftigen Bevölkerung. Die Anforderungen an die medizinische Versorgung wachsen.

Beflügelt durch das zum 1. Juli 2011 in Kraft getretene Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Südkorea, bietet der koreanische Markt für Medizintechnik deutschen Unternehmen auch in den kommenden Jahren gute Geschäftschancen .

Malysia

Zwar entwickle sich Malaysias Medizintechnikmarkt derzeit unterhalb des mittelfristigen Wachstumstrends von acht bis zehn Prozent jährlich, dennoch gibt es enormes Potenzial für deutsche MedTech-Anbieter auf der Insel Penang. So buhle die Penang Health Association um Medizintouristen.

Sieben private Krankenhäuser an der Westküste der malaiischen Halbinsel haben sich in dem Verbund zusammengeschlossen, um im Ausland für ihre medizinischen Leistungen sowie ihr Krankenpflegepersonal die Werbetrommel zu rühren. Der Klinikverbund scheint die richtige Strategie zu fahren. Denn allein 2011 kamen nahezu 580.000 Patienten aus dem Ausland nach Malaysia - 35 Prozent mehr als 2010.

Myanmar

Im Zuge der seit Ende 2010 stattfindenden Demokratisierung des einst von einer strengen Militärjunta regierten Burma soll das staatliche System der Gesundheitsversorgung grundlegend reformiert werden. Aufgrund der grassierenden Korruption haben erst wenige Unternehmen in Birma Fuß gefasst.

Im Rahmen des Besuches von Bundespräsident Joachim Gauck im Feburar in Myanmar unterzeichneten das dortige Gesundheitsministerium und der deutsche Diagnostik- und Biotechnologieanbieter Partec nach eigenen Angaben ein Kooperationsabkommen zur Einrichtung eines Exzellenz- und Trainingszentrums in den Bereichen der molekularen und zellulären Diagnostik .

Singapur

Singapurs Markt für Medizintechnik wächst dieses Jahr nach GTAI-Schätzung im mittleren einstelligen Bereich. Deutschland spielt nach Angaben der Außenhandels-Agentur SPRING Singapore als Haupthandelspartner in Europa eine zentrale Rolle für den Stadtstaat am Äquator.

Daher sei die enge Zusammenarbeit mit deutschen Firmen ein vorrangiges Ziel der kleinen und mittleren Unternehmen in Singapur. Bei den bilateralen Geschäftsbeziehungen von zentraler Bedeutung ist das von SPRING Singapore unterstützte, 1994 gegründete German Singapore Business Forum (GSBF). Bei dem 2010 in Stuttgart abgehaltenen GSBF stand unter anderem die Medizintechnologie im Mittelpunkt.

Thailand

Thailand verfolgt ungeachtet gegenwärtiger - wieder einmal aufgeflammter - politischen Unruhen das Ziel, in Asien die Destination Nummer eins für Medizintouristen zu werden. Entsprechende Investitionen tätigen vor allem die privat betriebenen Kliniken, um auf ein im internationalen Vergleich höchstes Niveau zu kommen.

Vietnam

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