Ärzte Zeitung, 06.10.2015

Präzise und effizient

Medizin profitiert vom Robotereinsatz

Mensch-Maschine-Interaktion auf hohem Niveau: Ob roboterassistierte Op oder Exosklelette - computergesteuerte Helfer sind im Versorgungsalltag auf dem Vormarsch. Wermutstropfen sind die hohen Kosten.

Von Matthias Wallenfels

Medizin profitiert vom Robotereinsatz

Therapieroboter im Einsatz: Das in Japan entwickelte Exoskelett HAL (Hybrid Assistive Limb) stabilisiert den Körper und wird durch Nervenimpulse des Patienten gesteuert.

© Cyberdyne

FRANKFURT/MAIN. Die Medizinrobotik ist eine der Erfolgsgeschichten der Servicerobotik und demonstriert ihr Potenzial, den Klinikalltag zu revolutionieren. Das geht aus dem Bericht "World Robotics - Service Robots 2015" hervor, den die International Federation of Robotics (IFR) vor Kurzem in Frankfurt vorgestellt hat.

Im vergangenen Jahr sei der weltweite Absatz im Segment der Medizinroboter im Vergleich zu 2013 um fünf Prozent zurückgegangen auf 1224 Einheiten im Gesamtwert von rund 1,3 Milliarden US-Dollar - 35 Prozent des gesamten Umsatzes der professionellen Serviceroboter.

Innerhalb des Geschäfts mit professionellen Servicerobotern seien die Medizinroboter auf einen Anteil von fünf Prozent gekommen - 2013 waren es noch sechs Prozent.

Wertvollste Serviceroboter

Der Löwenanteil entfiel im vergangenen Jahr mit 978 Einheiten auf die roboterassistierte Chirurgie sowie Therapie - im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Rückgang um sechs Prozent. Medizinroboter sind, so die IFR, die wertvollsten Serviceroboter mit einem durchschnittlichen Stückpreis von rund einer Million US-Dollar inklusive Zubehör und Service. Daher böten viele Hersteller auch Leasingverträge für ihre Roboter an.

Für den Zeitraum 2015 bis 2018 prognostiziert die IFR einen weltweiten Absatz medizinischer Roboter von 7800 Einheiten. Im Zeitraum 2014 bis 2017 gingen die Robotikexperten noch von einem Wert von 7130 Einheiten aus.

Die Medizinroboter - dazu zählen OP-Roboter sowie Therapie-Roboter, wie Exoskelette - unterstützen demnach medizinische Prozeduren, indem sie Instrumente, diagnostisches Equipment und Lösungen für alle Arten von Diagnosen und Therapien präzise führten sowie die Sicherheit und die Gesamtqualität der Operationen durch Verweben und Dokumentieren der Diagnosedaten und Interventionsprozeduren verbesserten.

Außerdem erhöhten Medizinroboter die Kosteneffizienz der Patientenversorgung und verbesserten Training und Schulung des medizinischen Personals durch den Einsatz von Simulatoren. Darüber hinaus trieben sie die Nutzung von Informationen und Diagnose und Therapie voran, so die IFR.

Dass in puncto Medizinroboter mit weiteren Innovationen zu rechnen ist, betonte in Frankfurt Dr. Qu Daokui, CEO bei Siasum Robot & Automation.

"Die neue Robotergeneration mit ihrer enormen Anpassungsfähigkeit arbeitet in Fertigungen unter Einsatz ihrer Intelligenz und von Sensortechnologie. Zusätzlich zu den traditionellen Branchen erobern Roboter viele andere Bereiche der Gesellschaft, wie zum Beispiel medizinische Rehabilitation oder Dienste im häuslichen Bereich", so Qu.

China will stärker mitmischen

China will künftig stärker am Marktgeschehen im Bereich Medizinroboter teilhaben. Um seine Industrie umfassend aufzuwerten hat das Reich der Mitte vor wenigen Monaten den Masterplan "Made in China 2025" ausgerufen.

"Mit dem Start der Strategie der Umwandlung der Fertigung in China hat die Entwicklung der chinesischen Industrieroboter einen starken politischen Rückhalt bekommen. Das zeigt sich in maßgeblichen Entwicklungsplänen und unterstützenden Strategien von nationalen und regionalen Regierungsebenen.

Neben der traditionellen verarbeitenden Industrie wie Nahrungsmittel, Metall, Maschinen und Zubehör kommen neue Anwendungsfelder für Industrieroboter im Haushalt und in der Medizin hinzu", erläuterte Zhou Shuopeng, Vice General Manager bei Shanghai Step Robotics.

Der Rückgang im Geschäft mit Medizinrobotern ist indes nicht exemplarisch für die gesamte Roboterbranche. Über 200.000 Industrieroboter seien 2014 weltweit installiert worden, 15 Prozent mehr als 2013, gab Arturo Baroncelli, Präsident der IFR, in Frankfurt bekannt.

"Die Nachfrage nach Industrierobotern wird weiterhin stark steigen. Zwischen 2015 und 2017 gehen wir von einem jährlichen Wachstum von rund zwölf Prozent im Bereich Roboterinstallationen aus", erklärte Baroncelli. Besonders für den deutschen Markt würde weiteres Wachstum erwartet.

Impulse kämen für die Roboterhersteller derzeit vor allem auch von der Elektromobilität. Das Wachstum der Elektromobilität und der Bedarf an stationärer Energiespeicherung zum Zwischenspeichern volatiler erneuerbarer Energien im Stromnetz hat laut IFR einen neuen Markt geschaffen.

Im Alltag der Elektromobilität stünden Batteriewechselstationen anstelle von Ladestationen zur Debatte. Dies könnte für entsprechende Roboter ein weiterer attraktiver Zukunftsmarkt sein.

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