Ärzte Zeitung, 26.04.2016
 

Europäisches Patentamt

Medizinforscher unter Finalisten für Erfinderpreis

Das Europäische Patentamt hat die Finalisten des Europäischen Erfinderpreises nominiert. Die Medizin ist dabei stark vertreten.

MÜNCHEN. Dreidimensional und in einer noch nie dagewesenen Präzision und Geschwindigkeit: Bernhard Gleich und Jürgen Weizenecker haben mit ihrem Team bei Philips Research in Hamburg ein auf Magnetismus basierendes Bildgebungsverfahren (MPI) erfunden, mit dem die Darstellung von Weichteilen in Echtzeit und auf den Millimeter genau möglich wird.

Herz- und Gefäßerkrankungen ließen sich somit künftig genauso wie Krebs um ein vielfaches schneller und präziser aufspüren und damit frühzeitig therapieren. In der Kategorie Industrie sind die Forscher einer der 15 Finalisten, die das Europäische Patentamt (EPA) in München nun für den Europäischen Erfinderpreis 2016 nominiert hat.

Würdigung für außerordentliche Beiträge

Die prestigeträchtige Auszeichnung würdigt mittlerweile im elften Jahr Forscher, Wissenschaftler, Techniker und Tüftler, deren Erfindungen vom EPA patentiert wurden und die einen außerordentlichen Beitrag zum wirtschaftlichen, technischen und gesellschaftlichen Fortschritt geleistet haben. Der Europäische Erfinderpreis wird am 9. Juni in Lissabon vom EPA verliehen.

In der Kategorie Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ist die Forscherin Helen Lee der Universität Cambridge nominiert. Sie hat nach Angaben des Europäischen Patentamts kostengünstige und einfach einsetzbare Diagnose-Kits für Infektionskrankheiten wie beispielsweise Aids, Hepatitis B und Chlamydien entwickelt.

Lees Tests würden durch das Spin-off Diagnostics for the Real World ihrer Universität vertrieben und von zahlreichen Hilfsorganisationen eingesetzt.

Arminas Ragauskas und sein litauisches Wissenschaftlerteam haben medizinische Geräte entwickelt, die es Neurologen erlauben, den Bohrer beiseite zu legen und stattdessen einfach einen Sensor auf den Augen des Patienten zu platzieren.

Die auf Doppler-Wellenlängen basierende Technologie sei ein genauer und sicherer Weg, um den Hirndruck zu messen, und spare zudem wertvolle Zeit, damit die Ursache sofort behandelt werden kann.

Neues zur Parkinson-Behandlung

Der Neurochirurg und Physiker Alim-Louis Benabid ist in der Kategorie Forschung nominiert. Er hat eine bahnbrechende Methode entwickelt, hochfrequente elektrische Impulse zur Behandlung des Tremors bei Parkinson-Patienten und anderen neurologischen Erkrankungen einzusetzen. Weltweit hätten schon mehr als 150.000 Parkinson-Patienten von Benabids Tiefen Hirnstimulation-Technologie (THS) profitiert.

In der Kategorie Außereuropäische Staaten ist Hugh Herr (USA) für seine bionischen Beinprothesen nominiert. Seine Innovation ermögliche bereits tausenden Amputierten, wieder zu gehen, zu rennen und sogar zu tanzen - und das mit Anmut und Präzision.

Der Ingenieur der Chemie und Biomedizin Robert Langer (USA) bereitete den Weg für neue therapeutische Ansätze im Kampf gegen Krebs, indem er Krebsmedikamente in biologisch abbaubaren Kunststoffen verkapselt.

Diese Technik habe sich als exzellente Waffe gegen aggressiven Krebs und eine Reihe anderer Krankheiten erwiesen.

Für ihr Lebenswerk sind Alain Carpentier (Frankreich) und Tore Curstedt (Schweden) nominiert. Der Kardiologe Carpentier habe das erste autonome und voll implantierbare Kunstherz erfunden.

Der Laborarzt Curstedt habe mit seinem Kollegen Bengt Robertson (1935-2008) das weltweit inzwischen meistverkaufte und effektivste Medikament gegen das Atemnotsyndrom entwickelt, das die Sterblichkeitsrate bei Neugeborenen erheblich zu senken half. (maw)

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