Ärzte Zeitung, 25.11.2016
 

Zittern vor dem zukünftigen Kurs

Anleger warten auf ein Wort von Donald Trump

Die Kurse stagnieren von Papieren in der Gesundheitsbranche, nachdem sie nach der Wahl Trumps gestiegen sind. Die Party ist aber nicht vorbei. Die Alterung der Gesellschaft und der medizinische Fortschritt versprechen Anlegern Renditen.

Von Anno Fricke

Zittern vor dem zukünftigen Kurs

Donald Trumps Wahlsieg brachte den Märkten nur ein vorübergehendes Plus.

© Jim Lo Scalzo / dpa

BERLIN. Wer Geld in Wertpapierfonds der Gesundheitsbranche investiert hat, für den waren die zwölf Monate vor den Wahlen in den USA keine reine Freude. Der MSCI World Health Care stieg in den zurückliegenden zwölf Monaten nur um 5,2 Prozent.

Damit hat sich der Gesundheitssektor für Anleger deutlich schlechter entwickelt als der Gesamtmarkt. Der MSCI World legte in den zurückliegenden zwölf Monaten um 11,3 Prozent zu. Quelle für diese Zahlen ist die Fondsdatenbank der Stiftung Warentest.

Angst vor Clinton, Unsicherheit bei Trump

Die vergleichsweise schwache Entwicklung der Branche spielte sich vor dem Hintergrund des amerikanischen Wahlkampfes ab. Hillary Clinton hatte angekündigt, im Falle ihres Sieges die hohen amerikanischen Medikamentenpreise streng regulieren zu wollen. Darauf haben die Pharma- und Biotechnologie-Märkte reagiert.

Der Wahlsieg von Donald Trump hat nur ein vorübergehendes Plus gebracht. "Die Kurse stehen wieder auf dem Stand von vor der Wahl", sagt Kai Brüning, Senior Portfolio Manager der apoAsset, der Investmenttochter der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank).

Grund sei, dass nichts über die Absichten des künftigen US-Präsidenten bekannt sei. "Wir haben noch nichts zum Thema Gesundheit gehört", so Brüning.

Pharmawerte untergewichtet

Der Manager des apo Medical Opportunities I hat mit dem Fonds die Performance des Health-Care-Marktes insgesamt übertroffen. Der Fonds legte in den vergangenen zwölf Monaten um 11,9 Prozent zu.

Dazu beigetragen habe die Untergewichtung von Pharma-Unternehmen und die Übergewichtung von Medizintechnik und Gesundheitsdienstleistungen im Portfolio des Fonds.

Auch Schwellenländer wie China hätten zum Ergebnis beigetragen, sagt Brüning. Bei Gesundheitsinvestments lässt sich die apoBank von einem wissenschaftlichen Beirat beraten, dem Ärztepräsident Professor Frank Ulrich Montgomery, der oberste Gesundheitsweise Professor Ferdinand Gerlach und der Vorstand des Bundesverbands Internetmedizin Dr. Markus Müschenich angehören.

Brüning kann sich vorstellen, dass die USA perspektivisch weniger Geld für Gesundheit ausgeben. Derzeit leisten sich die Vereinigten Staaten Ausgaben in Höhe von rund 18 Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes. Deutschland liegt bei zwölf Prozent.

In Schwellenländern sei jedoch noch Luft nach oben, sagt Brüning. China gibt derzeit nur fünf Prozent seiner Wertschöpfung für den Gesundheitssektor aus.

Den Renditen des apo Medical Opportunities stehen Fondskosten von 1,82 Prozent und erfolgsabhängige Gebühren gegenüber. Bewertet hat ihn die Stiftung Warentest nicht. Grund sei, dass das Fondsvolumen nicht gemeldet wurde.

Lägen alle Daten vor, würde der Fonds in seinem Chance-Risiko-Verhältnis als durchschnittlich bewertet, hieß es bei der Stiftung Warentest.

Die Party im Gesundheitssektor ist trotz der Atempause nicht vorbei. Davon geben sich die meisten Marktbeobachter überzeugt. In den entwickelten Ländern werden die Menschen immer älter. Das treibt die Umsätze mit Pharmazeutika, Medizintechnik und Dienstleistungen im Gesundheitssektor.

Schwellenländer holen auf

In diesen Branchen holen aber auch Schwellenländer auf. Viel scheint sich in China zu tun. Eine chinesische Version des deutschen Mittelstandes sei im Entstehen, schreibt die Forschungsabteilung der Deutschen Bank (dbresearch). Dies geschehe in den Branchen Biotechnologie, Pharma, Medizintechnik, aber auch Internet.

Was die Digitalisierung des Gesundheitswesens angeht, sei Deutschland noch Entwicklungsland. Potenzial versprächen zahlreiche Start-ups, die an internetgestützten Lösungen für die Gesundheitsversorgung arbeiten.

"Investieren Sie in Produkte, die die Arzt-Patienten-Beziehung stärken", riet Hausarzt Dr. Thomas Aßmann aus Lindlar bei einer Veranstaltung der apoBank am Mittwoch in Berlin. Er weiß, wovon er spricht.

Er hat ein Telemedizinprojekt umgesetzt, das Arzt und Patienten nicht entfremdet. Eine Helferin geht auf Hausbesuch. Über eine sichere Leitung kann der Arzt zugeschaltet werden. So finden die Patienten Zugang zur Technik, ohne ihren Arzt dabei aus dem Auge zu verlieren.

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