Ärzte Zeitung, 14.12.2016
 

MedTech

"Tempo der Veränderungen nimmt zu"

Big Data, Digitalisierung und mobile Technologien sorgen in der Medizintechnikbranche für Wachstumsimpulse. Und: Wagniskapitalgeber erfreuen sich besonders an Start-ups, frohlocken Marktbeobachter.

Von Matthias Wallenfels

"Tempo der Veränderungen nimmt zu"

Die MedTech-Branche entwickelt rasant Innovationen.

© Uwe Moser/ Panthermedia

LONDON/WIEN. Der Medizintechnikhersteller Johnson & Johnson und die Google-Mutter Alphabet setzen mit ihrem Kooperationsprojekt Verb Surgical darauf, Operationen durch Big Data und intelligente Roboter zu optimieren.

Boehringer Ingelheim und Qualcomm bringen gemeinsam einen internetfähigen Inhalator für Lungenpatienten auf den Weg, der die intelligente Behandlung der Patienten sicherstellen soll – egal, wo sie sich gerade aufhalten.

Für Erich Lehner, in Österreich auf Medizintechnik spezialisierter Berater des Unternehmens EY, sind dies nur zwei Beispiele für den Zwang zur Veränderung und zur Innovation für die MedTech-Unternehmen, der seiner Meinung nach noch zunehmen wird.

Veränderungstempo nimmt zu

"Das Tempo der Veränderungen nimmt zu. Megatrends wie Big Data oder digitale und mobile Technologien eröffnen auch den MedTech-Unternehmen neue Wachstumschancen", so Lehner vor Kurzem anlässlich der Veröffentlichung des EY Medizintechnik-Reports 2016.

Intelligente MedTech-Geräte könnten sich über das Internet verbinden und wichtige Daten austauschen, ergänzt er. "Mittels Big-Data-Analyse lassen sich etwa für Diabetes-Patienten bessere und effektivere Behandlungen erstellen", so Lehner weiter.

Zwar seien die Umsätze der MedTech-Branche in den USA und Europa im Zeitraum Juli 2015 bis Juni 2016 nach Jahren niedrigen Wachstums im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erstmals geschrumpft – sie seien um 1,2 Prozent auf 337 Milliarden US-Dollar gesunken.

Trotz der rückläufigen Zahlen habe die Branche an den Kapitalmärkten aber sehr gut dagestanden. Die Marktkapitalisierung der MedTech-Unternehmen sei um 13 Prozent auf 717 Milliarden US-Dollar gestiegen.

Viel Venture Capital für Start-Ups

Wie aus dem Bericht hervorgeht, setzen zudem Investoren verstärkt auf junge MedTech-Unternehmen und statteten Start-ups mit so viel Wagniskapital aus wie noch nie zuvor.

Vor allem in der ganz frühen Early-Stage-Phase hätten Start-ups viel Geld einsammeln können: Mit 1,8 Milliarden US-Dollar erhielten sie laut Analyse den höchsten Gesamtbetrag seit 2007. "Es macht Mut, dass Investoren zunehmend die jungen Start-ups entdecken und fördern", kommentiert Lehner.

Lange Zeit standen, so Lehner, vor allem kurzfristige Erfolge im Fokus, sodass sich Investoren auf große MedTech-Unternehmen konzentrierten, die Dividenden-Ausschüttungen versprachen.

Diese Strategie könne für die Branche jedoch gefährlich werden, wenn dadurch Gelder für Forschung und Entwicklung fehlten und echte Innovationen verhindert würden. "Das Vertrauen, das die Geldgeber jetzt in die Jungunternehmen setzen, zeigt, dass sie auch auf Innovationen bauen", postuliert der Berater.

Seit 2009 jährliche Steigerung bei F&E-Ausgaben

Auf Innovationen hofften die Unternehmen der Branche vor allem aus den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen, die 15 Milliarden US-Dollar und damit sechs Prozent mehr als im Vorjahr erhalten hätten. Damit seien die Mittel in dem Bereich seit 2009 jedes Jahr gestiegen.

Die Attraktivität der Branche zeige sich auch bei den Übernahmen und der Bereitstellung von Wagniskapital. Der Markt für Fusionen und Übernahmen sei gegenüber dem Vorjahreszeitraum noch einmal zur Hochform aufgelaufen und habe mit 77,4 Milliarden US-Dollar eine Zunahme von 28 Prozent zu verzeichnen gehabt.

Start-ups erhielten 5,6 Milliarden US-Dollar und damit zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

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