Ärzte Zeitung, 04.01.2017
 

Op-Helfer, Cyberpfleger

Medizinroboter weiter auf dem Vormarsch

Die Medizinrobotik gilt als Erfolgsgeschichte. Die International Federation of Robotics ist zuversichtlich, dass die OP-Roboter den Klinikalltag weiter revolutionieren – auch wenn die Kosten und Hürden für den Einsatz teils hoch sind.

Von Matthias Wallenfels

Medizinroboter weiter auf dem Vormarsch

Roboter unterstützen immer öfter Ärzte bei ihrer Arbeit.

© Thorsten K / panthermedia.net

FRANKFURT/MAIN. Weltweit steigt der Absatz von Medizinrobotern. Wie aus dem jüngst veröffentlichten Welt-Roboter-Report "Serviceroboter" der Non-Profit-Organisation International Federation of Robotics (IFR), der der "Ärzte Zeitung" vorliegt, hervorgeht, seien allein im Jahr 2015 bereits weltweit 1320 Medizinroboter verkauft worden.

Für den Zeitraum 2016 bis 2019 wird der Absatz von 5200 Einheiten prognostiziert. Im Segment der professionellen Serviceroboter sind die Medizinroboter mit einem durchschnittlichen Stückpreis von rund einer Million US-Dollar die wertvollsten Vertreter, wie die IFR in ihrem Bericht betont. In dem Preis sind Zubehör und Serviceverträge zur Wartung inkludiert.

Wie die IFR in ihrem Bericht konstatiert, hat die Medizinrobotik innerhalb der vergangenen zwei Jahrzehnte eine Transformation durchlaufen von einem reinen Forschungsfeld der Robotertechnologie zu einem der dynamischsten und interdisziplinärsten Felder moderner Robotik mit einem starken kommerziellen Potenzial, herausfordernden Innovation sowie einer hohen öffentlichen Wahrnehmung.

Heute werde die Medizinrobotik als eine der Erfolgsgeschichten der Servicerobotik gesehen, die zunehmend ihr Potenzial zeige, den Klinikalltag zu revolutionieren.

Kosteneffizienz und weitere Vorteile

Zu den Vorteilen der Medizinroboter zählt die IFR, dass sie medizinische Prozeduren erleichterten – unter anderem durch präzise zu führende Instrumente oder auch verschiedene Lösungen für Diagnostik und Therapie.

Zudem verbesserten sie die Sicherheit und Qualität medizinischer Eingriffe, indem sie Diagnosedaten und Interventionsprozeduren verflechten.

Ein weiterer Pluspunkt sei die zu erreichende Kosteneffizienz in der Patientenversorgung. Durch Simulatoren tragen sie zur Ausbildung und zum Training medizischen Personals bei.

Als Haupteinsatzgebiete für chirurgische Assistenzsysteme nennt die IFR neben Assistenzfunktionen wie dem Heben, Platzieren und Führen von Instrumenten und Gerätschaften telechirurgische Funktionen, die den Löwenanteil an medizinischen Interventionen einnähmen.

Dazu komme das Durchführen von Roboterprogrammen, die typisch seien für Röntgen sowie andere bildgebende Verfahren und die Partikeltherapie, sowie das Fräsen und Bohren von Knochenmaterial.

Einsatz auch in der Telemedizin

Eine weitere Spezies der Medizinroboter sind laut IFR Lösungen für telemedizinische Einsätze, die allerdings die Präsenz einer Assistenzkraft beim jeweiligen Patienten bedingten. So gibt es mobile Plattformen, die ausgestattet sind mit einem Bildschirm, Videokameras und einer Benutzerschnittstelle.

Diese mobilen Roboterlösungen (Remote Presence Technology/ RPT) ermöglichen es einem Arzt oder einer anderen Gesundheitsfachkraft, sich sofort mit dem Patienten unabhängig von dessen Aufenthaltsort zu verbinden und so in Echtzeit das Patientenmanagement, aber auch zum Beispiel Diagnostik vorzunehmen.

Beispiel: InTouch Vita

Als ein Beispiel für RPT-Lösungen nennt die IFR den Roboter InTouch Vita, eine gemeinsame Entwicklung von iRobot und InTouch Health.

Diese mobile Roboterplattform verfüge über ein System zur Panorama-Visualisierung sowie intuitive Schnittstellen und erlaube die direkte Verbindung mit Medizintechnikgerätschaften wie elektronischen Stethoskopen, Otoskopen oder Sonographen und die direkte Übertragung der gewonnenen Daten an den behandelnden Arzt in der Ferne.

Solange eine Pflegekraft anwesend sei, könne die robotergestützte Telemedizintechnik zum Vorteil der Patienten angewandt werden.

Gerade auf Intensivstationen, die zunehmend mit einem Fachkräftemangel konfrontiert seien, würde immer öfter mit solchen RPT-Lösungen gearbeitet, so die IFR. In einer Studie sei der praktische Nutzen dieser Technologie nachgewiesen.

Hohe Hürden für den Einsatz der RPT stellten aber die Lizenzierung und die Kosten für diese Lösungen dar sowie die oft nicht gegebene Kostenerstattung durch Krankenversicherungen. Jedoch seien hier Fortschritte zu verzeichnen, wie die IFR betont.

Assistenzroboter im Trend

Im breiten Feld der Serviceroboter sei gerade bei Lösungen für die Assistenz von Senioren oder Menschen mit Behinderungen zuletzt ein starkes Wachstum zu verzeichnen, wie es in dem IFR-Bericht heißt.

Mit 4700 Einheiten, die im Jahr 2015 abgesetzt wurden, sei die Stückzahl dieser Roboter zwar noch vergleichsweise gering, von 2016 bis 2019 dürften sich die Absatzzahlen aber auf insgesamt 37500 Einheiten weltweit erhöhen, wie die Robotikexperten prognostizieren.

Im Verkaufswert spiegelt sich diese Entwicklung laut IFR wie folgt wider: 2015 stieg der Absatz auf 16,8 Millionen US-Dollar – ein Plus von 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im Prognosezeitraum von 2016 bis 2019 sei mit einem Anstieg auf den Gesamtwert von 97 Millionen US-Dollar zu rechnen.

1 Million US-Dollar kostet ein Medizinroboter im Schnitt. Laut der International Federation of Robotics sind im Preis Zubehör und Serviceverträge zur Wartung inkludiert.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Es kommt Schwung in die Entwicklung neuer Psychopharmaka

Bald könnte es einen Schub für die Entwicklung neuer Psychopharmaka geben. Denn Forscher finden immer mehr über die Entstehung psychischer Erkrankungen heraus. mehr »

Spielt Krebs eine Rolle beim plötzlichen Kindstod?

Ein plötzlicher Kindstod bei einer unbekannten neoplastischen Erkrankung ist selten, aber kommt vor. Das ist das Ergebnis einer britischen Studie. mehr »

Patienten sollen Verdacht auf Nebenwirkung melden

Alle europäischen Arzneimittelbehörden fordern in einer gemeinsamen Kampagne Patienten auf, ihnen verstärkt Verdachtsfälle von Nebenwirkungen zu melden. mehr »