Ärzte Zeitung online, 17.08.2017

Bundestagswahl

Ingenieure nehmen sich Gesundheit zur Brust

Die Gesundheit nimmt großen Raum ein in den VDI-Handlungsempfehlungen für die nächste Regierung.

DÜSSELDORF. Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) plädiert für die Fortsetzung der neuen Hightech-Strategie der Bundesregierung nach der Bundestagswahl am 24. September. Die Forschungs- und Innovationspolitik bildet, so der VDI, den strategischen Rahmen des deutschen Innovationssystems mit seinem vielfältigen Mix an Förderinstrumenten. Auch zukünftig müssten hiermit neue Produkte und Dienstleistungen gefördert werden.

Dies gelte besonders für die gesellschaftlichen Megathemen wie digitale Wirtschaft, nachhaltiges Wirtschaften und Energie, Gesundheit, Mobilität und zivile Sicherheit, wie der VDI, der unter anderem die Medizintechnik als wichtiges Zukunftsfeld definiert, nun in seinen "Empfehlungen für die 19. Legislaturperiode" hervorhebt.

In puncto Gesundheit sieht der VDI die Novellierung der Asbestrichtlinie und der Gefahrstoffverordnung als dringlich an. Hintergrund: In Deutschland haben Gebäude und deren technische Ausrüstung einen hohen Qualitätsstandard, so die Ingenieure. Neue Erkenntnisse über Schadstoffe in der gebauten Umwelt – zum Beispiel asbesthaltige Fliesen und Spachtelmassen – müssten jedoch dazu führen, dass das gesundheitliche Gefährdungspotenzial neu bewertet werde, betont der Verband.

Luftqualität in Innenräumen ist laut VDI ein wesentlicher Faktor der Aufenthaltsqualität und Gesundheitsvorsorge. "Die entsprechenden Anforderungen der Musterbauordnung sind im Neubau, vor allem jedoch bei der Sanierung von Bestandsbauten umzusetzen", so der VDI-Rat.

In Deutschland hätten Gebäude und deren technische Gebäudeausrüstung zwar einen hohen Qualitätsstandard. Dennoch habe es in den vergangenen Jahren immer wieder Vorfälle gegeben, bei denen wesentliche gesundheitliche Belange der Bürger nicht ausreichend geschützt waren. Beispiele seien die durch Legionellen aus Verdunstungskühlanlagen verursachten Erkrankungen in Jülich, Ulm und Warstein. Auch im Wohn-, Sportund Hotelbereich gibt es laut VDI Beispiele für Nutzungsverbote aufgrund eines Legionellenbefalls, teils nur für Duschen, teils für ganze Anlagen.

Bereits in seinem Jahresbericht plädierte der VDI – aus umweltmedizinischer Sicht – für die Einführung eines Legionellen-Katasters für Verdunstungskühlanlagen.

In puncto Barrierefreiheit spricht sich der Verband dafür aus, die Förderung der Umgestaltung von Wohnraum in barrierefreie Wohnungen enger mit der Förderung des energetischen Umbaus zu verknüpfen. Wohnraum, der gleichzeitig energetisch als auch bezüglich der Barrierefreiheit saniert werde, sollte entsprechend höher gefördert werden, lautet die Empfehlung. (maw)

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