Ärzte Zeitung online, 05.12.2017
 

Baby an Bord

HighTech-Taxi für allerjüngste intensivmedizinische Patienten

Die Bielefelder Feuerwehr hat einen Babyintensivtransportwagen angeschafft und verbessert so die Versorgung, wenn intensivmedizinische Früh- und Neugeborene transportiert werden müssen. Das Ziel: So wenige Einsätze wie möglich.

Von Matthias Wallenfels

HighTech-Taxi für allerjüngste intensivmedizinische Patienten

Gruppenbild mit Inkubator vor dem neuen Baby-Intensiv-Transportwagen der Bielefelder Feuerwehr: In die Sonderkonstruktion floss die Expertise von Feuerwehrleuten und Medizinern ein – darunter von Dr. Stefan Heinzel (4. v.r.), Ärztlicher Leiter der Neonatologie im Perinatalzentrum am Evangelischen Klinikum Bethel.

© Evangelisches Klinikum Bethel gGmbH

BIELEFELD. Bielefeld setzt auf modernste Medizintechnik, um in der Region zwischen Hannover und Dortmund die mobile intensivmedizinische Versorgung der jüngsten Patienten zu verbessern. Die Berufsfeuerwehr der Stadt hat zu diesem Zweck den neuen Babyintensivtransportwagen (BITW) angeschafft – nach Angaben des Evangelischen Klinikums Bethel (EvKB) in Bielefeld der einzige in der Region.

Laut EvKB haben die Mediziner aus seinem Perinatalzentrum und die Feuerwehrexperten ihre jahrelang gesammelten Erfahrungen in Bau und Ausstattung des Rettungswagens für Neu- und Frühgeborene einfließen lassen. Auf den ersten Blick sehe der neue Baby-Intensiv-Transportwagen nicht viel anders aus als die üblichen Rettungswagen des Bielefelder Rettungsdienstes. Aber das Interieur der 380.000 Euro teuren Sonderkonstruktion sei speziell auf die intensivmedizinische Versorgung und Behandlung der allerjüngsten Patienten ausgelegt.

Kooperation besteht seit fast 50 Jahren

"Frühgeborene und schwer erkrankte Babys können während der Fahrt beatmet werden, Infusionen und Medikamente erhalten. Alles Notwendige steht zur Verfügung", erläutert Dr. Stefan Heinzel, leitender Oberarzt der Frühgeborenen-Intensivstation im Haus Gilead I des EvKB.

So stellten zum Beispiel die neuen Fahrgestelle für die Inkubatoren eine wirkliche Entlastung dar. Beim Be- und Entladen arbeite die Technik im Vergleich zum Menschen zuverlässig gleichmäßig und sanft. "Der BITW ist eine kleine Intensivstation, in der Frühchen und Neugeborene, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen, gefahren werden. Von Kliniken im Kreis Gütersloh, aber auch zum Beispiel nach einer Hausgeburt, die nicht planmäßig verlaufen ist", fasst Heinzel zusammen.

Rund 300 Einsätze im Jahr seien zu verzeichnen, ergänzt er. 15 Jahre lang sei für diesen Zweck das "Kinder-Intensiv-Mobil" eingesetzt, jetzt habe die Berufsfeuerwehr Bielefeld das neue Fahrzeug angeschafft. Die Zusammenarbeit zwischen dem Rettungsdienst der Stadt mit dem Kinderzentrum Bethel sei eng und eingespielt, denn sie bestehe erfolgreich seit 1969.

Im Einsatzalltag funktioniere das Team wie ein Uhrwerk: Wenn im Raum Bielefeld, Gütersloh, Verl oder Halle ein intensivmedizinischer Transport eines Frühchens oder Babys notwendig werde, starte die Feuerwehr mit dem vorbereiteten BITW zunächst zum EvKB nach Bethel, wo das Notarztteam des Perinatalzentrums, bestehend aus einem Kinderarzt und einer Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin, zusteige. 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr steht ein Notarztteam zum Abruf bereit, so Heinzel.

"Dennoch ist unser oberstes Ziel im Sinne des Kindes und der Mutter solche Transporte zu vermeiden", verweist Heinzel auf die Handlungsmaxime seines Teams. Deshalb empfehle er Patientinnen, die als Risikoschwangerschaft eingestuft werden, von vornherein engen Kontakt zum Perinatalzentrum seines Klinikums zu pflegen und dort zu entbinden. Das Perinatalzentrum sei auf die Behandlung und Versorgung Frühgeborener und deren Mütter spezialisiert. 600 Frühchen kämen dort pro Jahr zur Welt – 90 von ihnen mit einem Geburtsgewicht unter 1500 Gramm. Interdisziplinär arbeiteten die Frauenklinik, die Neonatologie und die Kinderchirurgie eng zusammen.

Leuchtsignal mahnt zur Vorsicht

Trotz guter Vorbereitung und Planung gäbe es immer mal wieder unerwartete Probleme, bei denen Neu- oder Frühgeborene dringend in die Frühgeborenenintensivmedizin nach Bethel verlegt werden müssten. "Das ist für uns eine besondere Herausforderung. Wir fahren mit Blaulicht und Tempo 40 durch die Stadt, um Erschütterungen zu vermeiden. Dafür ist das neue Fahrzeug optimiert", verdeutlicht Rainer Kleibrink, Amtsleiter der Feuerwehr. Da viele Verkehrsteilnehmer dieses Verhalten nicht einordnen könnten, sei der BITW hinten mit einem Leuchtsignal ausgestattet: "Baby an Bord".

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