Ärzte Zeitung online, 15.08.2018

Baden-Württemberg

Medi-Verbund: MZV-Projekt boomt, EDV-Investitionen floppen

Fortschritt und Rückschläge verzeichnet der Medi-Verbund in Baden-Württemberg. Die Etablierung von Freiberufler-MVZ nimmt Fahrt auf, doch zwei Digital-Projekte musste der Verbund aufgeben.

Von Florian Staeck

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Junge Kollegen an die Niederlassung heranführen: die Idee der Freiberufler-MVZ.

© HNFOTO - stock.adobe.com

STUTTGART. Die Einbindung junger Ärzte in Medizinische Versorgungszentren, die von Freiberuflern getragen werden, funktioniert. Der Medi-Verbund in Baden-Württemberg sieht sich mit seinem Projekt "Arztpraxen 2020" auf der richtigen Spur. "Es gibt seitens der niedergelassenen Ärzte ein riesengroßes Interesse", sagt Frank Hofmann, Vorstand der Mediverbund AG, der "Ärzte Zeitung". Drei dieser Freiberufler-MVZ seien bereits gestartet, im Herbst werde ein weiteres hinzukommen. Mit dem Projekt will der Verband Vertragsärzte ermuntern, neue Wege der Praxisübergabe zu gehen. Die Idee dabei: Junge Ärzte, die zunächst angestellt im MVZ arbeiten, sollen langsam an die Niederlassung herangeführt werden.

2019 sind sechs Medi-MVZ am Start

Die Medi-MVZ ziehen mittlerweile Kreise, Lokal- und Regionalzeitungen haben über erfolgreiche Gründungen berichtet. Vorstand Hofmann indes wundert sich, dass Politiker vor Ort nach seiner Wahrnehmung "immer noch nicht die Chancen unseres Projekts ‚Arztpraxen 2020‘ für die Sicherung der ambulanten Versorgung verstanden haben".

Anfang 2019 werden insgesamt sechs Medi-MVZ am Start sein. Für Dr. Werner Baumgärtner, den Vorsitzenden von Medi Baden-Württemberg, ist damit nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. "Unser Ziel ist es, in jedem unserer rund 30 Netze Freiberufler-MVZ zu fördern und zu etablieren", sagt Baumgärtner. Man werde dabei immer nur in Abstimmung mit den Kollegen vor Ort vorgehen, verspricht er: "Die MVZ dürfen niemals Konkurrenz für die Praxen vor Ort sein." Hemmschuh für dieses Ziel sei allein, "dass wir gegenwärtig nicht genügend qualifizierte Mitarbeiter haben, um die Gründung und den Betrieb der MVZ begleiten zu können", berichtet Baumgärtner.

Bei anderen Projekten hat Medi indes Rückschläge verkraften müssen. So etwa beim Vernetzungsprojekt in Heilbronn. Dort erprobt der Verband mit Audi BKK und AOK Baden-Württemberg sowie rund 100 Praxen von Haus- und Fachärzten digitale Alternativen zum bisherigen Fax-Standard. Die dafür eingesetzte Vernetzungssoftware ist von MicroNova entwickelt worden. "Völlig überraschend", so Baumgärtner, habe das Unternehmen erklärt, sich Ende 2019 aus dem Markt zurückziehen zu wollen. "Das hat uns gezeigt, dass wir uns bei so wichtigen Projekten nicht auf Fremdfirmen verlassen können", resümiert Baumgärtner.

Neuer Anlauf geplant

Die strategische Entscheidung, weg vom Faxstandard zu kommen, sei richtig gewesen. Jetzt müsse Medi einen neuen Anlauf nehmen. "Mein Wunsch wäre, dies gemeinsam mit dem Hausärzteverband und gegebenenfalls weiteren ärztlichen Verbänden", sagt der Medi-Chef.

Rückschlag Nr. 2 betrifft die von einem Medi-eigenen Unternehmen entwickelte Praxisverwaltungssoftware doc.star. "Wir mussten das Projekt aus finanziellen Gründen aufgeben", erklärt Baumgärtner. Das Unternehmen sei mittlerweile abgewickelt worden, fast alle 15 Mitarbeiter hätten neue Jobs gefunden. Die Software hätte in ihrer Weiterentwicklung "einen Finanzbedarf von mehreren Millionen Euro erfordert", so der Medi-Chef. Der Verbund war 2014 in das Unternehmen doc.star eingestiegen und hatte es später komplett übernommen.

Kernidee des Vorhabens war, dass mit Blick auf die Selektivverträge von Medi die teilnehmenden Praxen nicht bei jedem neuen Selektivvertrag abhängig von Praxis-EDV-Anbietern sein sollten. Er sei überzeugt, so Baumgärtner, dass die Idee eines eigenen Arztinformationssystems nach wie vor richtig sei. Nun müsse Medi neue Kooperationen suchen, eine lange Hängepartie werde es aber nicht geben. "Noch in diesem Jahr wird es Klarheit über den neuen Partner geben", kündigt Baumgärtner an.

Baumgärtner, Jahrgang 1951, gehört zusammen mit Kollegen zu den Gründungsvätern von Medi, seit 2003 ist er Vorstandsvorsitzender. Im kommenden Jahr werde er sich "nach jetzigem Stand" für weitere vier Jahre um den Vorsitz in Baden-Württemberg bewerben, kündigte er an.

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