Ärzte Zeitung, 21.02.2013

Nachfolgeplanung

Kooperation als Königsweg in den Ruhestand

Von der Einzel- zur Gemeinschaftspraxis: Der Urologe Dr. Diego Lopez Gamarra arbeitet seit Kruzem mit Dr. Bernhard Mohr als gleichberechtigtem Partner. Ist die Praxisnachfolge gesichert?

Von Dirk Schnack

Kooperation als Königsweg in den Ruhestand

Vertrauen in die eigene Teamfähigkeit: Dr. Diego Lopez Gamarra (links) machte aus seiner gut frequentierten Einzelpraxis in Brunsbüttel eine Gemeinschaftspraxis mit Dr. Bernhard Mohr.

© WKK

BRUNSBÜTTEL. Dr. Diego Lopez Gamarra hat aus dem Nichts eine gut frequentierte Praxis in Brunsbüttel aufgebaut. Mehr als 15 Jahre lang hat er die Vor- und Nachteile einer Einzelpraxis kennengelernt, ist bei Kollegen und Patienten anerkannt und akzeptiert.

Und obwohl er noch sechs weitere Jahre praktizieren wird, hat der Urologe jetzt mit Dr. Bernhard Mohr einen gleichberechtigten Partner aufgenommen und arbeitet seit wenigen Wochen in einer Gemeinschaftspraxis.

Betriebswirte, Juristen und Kollegen haben Lopez Gamarra vor dem wichtigen Schritt in die Gemeinschaft auf die bestehenden Risiken hingewiesen. Und auch der Arzt selbst hatte eigentlich zunächst an eine Praxisgemeinschaft mit getrenntem Patientenstamm gedacht.

Schließlich hat der im Gebäude des Westküstenklinikums (WKK) Brunsbüttel praktizierende Urologe eine wirtschaftlich auf sicheren Füßen stehende Praxis und einen guten Ruf zu verlieren.

Um den sorgt sich der aus Paraguay stammende Arzt allerdings nicht mehr, seit er seinen Praxispartner kennengelernt hat. Sechs Wochen nach ihrem Start sind die beiden Partner optimistisch, dass sie alles richtig gemacht haben.

Darauf deutet nicht nur der anhaltende Andrang der Patienten, sondern auch die Stimmung zwischen den beiden Ärzten hin. "Wir sind unterschiedliche Charaktere, haben aber ähnliche Wertvorstellungen. Wir verstehen uns gut als Partner", sagt Lopez Gamarra.

Zweijährige Beschnupperungsphase

Dieses Urteil kann er fällen, weil sich die beiden Ärzte viel Zeit für das Kennenlernen gelassen haben. Rund zwei Jahre lang haben sich die beiden immer wieder getroffen, haben besprochen, wie sie sich die Partnerschaft vorstellen, und Mohr hat mehrfach die Urlaubsvertretung übernommen - bis sie das Gefühl hatten, dass die wichtigsten Fragen geklärt sind.

Mohr war von Beginn an wichtig, dass er formal gleichberechtigter Partner würde. "Schließlich investiere ich ja auch für den Einstieg in die Praxis. Da brauche ich Sicherheit", sagt der aus dem Rheinland stammende Urologe.

Er erhielt Einblick in alle Zahlen der Praxis, auch weil Lopez Gamarra spürte, dass es dem Kollegen ernst war mit dem Einstieg.

Und: "Man hat gemerkt, dass es menschlich passt. Wir sind beide nicht der Typ Alleinherrscher, sondern können als Team funktionieren."

Starke Entlastung

Der Praxisinhaber hatte in den vergangenen Jahren regelmäßig mehr Patienten behandelt, als sein Budget hergab. Weil er zugleich die Belegabteilung des Westküstenklinikums leitet, blieb ihm wenig Freizeit.

Das ist mit dem Einstieg Mohrs bereits besser geworden. "Er entlastet mich stark, ich bin jetzt entspannter", sagt Lopez Gamarra.

Mit rund 60 Jahren will er jetzt noch weitere sechs Jahre praktizieren. Ob Mohr danach allein weiter arbeitet oder sich einen neuen Partner sucht, ist derzeit offen. Sicher ist Mohr aber, dass die Versorgung trotz aller Diskussionen um das WKK Brunsbüttel am Standort weitergehen wird.

Der 38-jährige Arzt ist zuversichtlich, dass er seinen dauerhaften Standort gefunden hat. Seine Familie mit drei Kindern zieht in den Sommerferien vom derzeitigen Wohnort Hamburg nach Brunsbüttel um. Auch mit den Menschen in Dithmarschen kam der in Geldern aufgewachsene Mohr schnell klar.

Neben den von ihm als "offen und ehrlich" wahrgenommenen Patienten und der Persönlichkeit des Praxispartners überzeugten ihn nicht zuletzt die Rahmenbedingungen, unter denen er in Brunsbüttel arbeiten kann - ein fast konkurrenzloser Standort im südlichen Teil Dithmarschens und eine Praxis mit Klinikanbindung, die auch Operationen ermöglicht.

Durch die Kombination mit der Praxis im WKK können die Urologen auf Geräte zurückgreifen, die sonst nur in größeren Hauptabteilungen zu finden sind.

Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Mohr ist aber wichtig, dass er zwar formal gleichberechtigter Partner von Lopez Gamarra ist. Dessen Erfahrung und das damit verbundene Vertrauen bei den Patienten respektiert Mohr aber ohne Einschränkung.

In der Sprechstunde, so haben es die beiden gemeinsam entschieden, können Patienten nicht zwischen den beiden Ärzte wählen - bislang gab es vonseiten der Patienten dagegen praktisch keinen Widerspruch.

Nach den erfolgreichen ersten Wochen in der Gemeinschaftspraxis traut Lopez Gamarra Mohr zu, dass er das Vertrauen der Dithmarscher Patienten schnell gewinnen wird.

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