Ärzte Zeitung, 28.06.2013
 

ÄG Nord

Klinikärzte bleiben weiter außen vor

Verwirrende Diskussion um die Ausweitung der Ärztegenossenschaft Nord auf Klinikärzte: Vielen Genossen in Schleswig-Holstein ist unwohl bei dem Gedanken, Klinikärzte mit ins Boot zu holen.

RENDSBURG.. Die Ärztegenossenschaft Nord öffnet sich vorerst nicht für Klinikärzte. Eine entsprechende Satzungsänderung ist zwar schon mit der erforderlichen Dreiviertelmehrheit verabschiedet, wird aber vom Vorstand vorerst nicht angewendet.

Zu diesem Konsens kam die Generalversammlung der Genossen erst nach einer verwirrenden Diskussion. Zum Hintergrund: Die Genossen wollen mehr jüngere Ärzte von ihren Zielen überzeugen und sind deshalb an den Unis präsent und sprechen mit Weiterbildungsassistenten. Genossenschaftsmitglieder können sie als Klinikärzte bislang nicht werden.

Die Generalversammlung hatte dem Vorstand deshalb 2012 den Auftrag erteilt, eine entsprechende Satzungsänderung vorzubereiten. Die Vorlage in diesem Jahr stieß aber auf geteiltes Echo.

Eine Ärztin kritisierte: "Dann haben wir Konzerne wie Helios mit drin, da habe ich Bedenken." Netzarzt Matthias Seusing aus Kiel dagegen mahnte: "Wir müssen uns bewegen und die Klinikkollegen in unsere Welt hinüberholen."

Ein weiterer Arzt sagte: "Wenn wir unsere künftigen Nachfolger nicht aufnehmen können, verspielen wir eine Chance." Dennoch blieb Unbehagen.

Unter den 72 abgegebenen Stimmen waren 15 Ablehnungen und sieben Enthaltungen. Erst nach juristischer Klärung stand fest, dass dies eine Dreiviertel-Mehrheit für die Satzungsänderung war, weil Enthaltungen nicht zur Grundgesamtheit gezählt werden.

Diesen Ausgang hielt Genossenschaftschef Dr. Klaus Bittmann für unglücklich - er wünschte sich ein eindeutiges Votum. Der Ausweg: Weil jede Neuaufnahme vom Vorstand angenommen werden muss, können Klinikärzte weiterhin abgelehnt werden. Dies wird nun bis zu einer Klarstellung so praktiziert.

Zwar war das Interesse der Klinikärzte bislang überschaubar, doch die Ärztegenossenschaft hofft langfristig auf steigende Resonanz, da zunehmend intersektorale Verträge vereinbart werden. (di)

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