Ärzte Zeitung, 05.03.2014

Geriatrie

Baden-Württemberg setzt auf Versorgungsnetze

Baden-Württemberg plant ein novelliertes Geriatriekonzept. Derweil kämpfen viele Einrichtungen um das wirtschaftliche Überleben.

STUTTGART. Die baden-württembergische Landesregierung setzt bei ihrem geplanten neuen Geriatriekonzept auf regionale geriatrische Versorgungsnetze.

Die Netze könnten durch geriatrische Schwerpunkte und Zentren vor Ort koordiniert werden, heißt es in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der CDU-Fraktion.

Als übergeordnetes Ziel nennt die Regierung "die medizinischen Versorgungsstrukturen verstärkt auf die Bedarfe hochaltriger chronisch und mehrfach kranker Menschen" auszurichten.

Wissenschaftliche Untersuchungen, mit deren Hilfe der Bedarf an geeigneten Versorgungsstrukturen ermittelt werden soll, seien entweder in Auftrag gegeben - so eine gemeinsam von Landesregierung und AOK geförderte Studie - oder bereits veröffentlicht.

Die Ergebnisse sollen in die "grundlegende Überarbeitung" des Geriatriekonzepts einfließen. Wann es vorgestellt wird, ließ Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) offen.

Verweildauer sinkt

Nimmt man die eigenen Aussagen der Regierung beim Wort, dann drängt die Zeit: Man beobachte die "Situation in der geriatrischen Versorgung mit Sorge", heißt es. Viele geriatrische Reha-Einrichtungen seien in einer wirtschaftlich schwierigen Lage, einige hätten schließen müssen.

Entgegen dem demografischen Trend ist seit 2001 die Zahl der geriatrischen Reha-Einrichtungen im Südwesten gesunken, und zwar von 45 Einrichtungen mit 1891 Behandlungsplätzen auf zuletzt 43 Einrichtungen. Diese weisen 1629 stationäre und 187 ambulante Behandlungsplätze auf.

Deutlich verringert hat sich auch die Verweildauer der Geriatrie-Patienten in den Einrichtungen. Sie sank von 25,5 (2002) auf 21 Tage (2012).

Nach Angaben der Landesarbeitsgemeinschaft Geriatrie werde die Kostenzusage von vielen Kassen "zunehmend auf 18 bis 20 Tage begrenzt".

Zudem berichtet die Landesarbeitsgemeinschaft von einer steigenden Fallschwere bei den Patienten, "was den Case-Mix in den Abteilungen zunehmend belaste und teilweise das Gesamtkonzept der Einrichtungen gefährde".

Die Landesregierung wolle sich zudem im Rahmen der Pflegereform dafür einsetzen, dass die Pflegeversicherung für die geriatrische Reha finanziell herangezogen wird, erklärte Altpeter. (fst)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Spahn soll Gesundheitsminister werden

Jünger und weiblicher will die CDU-Chefin ihr Kabinett und ihre Partei machen. In Männerhand bleibt das Gesundheitsressort: Jens Spahn soll hier der neue Minister werden. mehr »

Als Ärzte zu Mördern wurden

Vor 78 Jahren haben Ärzte auf der Schwäbischen Alb in Grafeneck erstmals Patienten mit Gas ermordet. Nachdem 10.654 Menschen tot waren, setzte das Schweigen ein. Jetzt hat die Ärztekammer an das dunkle Kapitel erinnert. mehr »

Praxen und Kliniken melden "Land unter"

Die heftige Grippewelle bringt Arztpraxen und Krankenhäuser an die Kapazitätsgrenzen. Manche Praxen müssen selbst wegen vieler erkrankter Mitarbeiter schließen, Kliniken nehmen teilweise keine Patienten mehr an. mehr »