Ärzte Zeitung, 26.01.2017
 

Transparency

Healthcare fast so korrupt wie Baugewerbe

Deutschland schneidet beim Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency gut ab. Der Gesundheitssektor wird aber kritisch gesehen.

Healthcare fast so korrupt wie Baugewerbe

Transparency hat sich auch den Bereich Healthcare genau angeschaut.

© anoli / Fotolia

BERLIN. Bei dem am Mittwoch von der Antikorruptionsorganisation Transparency International (TI) vorgestellten Korruptionswahrnehmungsindex (Corruption Perceptions Index, CPI) kommt Deutschland mit 81 von 100 Punkten unverändert auf Platz zehn – und gilt damit als recht sauber. Platz 1 teilen sich Dänemark und Neuseeland mit je 90 Punkten, am Ende der Liste steht Somalia mit 10 Punkten. Der Index misst laut TI die in Wirtschaft, Politik und Verwaltung wahrgenommene Korruption auf der Grundlage verschiedener Expertenbefragungen. Im Berichtsjahr 2016 wurden 176 Länder untersucht.

Im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" verwies der Arzt Dr. Wolfgang Wodarg, bei Transparency Deutschland als Vorstand für den Gesundheitsbereich verantwortlich, auf das Gewicht, das dem Healthcare-Sektor hierzulande in puncto Korruption zukomme. "Neben der Baubranche ist das Gesundheitswesen der korrupteste Sektor in Deutschland", so der ehemalige Bundestagsabgeordnete, der auch Mitglied des Gesundheitsausschusses war.

Mit Blick auf die vergangenes Jahr in Kraft getretenen neuen Paragrafen 299a und 299b des Strafgesetzbuches zur Bekämpfung der Korruption im Gesundheitswesen begrüßt Wodarg zwar, dass die Staatsanwaltschaften nun ein schärferes Schwert an die Hand bekämen, prophezeit aber, dass "die Korruptionsmethoden feiner werden". Hintergrund sei, dass Fehlanreize – und damit die Motivation zur Korruption – weiter bestünden, da das Gesundheitssystem von seinen Grundfesten her auf Wettbewerb ausgerichtet sei.

Ein Drittel der für den CPI Befragten in Deutschland nahm an, dass alle oder die meisten Firmenleitungen in korrupte Machenschaften involviert seien. Im Gesundheitsbereich seien zum Beispiel die von russischen Pflegediensten betriebenen Betrügereien symptomatisch, so Wodarg. (maw)

[26.01.2017, 09:45:15]
Thomas Georg Schätzler 
Gefühlte Korruption - Transzendenz statt Transparenz!
Ein Korruptionswahrnehmungsindex (Corruption Perception[s] Index, CPI) hat große Vorteile: Man kann damit Politik machen, ohne auch nur den Hauch eines Anscheinsbeweises erbringen zu müssen. Man fragt einfach als selbsternannte Tugend-, Moral- und Ethik-Wächter ebenso selbsternannte "Experten" für Korruptionsbeobachtung, die dann von gefühlten Wahrnehmungen berichten und diese für bare Münze halten können.

Kommt Ihnen, liebe Leserinnen und Leser der ÄRZTE ZEITUNG das nicht bekannt vor? Das ist so etwas wie die Einführung von Homöopathie, Naturheilkunde, Esoterik, Heilpraktikertum und Quacksalberei bei Transparency international (TI) im gesamten "Healthcare"-Bereich. Vergleichbar mit der postfaktischen Abschaffung einer rationalen, kontrollierbaren, naturwissenschaftlichen, aufgeklärten und aufklärenden, empirisch gesicherten und evidenzbasierten Medizin, welche versucht Gesundheit und Krankheit in den gesamten biografischen Ablauf der menschlichen Lebensexistenz zu integrieren.

Aber das, was Sie und ich täglich in unseren Sprechstunden tun, nämlich "Helfen, Heilen, Lindern, Schützen", professionell vergleichbar mit dem Feuerwehr-Motto: „Retten-Löschen-Bergen-Schützen“( international SERP "save, extinguish, rescue, protect"), ist laut TI derart mit Korruptionsverdacht durchtränkt und durchseucht, dass wir uns eigentlich dafür schämen müssten, damit auch noch unseren Lebensunterhalt verdienen zu wollen???

Die Antikorruptionsorganisation Transparency International (TI) ist m. E. ein stückweit frei nach Karl Kraus auch "die Krankheit, die sie zu heilen vorgibt"!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

P.S. Von Karl Kraus (1874-1936) stammt das Zitat: „Die Psychoanalyse ist die Krankheit, die sie zu heilen vorgibt.“
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