Ärzte Zeitung, 17.03.2010

AOK baut für ihre Versicherten am Arzt-Navigator

So fair wie eben möglich und methodisch sauber -das verspricht die AOK bei der Entwicklung ihres Arzt-Navigators.

Von Ilse Schlingensiepen

ESSEN. Ab dem zweiten Quartal dieses Jahres können Versicherte der AOK im Internet ihre Behandlung durch niedergelassene Ärzte bewerten. Im dritten Quartal folgt dann der zweite Schritt des AOK-Arztnavigators: die Veröffentlichung der Ergebnisse in einem für alle Internetnutzer frei zugänglichen Portal. "Wir werden in zwei Regionen starten", sagte Kai Kolpatzik, Leiter der Präventionsabteilung des AOK-Bundesverbandes, auf dem "Gesundheitskongress des Westens 2010" in Essen. Dort werden zunächst die Plausibilitätskriterien getestet, mit denen die Eintragungen überprüft werden, sagte er.

Die AOK-Versicherten können in dem Portal ihre Bewertungen nach einem bestimmten Kriterienkatalog eingeben. Freitexte sind im Arztnavigator nicht vorgesehen, um Schmähkritik gegen Ärzte von vornherein zu vermeiden. "Wir wollen ein Maximum an Fairness durch methodische Güte erreichen", sagte Kolpatzik. Deshalb erhalten die Ärzte die Möglichkeit, auf die Angaben zu reagieren und sie zu kommentieren, etwa wenn von Patienten beklagte Mängel in der Praxis bereits behoben sind.

Die AOK werde die Versicherten anschreiben und sie auffordern, ihre Arztbewertungen in das Portal einzustellen, berichtete der AOK-Experte. Das verhindere, dass die Patienten sich vor allem dann äußern, wenn sie über den Arztbesuch frustriert sind. Zunächst haben nur Versicherte der AOK die Möglichkeit, sich am AOK-Arztnavigator zu beteiligen. "In einem weiteren Schritt wollen wir anderen Kassen ermöglichen, daran teilzunehmen".

Durch Gespräche mit der Ärzteschaft habe die AOK viele Irritationen über den Arztnavigator ausräumen können. "Wir haben klargestellt, dass es sich nicht um einen TÜV handelt oder darum, Ärzte an den Pranger zu stellen", sagte Kolpatzik. Die AOK wolle den Patienten eine Orientierungshilfe geben. Untersuchungen hätten gezeigt, dass Patienten sich bei der Arztsuche Hilfe durch Informationen wünschen. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Ärzte-Bewertungen im Internet so alltäglich sein werden wie Bewertungen anderer Dienstleistungen", prognostizierte er.

Der Wunsch, solche Portale für die Patienten verständlich zu gestalten, sei eine schwierige Gratwanderung, sagte Uwe Schwenk. Er ist Programmleiter bei der Bertelsmann Stiftung, die die Kliniksuchmaschine "Weiße Liste" herausgibt.

"Man muss es möglichst einfach machen, man darf es aber auch nicht einfacher machen, als es ist", sagte er. Die AOK arbeitet mit der Bertelsmann Stiftung beim Navigator zusammen.

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