Ärzte Zeitung online, 06.08.2010

Hausarztverträge: Softwareanbieter kritisiert geplante Honorarabsenkung

NEU-ISENBURG (fst/ger). Die jüngste Entscheidung der Koalition, das Honorar in Hausarztverträgen auf das KV-Niveau zu beschränken, stößt beim Softwareunternehmen InterComponentWare AG (ICW) aus Walldorf auf Unverständnis. "Der Paragraf 73 b hat einen Innovationsschub ins Gesundheitswesen gebracht. Dieser Fortschritt ist jetzt in Gefahr", sagt Jörg Stadler, Vorstandsmitglied von ICW, im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Hausarztverträge: Softwareanbieter kritisiert geplante Honorarabsenkung

"Der 73 b hat einen Innovationsschub gebracht. Dieser Fortschritt ist jetzt in Gefahr." (Jörg Stadler, Vorstandsmitglied von ICW)

© ICW

Dabei will das Unternehmen im Streit zwischen Hausärzten und der Regierungskoalition aber nicht Partei ergreifen: "Wir sind Technologieanbieter, stehen in der aktuellen Auseinandersetzung aber nicht auf einer Seite", stellt Stadler klar. Er plädiert aber dafür, die Ergebnisse der Hausarztzentrierten Versorgung (HzV) sorgfältig auszuwerten, da für "einen Vorteilsbeleg große Studien notwendig wären".

Für Baden-Württemberg, neben Bayern das Kernland der Hausarztverträge, zieht der ICW-Vorstand für die Etablierung einer IT-Struktur ein positives Fazit: "1500 Konnektoren laufen einwandfrei", sagt Stadler. Hindernisse für einen weiteren Ausbau sieht er nicht. "Es können auch 3000 Konnektoren sein, es gibt da kein Skalierungsproblem."

Neue Aufgaben kommen auf ICW mit der wachsenden Zahl an Facharztverträgen der AOK zu, die mit dem Hausarztvertrag verknüpft werden sollen. Im Südwesten sind bereits Verträge der AOK mit Kardiologen und Gastroenterologen gestartet, Versorgungsverträge mit Orthopäden und Neurologen werden gerade verhandelt. Der Ärzteverbund Medi, über den maßgeblich die Facharztverträge abgewickelt werden, definiere Anforderungskataloge, die dann von ICW im gekapselten Kern der Software abgebildet werden müssen, erläutert Dr. Thomas Waller, Chief Medical Officer bei ICW. Dabei gehe es mehr und mehr um krankheitsbezogene Informationen, nicht mehr nur um Vertragsroutinen wie die Einschreibung von Patienten oder die Abrechnung, so Waller.

Das Verhältnis von ICW zu den Herstellern von Praxisverwaltungssoftware (PVS) hat sich nach Darstellung von Stadler "entkrampft". Beigetragen dazu habe, "dass wir kundgetan haben, kein eigenes PVS entwickeln zu wollen", so der Vorstand. ICW liefere mit dem gekapselten Kern die Software, die Hersteller der Praxis-EDV entwickelten die Nutzeroberfläche dazu. Vor allem kleinere Anbieter würden sogar komplette Module einsetzen. "Wenn Sie nur einen Kardiologen haben, der den Vertrag unterschreibt, dann ist der Entwicklungsaufwand für einen Hersteller einfach zu hoch", sagt Stadler.

Auch das Projekt der elektronischen Gesundheitsakte Lifesensor, in Hausarztverträgen elektronischer Patientenpass (EPP) genannt, wird von ICW weiter verfolgt. "Das ist eine Datendrehscheibe, ausgerichtet auf viele Millionen", so Stadler. Die EPP würden jetzt in den Hausarztverträgen ausgerollt.

Mit den anderen Herstellern für die elektronische Gesundheitsakte sei ICW im Gespräch, um Standards zu entwickeln, die ein Zusammenspiel der Systeme ermöglichen. Der elektronische Patientenpass sei, weil vom Patienten gesteuert, nicht als Ersatz zu sehen für eine professionelle Kommunikationsplattform für den Austausch unter Ärzten. Das sei eher die elektronische Fallakte - die allerdings nach Abschluss des Behandlungsfalls gelöscht werde. Eine Lösung könnte es sein, dass Patienten die Daten aus ihren Fallakten in ihre Gesundheitsakte übernehmen, regte Stadler an.

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