Ärzte Zeitung online, 24.05.2011

Hintergrund

KBV setzt sich mit AKR-Modell bei Kassen nicht durch

Die Zukunft der Kodierrichtlinien ist immer noch offen. KBV und Kassen haben sich noch nicht geeinigt.

Von Kerstin Mitternacht und Hauke Gerlof

Die Entscheidung zu den Ambulanten Kodierrichtlinien (AKR) ist noch einmal vertagt worden. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Krankenkassen haben sich in den Verhandlungen über die Umsetzung der AKR nicht auf eine gemeinsame Linie geeinigt, wie die "Ärzte Zeitung" aus sicherer Quelle erfahren hat.

Ein neuer Termin steht noch nicht fest. Informationen, warum es zu keiner Einigung gekommen ist, waren auf Anfrage bei der KBV nicht zu bekommen.

Damit hat sich die KBV mit ihrem Modell noch nicht durchsetzen können, das den Kodieraufwand für Ärzte gering halten und dennoch die Morbidität aller Patienten in Deutschland abbilden soll.

Nach dem KBV-Modell sollen für die Feststellung der Morbidität weiter die nach ICD-10 verschlüsselten Diagnosen aller Vertragsärzte herangezogen werden. Doch nur einige Vertragsärzte müssten sich an die Kodierrichtlinien halten und sollen dafür eine Aufwandsentschädigung bekommen.

Die KBV geht davon aus, dass die Kodierqualität in den meisten Fällen stimmen wird. Fast 90 Prozent der AKR-Regeln seien bereits in der ICD-10-GM enthalten. Laut KBV sieht das Modell im Einzelnen folgendes vor:

  • Die Kassenärztlichen Vereinigungen legen gemeinsam mit den Krankenkassen fest, wie viele Vertragsärzte und -psychotherapeuten in ihrem Bereich die Kodierrichtlinien verbindlich anwenden. Alle anderen Praxen entscheiden selbst, ob sie die AKR beim Kodieren nutzen und die Kodierhilfen in ihrer Praxissoftware freischalten.
  • Die Vertragsärzte, die an der AKR-Stichprobe teilnehmen, erhalten dafür eine Aufwandsentschädigung.
  • In die Berechnung der Veränderungsrate der Morbidität (Morbi-Rate) sollen weiterhin die Diagnosedaten aller Vertragsärzte und -psychotherapeuten einfließen, und zwar unabhängig davon, ob die Praxen die Kodierrichtlinien anwenden oder nicht. Der Bewertungsausschuss soll dann auf Basis dieser Daten eine bundesweite sowie regionale Veränderungsraten berechnen, die maßgeblich für die Honorarverhandlungen mit den Kassen seien sollen.
  • Bemängeln die Krankenkassen die Kodierqualität und erkennen deshalb eine regionale Veränderungsrate der Morbidität nicht an, besteht die Möglichkeit, die Kodierqualität zu überprüfen (zum Beispiel durch das KV-Abrechnungsprüfmodul). KV und Kassen vereinbaren dazu einen sogenannten Erfüllungsgrad. Dieser soll regional definiert werden und könnte zum Beispiel festlegen, um wie viel Prozent der Anteil der festgestellten Kodierfehler aller Praxen im Vergleich zu dem entsprechenden Anteil der AKR-Kodierpraxen maximal differieren darf, um von einer guten Kodierqualität sprechen zu können. Ergibt sich daraus, dass die Kodierqualität eingeschränkt ist, vereinbaren KV und Krankenkassen, ob und inwieweit sich dies auf den morbiditätsbedingten Zuwachs der Gesamtvergütung auswirkt oder nicht.

Wenn sich die KBV mit dem Modell doch noch durchsetzt, dürfte in den kommenden Jahren die Kodierqualität in allen Praxen darüber entscheiden, ob die damit festgestellten Morbiditätsveränderungen die Honorarentwicklung bestimmen.

Nach dem Vertagen der Verhandlungen bleibt die derzeitige Regelung vom November 2010 offiziell noch bestehen. Nach Vereinbarung der KBV und des GKV-Spitzenverbandes sind die Kodierrichtlinien demnach zum 1. Januar 2011 eingeführt, die Anwendung der AKR bleiben jedoch bis zum 30. Juni 2011 sanktionsfrei.

Dies würde für alle Vertragsärzte bedeuten, dass die Kodierrichtlinien nach Ende der Übergangsphase zum 1. Juli scharf geschaltet und abrechnungsrelevant werden, auch wenn die KBV und die Politik nach wie vor für eine Verlängerung der Übergangsphase sind.

[25.05.2011, 01:35:57]
Dr. Uwe Wolfgang Popert 
AKR - alles wie gehabt, nur ohne Bezahlung
Kurzum: die AKR-Bürokratie soll wie geplant durchgesetzt werden - für die Mehrarbeit und eine bessere Kodierung sollen aber nur wenige Praxen bezahlt werden.
Ob ein solches Modell, bei dem letztlich dann doch die Kodierung jeder Praxis für die Auszahlungen des mRSA gelten, tatsächlich mit dem Beschluss der KBV-VV übereinstimmt, mögen Juristen beurteilen.
Wenn ein solches KBV-Modell kommen sollte, muss man entweder die AKR grundlegend vereinfachen (und nicht nur mit einem ICPC-2 Feigenblatt)- oder aber das Kodierungschaos in Kauf nehmen.
Vielleicht ist letzteres mal nötig...
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